4,5 Mio. t zu viel

Österreichs schwimmt in CO2-Rechten

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Nach dem jähen Produktionseinbruch 2009 schwimmen Österreichs Betriebe in Millionen überschüssigen CO2-Zertifikaten. Der Kohlendioxid-Ausstoß der vom Emissionshandel erfassten österreichischen Betriebe ist im vergangenen Jahr um 14,5 % auf 27,3 Mio. t zurückgegangen, geht aus vorläufigen Zahlen der EU-Kommission hervor.

Den beteiligten Industriefirmen und Stromerzeugern in Österreich waren im Vorjahr 31,8 Mio. t CO2 zugeteilt worden. Das bedeutet, dass für 2009 um 4,5 Mio. t mehr Ausstoßrechte verteilt worden sind als tatsächlich verbraucht wurde. Die gratis zugeteilten Zertifikate dürfen freilich in der bis 2012 dauernden ganzen zweiten Kyotoperiode verwendet werden.

Nach den nun veröffentlichten vorläufigen Zahlen sind die (vom Handelssystem/ETS erfassten) Emissionen europwaeit um 11,2 % zurückgegangen. Die stärksten Einbrüche hatten Estland, Rumänien, Ungarn, Spanien und Italien aufzuweisen hatten. Alles in allem sind nach den Daten der EU-Kommission für 2009 rund 60,6 Mio. t überschüssige CO2-Zertifikate an europäische Firmen ausgeteilt worden.

Der europäische Preis der Zertifikate liegt aktuell bei nur mehr 13 Euro (Dezember-Future) - deutlich unter den noch 2008 längerfristigen Preiserwartungen. Am Höhepunkt der Krise, im Februar 2009, war beim CO2-Zertifikats-Preis ein Tief von beinahe acht Euro erreicht worden.

Speziell die europäischen Stahlindustrie hat von der Überallokation profitiert, meint der Deutsche Bank-Analyst Mark Lewis. "Sie haben etwas Wertvolles umsonst bekommen." Wenn die Firmen ihre Ausstoßrechte "heute verkaufen, ist es ein Windfall-Profit." Nach Schätzungen von Lewis haben die Stahlerzeuger in den vergangenen beiden Jahren europaweit 115 Mio. t überschüssige Zertifikate zugeteilt bekommen. Dies entspricht einem aktuellen Wert von rund 1,5 Mrd. Euro.

Mit der durch die Krise hervorgerufenen Überversorgung kann der gewünschte Effekt des Emissionshandels nicht mehr erfüllt werden, meinen Kritiker. "Der Emissionshandel funktioniert nicht, weil der Industrie nun der Anreiz fehlt, weniger CO2 auszustoßen", zitiert die "Wiener Zeitung" am Freitag den Global 2000-Experten Manuel Graf.

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