Insolvenz könnte Gespräche mit American und Delta komplizieren

Japan will bei JAL-Insolvenz Treibstoff bezahlen

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Die japanische Regierung will dafür sorgen, dass die angeschlagene Japan Airlines (JAL) auch im Falle einer Insolvenz in der Luft bleiben kann. Japans Verkehrsminister Seiji Maehara hat für Mittwoch (30. Dezember) ein Treffen des Kabinetts einberufen.

Eine Entscheidung über die Insolvenz sei noch nicht gefallen, allerdings werde der Staat in diesem Falle für den Betrieb der Fluggesellschaft sorgen, sagte Maehara. Die japanische Zeitung "Nikkei" hatte zuvor berichtet, die staatliche Sanierungsgesellschaft ETIC (Enterprise Turnaround Initiative Corp of Japan) wolle für die Kosten für Treibstoff und andere Betriebsausgaben aufkommen, wenn das Unternehmen im Rahmen eines gerichtlichen Insolvenzverfahrens umgebaut wird.

Die Aktie von Japan Airlines verlor bis Handelsschluss 23,9 % auf 67 Japanische Yen, zuvor war sie bis auf 60 Yen gefallen und hatte den japanischen Aktienmarkt am letzten Handelstag des Jahres belastet. Auch die Aktien der größten Gläubigerbanken von Japan Airlines wurden in Mitleidenschaft gezogen. Zu den Kreditgebern von JAL gehört neben der staatlichen Entwicklungsbank auch Großbanken wie Mitsubishi UFJ Financial, die Mizuho Financial Group und die Sumitomo Mitsui Financial Group (SMFG).

Der ETIC-Fonds könnte Kreisen zufolge in einem gerichtlichen Insolvenzverfahren nicht nur für die laufenden Kosten von Japan Airlines garantieren, sondern auch Gläubigerschutz gewähren, ähnlich dem Chapter-11-Verfahren in den USA. Die Entscheidung des ETIC wird nächsten Monat erwartet. Der Fonds kann auf 1,6 Billionen Yen (12,1 Mrd Euro) zurückgreifen, um angeschlagene aber überlebensfähige Unternehmen zu stützen.

Ein Insolvenzverfahren könnte allerdings die Gespräche mit American Airlines und Delta Air Lines komplizieren. Die beiden US-Fluggesellschaften hatten ihre Unterstützung angeboten: Delta will Zugang zum Netz der Japaner bekommen und sie aus der One-World-Allianz locken, zu der neben British Airways vor allem American Airlines gehört. Der US-Konkurrent wiederum will Japan Airlines als Partner nicht verlieren. Die japanische Fluggesellschaft hatte Ende Oktober den Staat um Hilfe gebeten. JAL hat in vier der vergangenen fünf Jahre einen Verlust eingeflogen. Die Schulden belaufen sich inzwischen auf umgerechnet rund 10 Mrd. Euro.

Lange in schweren Turbulenzen

Die einstige Staats-Airline fliegt schon seit langem in schweren Turbulenzen - in vier der vergangenen fünf Geschäftsjahre gab es Verluste. Zuletzt verbuchte Japan Airlines (JAL) in dem Jahr bis Ende März 2009 ein Minus von 63 Mrd. Yen (476 Mio. Euro). Seit der Luftfahrt-Krise 2001 musste die Regierung bereits mehrfach eingreifen.

Die allgemeine Schwäche der Luftfahrtindustrie im Gefolge der Wirtschaftskrise traf Japan Airlines in den vergangenen Monaten besonders hart - auch wegen der enormen Schulden. Zum vergangenen Juli stand JAL bei den Gläubigern mit rund 530 Mrd. Yen in der Kreide (4 Mrd. Euro). Unter den Geldgebern sind Top-Adressen der japanischen Finanzbranche wie Mitsubishi UFJ, Sumitomo und Mizuho Financial.

Japan Airlines sicherte sich zuletzt eine Zwischenfinanzierung und versucht, Mitarbeiter und Pensionisten zu Zugeständnissen zu bewegen. Nachdem es am Mittwoch in einem Bericht hieß, eine Insolvenz sei wahrscheinlich, wenn keine Einigung bei den Pensionslasten gelinge, gab es für die JAL-Aktie kein halten mehr. Das Papier stürzte zwischenzeitlich um bis zu 32 % auf 60 Yen ab, landete jedoch schließlich bei einem Kurs von 67 Yen. Der Einbruch drückte den gesamten Nikkei-Index der 225 führenden Werte am letzten Handelstag des Jahres ins Minus.

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