30.000 bis 45.000 H1N1-Infizierte in Österreich

In Österreich sind derzeit wahrscheinlich 30.000 bis 45.000 Personen an der "Neuen Grippe" erkrankt. Das ergab eine Abschätzung auf Basis der Zahlen aus Wien, welche das Gesundheitsministerium bekanntgab. Bisher wurden laut dem Ministerium drei Todesfälle nach A(H1N1)-Erkrankungen gemeldet. Relativ schwer von der beginnenden Pandemiewelle betroffen sein dürfte das Bundesland Tirol. Am Mittwoch wurden an der Innsbrucker Klinik drei Personen behandelt.

In der vorvergangenen Woche war man in Wien von rund 10.800 Erkrankten mit Influenza und grippalen Infekten ausgegangen. Vergangene Woche waren es wahrscheinlich um um die 14.400. Auf der Basis dieser Zahlen lautet die Schätzung nun für ganz Österreich auf 30.000 bis 45.000 Kranke. Influenza-Wellen dauern üblicherweise - zumindest bei der saisonalen Influenza - sechs bis acht Wochen. An der saisonalen Influenza dürften Anfang 2009 in Österreich bis zu 500.000 Menschen erkrankt sein.

In Wien sind seit April diesen Jahres 663 bestätigte Fälle von "Neuer Grippe" aufgetreten. Das teilte die Landessanitätsdirektion in einer Aussendung am Mittwoch mit. Allein am gestrigen Dienstag seien 30 Neuerkrankungen gemeldet worden, hieß es. "Die Altersverteilung ist dabei unverändert. 80 Prozent der Erkrankten sind unter 35 Jahre alt", so Ursula Karnthaler von der Landessanitätsdirektion. Gleichzeitig flaute der Ansturm bei den 21 Impfstellen weiterhin ab. Am Dienstag ließen sich 2.532 Personen immunisieren, einen Tag zuvor waren es noch 3.733 - ebenfalls wenig im Vergleich zum vergangenen Donnerstag, als sich 6.800 Wiener den Impfstoff injizieren hatten lassen.

42.000 Impfungen in Tirol

42.000 Impfungen gegen das A(H1N1)-Virus sind in Tirol bisher insgesamt verabreicht worden. Es gab zum Teil großen Ansturm auf die Immunisierungen, manche Kinderärzte hatten pro Tag bis zu 200 Impflinge in ihrer Praxis. Tirol gehöre zu den stark betroffenen Bundesländern. Mit einem Höhepunkt der Grippewelle sei um die Weihnachtszeit zu rechnen, meinte Anita Luckner-Hornischer. Beruhigt hatte sich am Mittwoch vorerst die Situation in den Schulen und Kindergärten. Es gab keine weiteren Schließungen, dafür wurde an drei Kindergärten und vier Schulen der Normalbetrieb wieder aufgenommen.

Drei Patienten werden derzeit an der Innsbrucker Klinik aufgrund einer Infektion mit der Neuen Grippe behandelt. Bei zwei von ihnen handelt es sich um Kranke, deren Immunsystem bereits geschwächt war, wodurch das Virus leichtes Spiel hatte. Bei der dritten Person handelt es sich um einen älteren Patienten, teilte eine Sprecherin der Tiroler Landeskrankenanstalt (TILAK) gegenüber der APA mit. Alle drei befanden sich auf der Normalstation.

Im Zeitraum von 9. bis 17. November haben in Niederösterreich rund 13.900 Personen Impfungen erhalten, die über das E-Card-System abgerechnet wurden, teilte die NÖ Gebietskrankenkasse (GKK) auf APA-Anfrage mit. Bis Dienstag seien insgesamt rund 45.000 Impfstoffdosen an die Bezirkshauptmannschaften, Magistrate, das Rote Kreuz und die Spitäler ausgeliefert worden, hieß es in der NÖ Landessanitätsdirektion.

