Nordkorea will wieder Touristen aus Südkorea

Versöhnliche Geste aus Nordkorea: Nach den wachsenden Spannungen in den vergangenen Monaten will das kommunistische Land die Grenze nach Südkorea für Touristen und für neue Treffen getrennter Familien wieder durchlässiger machen. Die Reisen zum Kumgang-Gebirge an der Ostküste wie auch zu historischen Stätten in der Grenzstadt Kaesong sollen bald wieder aufgenommen werden, wie die staatliche Nachrichtenagentur KCNA am Montag (17. August) berichtete. Neue Familientreffen soll es im Oktober geben.

Darauf einigte sich Nordkorea nicht mit der südkoreanischen Regierung, sondern mit dem Konzern Hyundai, der die ausgesetzten Tourismusprojekte bislang betrieben hatte und größter südkoreanischer Investor im abgeschotteten Nachbarland ist. Die Regierung in Seoul bewertete die Einigung als "positiv". Das Vereinigungsministerium machte aber deutlich, dass die Entscheidung für die Wiederaufnahme der Annäherungsprojekte in Gesprächen auf Regierungsebene getroffen werden muss.

Südkorea hatte die Reisen zum Kumgang-Gebirge vor mehr als einem Jahr nach tödlichen Schüssen eines nordkoreanischen Soldaten auf eine südkoreanische Touristin ausgesetzt. Nordkorea hatte sich geweigert, gemeinsamen Untersuchungen zu dem Zwischenfall in der Nähe des Erholungsgebiets zuzustimmen. Die Beziehungen beider Länder hatten sich bereits seit dem Amtsantritt einer konservativen Regierung in Seoul im Februar 2008 spürbar verschlechtert, die eine härtere Haltung gegenüber dem Regime in Pjöngjang vertritt. Nordkorea hatte den Dialog zum Süden auf hochrangiger Ebene abgebrochen.

Verkehr über Grenze soll normalisiert werden

Der nordkoreanische Militärmachthaber Kim Jong Il hatte die Vorsitzende von Hyundai, Hyun Jeong Eun, am Sonntag zu einem vierstündigen Treffen empfangen. Beide Seiten hätten ein "herzliches Gespräch" geführt, berichtete KCNA. Kim sei auf alle Wünsche Hyuns eingegangen. Die Konzernchefin war als Privatperson zu einem mehrtägigen Besuch nach Pjöngjang gereist. "Hyundai wird sich in engen Beratungen mit der (südkoreanischen) Regierung für die Verwirklichungen der jüngsten Vereinbarungen mit Nordkorea einsetzen", sagte Hyun nach ihrer Rückkehr über die Grenze.

Nordkorea und Hyundai verständigten sich den Berichten zufolge auch darauf, den Verkehr über die Grenze zum innerkoreanischen Industriepark in Kaesong wieder zu normalisieren. Zusammen mit dem von Südkorea finanzierten Gewerbepark waren die Tourismusprojekte wichtige Devisenquellen für das verarmte, aber hochgerüstete Nordkorea.

Hyun hatte sich bereits vor dem Treffen mit Kim erfolgreich für die Freilassung eines südkoreanischen Ingenieurs eingesetzt. Der Mann war wegen Kritik an der Führung in Pjöngjang viereinhalb Monate festgehalten worden. Er war im März in Kaesong festgenommen worden.

Ungeachtet der als Versöhnungsgeste verstandenen Erklärung versetzte Nordkorea seine Truppen und die Bevölkerung wegen einer alljährlichen Militärübung der US-Streitkräfte mit Südkorea in "spezielle Alarmbereitschaft". In einer Erklärung des Oberkommandos der Volksarmee wurde den USA und Südkorea erneut unterstellt, einen Angriff vorzubereiten. Südkoreas Verteidigungsministerium spielte die Erklärung als routinemäßige Reaktion auf das Manöver mit den USA herunter. Bei der gemeinsamen Übung, die am Montag begann und bis zum 27. August dauert, stehen Computersimulationen im Mittelpunkt.

Die Spannungen in der gesamten Region hatten sich durch den Start einer nordkoreanischen Langstreckenrakete im April und einen zweiten Atomtest in Nordkorea am 25. Mai merklich verschärft.