Polens Hotellerie leidet massiv

Polens Hotelbranche hat im ersten Quartal einen deutlichen Einbruch erlitten. Die Zahl der Übernachtungen sei im Jahresvergleich um 4,4 Prozent auf knapp 3,9 Millionen zurückgegangen, sagte Krzystof Lopacinski, Leiter des staatlichen Instituts für Touristik, gegenüber der APA. Vor allem ausländische Gäste übernachteten weniger in Polen. Die Zahl der ausländischen Besucher ging in den ersten drei Monaten um fast 15 Prozent auf 514.000 zurück.

Aufgrund von Rabattaktionen führte der Rückgang bei den Übernachtungen zu noch stärkeren Umsatzeinbußen. Der Generaldirektor der Wirtschaftskammer des polnischen Hotelgewerbes (Izba Gospodarcza Hotelarstwa Polskiego), Krzysztof Wojtkiewicz, schätzte die landesweiten Umsatzrückgänge auf 20 bis 25 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres auf APA-Anfrage. Betroffen seien vor allem die Hotels in kleineren Städten, so Wojtkiewicz. Im zweiten Quartal zeige sich ein ähnliches Bild, meinte er.

Gelassen sieht die Entwicklung indes der österreichische börsenotierte Immobilienentwickler Warimpex, der in Polen unter anderem zwei Hotels in Warschau hat und gerade in Lodz das erste Vier-Sterne-Hotel der Stadt eröffnete. "Der Rückgang ist in Polen signifikant niedriger als in anderen europäischen Ländern", sagte Christoph Salzer, Pressesprecher des Unternehmens, gegenüber der APA. Das neue Hotel in Lodz, das als "andel's Designhotel" Mitte Juni eröffnet wurde, sei schon mehrmals ausgebucht gewesen, so Salzer. Die Arbeiten an einem neuen Hotel in Katowice (Kattowitz) lägen "absolut im Zeitplan", die Eröffnung sei für März 2010 vorgesehen.

EM-Investitionen verzögert

Nach Ansicht von Experten hingegen verzögert der Umsatzeinbruch notwendige Investitionen vor der Fußball-Europameisterschaft 2012, weil die Banken bei der Finanzierung vorsichtiger sind. "Die Mittel für eine neue Investition aufzubringen, grenzt an ein Wunder", erklärte Marek Dabrowski, Generaldirektor der Hotelgesellschaft Atrium in Polen, gegenüber der Zeitung "Rzeczpospolita".

In Warschau kommen Zeitungsberichten zufolge die Bauarbeiten an mindestens zwei Projekten nicht voran, in Krakau verzögern sich die Arbeiten an zwei Hotels der Orbis-Gruppe. "Wenn schon eine solch große Firma Investitionen in der Stadt stoppt, in der am meisten Zimmer nachgefragt werden, sieht es schlecht aus", kommentierte dies Maciej Grelowski, der ehemalige Chef von Orbis in Polen, der "Rzeczpospolita".