Pflegegrafik

Pflege: 22 Prozent mehr offene Stellen

Die Arbeitsmarktsituation im Pflegebereich läuft laut aktuellen Daten des Arbeitsmarktservices (AMS) gegen den allgemeinen negativen Trend. Während die Zahl aller offenen Stellen gegenüber dem Juni des Vorjahres um 38,2 Prozent zurückgegangen ist, gibt es im Pflegebereich derzeit um 22 Prozent mehr freie Jobs als 2008.

Das von der Regierung fixierte Ausbildungsprogramm ist indes bereits auf Schiene. AMS-Vorstand Johannes Kopf erklärte gegenüber der APA, im laufenden Jahr werde man über das AMS in Summe rund 4.000 Personen aus- und weiterbilden.

Der Pflegebereich sei "ganz sicher ein wachsender Bereich und wir sind froh, dass wir ihn haben", so Kopf. Es handle sich um eine Branche, in der sich vor allem Wiedereinsteiger leicht ausbilden lassen - diese hätten auch eine "hohe Verbleibrate" im Beruf - im Gegensatz zu jungen Arbeitskräften, die die Branche oft nach wenigen Jahren wieder verlassen würden.

Während im Juni 2009 insgesamt um 16.659 weniger offene Stellen (-38,2 Prozent) beim AMS gemeldet waren als im Vergleichszeitraum des Vorjahres, gab es im Pflegebereich mit 1.015 gemeldeten offenen Stellen um 187 Jobs mehr - ein Plus von 22 Prozent. "Das läuft hier ein bisschen gegen den Trend", so Kopf. Auf den ersten Blick würde das zwar "nicht so viel" klingen, so der AMS-Chef. Allerdings: Über das Jahr gerechnet könnten dank der Job-Fluktuation wesentlich mehr Stellen nachbesetzt werden.

Dies bestätigen auch die Trägerorganisationen. Laut Schätzungen der Volkshilfe könnte man in der gesamten Branche heuer - über das Jahr gerechnet - rund 7.000 Stellen neu- oder nachbesetzen; alleine bei der Volkshilfe rund 500. Beim Hilfswerk rechnet man laut Geschäftsführer Walter Marschitz damit, heuer in Summe circa 600 Jobs im Pflegebereich neu- oder nachbesetzen zu können. Der Großteil davon betrifft demnach Heimhilfen (300 Posten), der Rest teilt sich zu je 150 Jobs auf Pflegehelfer und diplomierte Kräfte auf - bei letzteren herrscht laut Marschitz der größte Arbeitskräftemangel.

Begegnen will die Regierung dem Mangel an Arbeitskräften mit einer Ausbildungsoffensive des AMS. Einerseits wird die Ausbildung von neuen Kräften finanziert - als Heimhelfer, Pflegehelfer oder Altenfachbetreuer. Während man im Vorjahr in diesem Bereich noch rund 1.900 Personen mit Mitteln des AMS ausgebildet hat, rechnet Kopf für heuer mit 3.100 Ausbildungen. Bereits jetzt sind demnach 2.100 Personen in Ausbildung oder haben diese bereits abgeschlossen.

Förderung von Höherqualifizierungen

Als zweite Schiene setzt man auf die Höherqualifizierung bereits beschäftigter Personen. So können sich etwa Pflegehelferinnen mit Mittel des AMS zu diplomierten Kräften ausbilden lassen. Das AMS übernimmt dabei zwei Drittel der Ausbildungs- und 60 Prozent jener Kosten, die durch den Ausfall der Arbeitskraft während der Ausbildung entstehen. Für heuer rechnet Kopf mit mehr als 800 Weiterbildungen, im Vorjahr lag man bei knapp über 600. Finanziert wird das Programm aus dem laufenden "Förderbudget" des AMS (heuer insgesamt bei 1,005 Mrd. Euro).

Auf die Möglichkeit der finanziellen Verbesserungen für Interessierte verwies Caritas-Generalsekretär Stefan Wallner: Im Pflegebereich gibt es je nach Träger eigene kollektivvertragliche Regelungen, die sich aber nur geringfügig unterscheiden. So kann eine Heimhilfe nach dreimonatiger Ausbildung mit einem Einstiegsgehalt von etwa 1.400 Euro brutto rechnen (Vollzeit). Pflegerhelfer steigen mit etwa 1.600 Euro in den Beruf ein, eine diplomierte Krankenschwester kann zu Beginn mit rund 1.800 Euro rechnen. Der Schritt - etwa von einer Reinigungskraft hin zu einer Heimhelferin - bedeute dann schon einen "gewaltigen Einkommensschub", so Wallner.