Allianz zwischen TUIfly und Air Berlin genehmigt

Befreiungsschlag für TUI: Rivalen werden Partner

Für die TUI ist es ein Befreiungsschlag: Nach jahrelanger Partnersuche für das verlustreiche Citygeschäft der Flugtochter TUIfly ist die Kooperation mit der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft Air Berlin jetzt unter Dach und Fach. Das deutsche Bundeskartellamt hat am 8.9. grünes Licht für die Übernahme der Städteverbindungen von TUIfly durch Air Berlin gegeben.

Experten halten es nicht für ausgeschlossen, dass es nun auch weniger Billigtickets geben könnte. TUI kann sich künftig auf das besser steuerbare und weniger risikoreiche Chartergeschäft konzentrieren. Air Berlin verliert einen preisaggressiven Rivalen und kann sein Streckennetz sowie die Angebote für die wichtige Gruppe der Geschäftsreisenden ausbauen.

Nur auf wenigen Strecken gebe es Überschneidungen des Flugangebots von TUIfly und Air Berlin, sah auch das Kartellamt. Und in einigen Ländern wie Italien, wo TUIfly sehr stark ist, hat Air Berlin bislang nur geringe Passagierzahlen. Insgesamt aber würden Überkapazitäten voraussichtlich abgebaut, sagt die Expertin der Nord/LB, Martina Noß. Die Ticketpreise könnten tendenziell eher steigen.

Von weitergehenden Kooperationsplänen mussten die Unternehmen sich zwar verabschieden. Ursprünglich waren wechselseitige Beteiligungen von jeweils 19,9 Prozent und dann von jeweils 9,9 Prozent geplant gewesen, die aber Bedenken bei den Wettbewerbshütern ausgelöst hatten.

Nun ist eine einseitige Beteiligung der TUI an Air Berlin von 9,9 Prozent geplant, die jedoch kartellrechtlich noch nicht genehmigt ist. Sollte sie nicht zustande kommen, soll die Kooperation ohne Beteiligungen laufen. Der TUI ist sie soviel wert, dass sie in diesem Fall 15 Mio. Euro "Mitgift" zahlen will. Der Deal müsse über die Ziellinie gebracht werden, heißt es in Unternehmenskreisen.

"Wirtschaftlicher Effekt für TUI enorm positiv"

"Der wirtschaftliche Effekt für die TUI ist enorm positiv", sagte TUI Deutschland-Sprecher Mario Köpers. Er spricht von einem "Meilenstein" für die TUI. "Mit Blick auf unsere Flugkapazitäten schlüpfen wir von einer Übergröße in einen Maßanzug." Details über das Fluggeschäft hat die TUI in ihren Konzernabschlüssen nie einzeln ausgewiesen.

Dass das Einzelplatzgeschäft aber hochriskant ist, ist unbestritten - erst recht in der derzeitigen Wirtschaftskrise und erst recht für einen vergleichsweise kleinen Anbieter wie die TUI. Mehr denn je kommt es auf die Auslastung der Flugzeuge an, und die lässt sich ab einer bestimmten Unternehmensgröße eben besser steuern, sagen Experten.

TUIfly aber gilt schon lange als zu groß für eine Ferienfluggesellschaft, die von den Pauschalreisegästen der Veranstalter lebt, und als zu klein für eine eigenständige Gesellschaft. Der deutsche Flugmarkt ist bereits seit längerem in einer Phase der Konsolidierung. Angesichts der Krise rechnen Flughäfen und Fluggesellschaften mit einem schrumpfenden Markt. Und die Konkurrenz ist groß.

Für die TUI war das Geschäftsmodell des Städteflugverkehrs aus Sicht des früheren TUI-Vorstands und Touristikexperten Karl Born ohnehin auf Dauer nicht geeignet. "Es passte nicht zu der übrigen Klientel der TUI-Kunden", sagt er. Dieses Geschäftsfeld benötige eine Größe, an die die TUI nicht heranreiche. Deshalb könne Air Berlin schon aus diesem Grund erfolgreicher sein.

Air Berlin übernimmt mit dem TUIfly-Citygeschäft zwar auch die Verantwortung für die Vermarktung und Auslastung. Die Maschinen und die Crews aber stellt TUIfly über einen langfristigen Leasingvertrag. Die Maschinen werden umgespritzt und die Besatzung der Flugzeuge trägt Air Berlin-Uniformen, sie behalten aber ihren bisherigen Arbeitsvertrag.

Langen Querelen mit teuren Arbeitskämpfen wie in dem seit Monaten schwelenden Streit um die Eingliederung von LTU, die 2007 von Air Berlin gekauft worden war, kann Air Berlin-Chef Joachim Hunold damit voraussichtlich aus dem Weg gehen.

TUI verlängert zudem die Kurzarbeit für einen Teil seiner Beschäftigten. Die rund 2.000 Mitarbeiter der konzerneigenen Reisebüros sollen nun bis Ende September 2010 - also bis zum Ende des Geschäftsjahres 2009/10 - kürzere Wochenstunden arbeiten, wie ein Firmensprecher auf Anfrage erklärte.

Arbeitnehmervertretern zufolge beträgt das Minus bei der Arbeitszeit rund zehn Prozent. Dafür verzichtet der Konzern auf Stellenstreichungen und nimmt keine Einschnitte bei Leistungen wie Weihnachts- und Urlaubsgeld vor. Bei den rund 1.800 Mitarbeitern von TUI Deutschland soll die Kurzarbeit im Jänner auslaufen.