"Weiterhin alles ruhig", hieß es in Oberösterreich. Die Zahl der Geimpften dürfte mittlerweile bei rund 11.500 liegen, schätzte Landessanitätsdirektor Stefan Meusburger am Rande einer Pressekonferenz in Linz. Täglich lassen sich rund 700 Menschen immunisieren. Genaue Zählungen gebe es erst wieder nach Ablauf der Woche. Besonders schwere Fälle oder Tote waren vorerst nicht bekannt.

Weniger Impfungen

Von den Patienten auf der Intensivstation der Salzburger Landeskliniken (SALK) sind weiterhin zwei Patienten in sehr kritischem Zustand. Für einen 77-Jährigen, der sich ursprünglich wegen eines chronischen Nierenleidens im Spital befand und einer 62-jährigen Risikopatientin bestehe weiterhin Lebensgefahr, sagte SALK-Pressesprecherin Mick Weinberger auf Anfrage der APA. Ein 41-jährige Bayer und ein sechs Monate altes Baby - letzteres auf der Intensivstation des Kinderspitals - seien auf dem Weg der Besserung.

Der aus dem angrenzenden bayerischen Raum stammende 41-Jährige wird demnächst auf die Normalstation verlegt, so die SALK-Pressesprecherin. Ein 44-Jähriger Faistenauer, der beim Verkehrsunfall in Seewalchen (OÖ) am Montag schwerst verletzt und mit dem Rettungshubschrauber Airmed in das Landeskrankenhaus Salzburg geflogen wurde, liegt in der Chirurgie West mit einem Polytrauma im künstlichen Tiefschlaf. Auch bei ihm wurde der H1N1-Virus festgestellt, sagte Weinberger.

In den Servicecentern der Salzburger Gebietskrankenkasse wurden bis Dienstagabend 7.424 Personen gegen H1N1 geimpft. In der SGKK wird ein Rückgang um 500 Personen pro Tag im Vergleich zu den Tagen der vergangenen Woche verzeichnet. Im Gesundheitsamt Salzburg-Stadt wurden 54 Personen geimpft. Von den Kinderärzten gab es noch keine offiziellen Zahlen.

In Vorarlberg war die Situation auch unter Kontrolle. Bisher ließen sich im Ländle über 5.300 Personen impfen, allein am Dienstag waren es über 500. Der Großteil der Interessierten wurde über das Impfnetz der niedergelassenen Ärzte immunisiert. Bisher sind 15.800 Dosen des Impfstoffs ausgeliefert worden, informierten die Vorarlberger Gesundheitsbehörden. Wegen zahlreicher Grippefälle musste am Mittwoch eine zweite Klasse an der Volksschule Hohenems-Markt geschlossen werden. In Vorarlberg findet derzeit in rund 20 Schulklassen kein Unterricht statt.

Keine schweren Fälle im Burgenland

Weder schwere Krankheitsfälle noch geschlossene Schulen oder Kindergärten gibt es im Burgenland. Bis Dienstagabend wurden laut dem Büro von Gesundheitslandesrat Peter Rezar (S) 4.430 Menschen gegen die Schweinegrippe geimpft. "Aber die Situation hat sich schon sehr entspannt, der Ansturm ist nicht mehr so groß wie vorige Woche", sagte Gerlinde Stern-Pauer. Insgesamt stehen den Burgenländern ihr zufolge mehrere Zehntausend Impfdosen zur Verfügung.

Bis inklusive Dienstag sind in der Steiermark insgesamt rund 10.700 Personen gegen die "Neue Grippe" geimpft worden, hieß es von der Steirischen Gebietskrankenkasse (GKK). Eingerechnet sind dabei sowohl das Gesundheitspersonal als auch Risikogruppen. Die Steiermärkische Krankenanstaltengesellschaft (KAGes), die bisher nur eigene Aufzeichnungen führt, erklärte am Mittwoch, dass bei ihnen bisher 4.000 bis 6.000 Mitarbeiter immunisiert worden seien. Eine dritte Impfstoff-Bestellung sei bereits aufgegeben worden. Während laut GKK der Andrang aus der Bevölkerung nachlasse, steige die Nachfrage bei der KAGes an.