Josefsson ist für den Netzverkauf

Schweden verbietet Vattenfall Netz-Verkauf

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Schwedens Regierung hat dem deutschen Versorger den angestrebten Verkauf des schwedischen Stromnetzes untersagt und die Führung des Staatskonzerns ungewöhnlich scharf angegriffen. Wirtschaftsministerin Maud Olofsson warf der Vattenfall-Führung vor, durch anhaltende Stillstände von eigenen Atomkraftwerken vor allem in Deutschland die Erträge zu gefährden, das Unternehmen nicht ausreichend auf nachhaltige Energiequellen umzustellen und der Marke Vattenfall "erheblichen Schaden" zugefügt zu haben.

Olofsson reagierte mit ihrer Erklärung auf einen TV-Bericht, wonach Vattenfall sein schwedisches Stromnetz für 50 Mrd. Kronen (4,89 Mrd. Euro) verkaufen wolle, um den Bau eines neuen Atomkraftwerkes in Großbritannien zu finanzieren. Dazu sagte sie: "Sie haben das mit uns diskutiert, und wir haben Nein gesagt."

Vattenfall selbst hatte den TV-Bericht zunächst halbherzig dementiert: "Es ist noch keine Entscheidung gefallen." Wenige Stunden nach dieser Erklärung gab das Unternehmen die Ablösung des bisherigen Nordeuropa- und Konzernvizechefs Hans von Uthmann bekannt. Er soll sich nach Angaben von TV4 dem von Vorstandschef Lars G. Josefsson betriebenen Verkauf des schwedischen Stromnetzes widersetzt haben.

Deutsches Netz vor Verkauf

Vattenfall hat bereits offiziell den Verkauf seines Stromnetzes in Deutschland angekündigt und verhandelt mit Interessenten. Branchenriese E.ON machte als erster deutscher Stromkonzern den Verkauf seines Hochspannungsnetzes erst diese Woche perfekt. Für rund 1,1 Mrd. Euro wird der niederländische Staatsbetrieb Tennet künftig Herr über das mehr als 10.000 Kilometer lange E.ON-Hochspannungsübertragungsnetz sein, wie E.ON-Vorstandschef Wulf Bernotat am Dienstag bekanntgab.

Das in Deutschland wegen der Pannen in seinen seit 2007 fast durchgängig stillgelegten Atomkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel massiv in die Schlagzeile geratene Unternehmen wird auch in der schwedischen Öffentlichkeit seit längerem heftig kritisiert.

Dabei geht es neben Sicherheitsstandards in heimischen Atomkraftwerken vor allem um massive Vattenfall-Investitionen in deutsche und polnische Kohlekraftwerke, die nach Meinung der Stockholmer Regierung als alleinigem Anteilseigner an dem Staatskonzern nicht im Einklang mit Schwedens Klimapolitik stehen. Olofsson kündigte dazu, man arbeite zusammen mit dem Aufsichtsrat an einer neuen Strategie, die in eine "Direktive" durch den Staat als Eigner münden werde.

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