Ticketpreise bleiben im Keller

Volle Flieger, leere Kassen

Die Sitzreihen in den Fliegern sind gut gefüllt, doch in den Kassen der Fluggesellschaften bleibt wenig hängen.

Rund ein Jahr, nachdem der Lehman-Schock die Wirtschaft und damit auch die Luftfahrt in neue Tiefen gerissen hat, verharren die Ticketpreise im Keller. Und die Schnäppchenangebote mancher Airlines verstärken den Trend nach unten.

Der Billigflieger Ryanair ist für seine Kampfpreise bekannt. Zum Tag der deutschen Einheit schaltete die irische Fluglinie 20.000 Tickets zu 20 Cent frei. Die Lufthansa, die die Billigflieger zu wichtigen Konkurrenten erklärt hat, stellte zu diesem Anlass auf Einheitspreis um: 24 Stunden lang konnten Sparfüchse für den Winter Hin- und Rückflüge für zwei Personen quer durch Deutschland für 149 Euro buchen - dagegen erscheint selbst die Reise mit dem ICE sündhaft teuer.

Eine Erhebung des Preisvergleichsportals www.billigflieger.de zeigt, dass die Ticketpreise noch immer im Keller sind. Der Trip vom Flughafen Köln/Bonn nach Berlin und zurück war danach im dritten Quartal rund 22 % billiger zu haben als ein Jahr zuvor. Zwischen Frankfurt und Bangkok mussten die Reisenden ein Drittel weniger bezahlen. Und auf der Strecke Frankfurt-New York gaben die Preise um fast ein Viertel nach.

Dabei konnten sich zuletzt weder die Lufthansa noch der deutsche Branchenzweite Air Berlin über leere Flugzeuge beklagen. Die Auslastung der Flieger lag im September jeweils bei mehr als 80 % - ein guter Wert, selbst für Boomzeiten.

Doch die Gesellschaften haben ihr Flugangebot bereits im Frühjahr zusammengestrichen: Und Flieger, die am Boden bleiben, zählen bei der Auslastung nicht mit. Die Lufthansa gerät ins Grübeln. "Wir haben zwar Passagiere, verdienen mit diesen aber im Schnitt 20 % weniger als vor der Krise", sagte der für Marketing und Vertrieb zuständige Lufthansa-Bereichsvorstand Thierry Antinori dem "Handelsblatt".

Dabei leiden die Gesellschaften nicht nur darunter, dass Unternehmen und Privatleute genauer aufs Geld schauen und nach billigeren Flügen suchen. Die Reisenden könnten auch einfach ganz wegbleiben.

"Nach dem Einbruch bei den Geschäftsreisenden zunächst der großen Konzerne und später dann der mittelständischen Unternehmen könnte eine dritte Welle auf uns zukommen: die Zurückhaltung der Privatreisenden", sagte Antinori. Die Reisekonzerne TUI Travel und Thomas Cook sehen ihre größte Bedrohung schon länger in einer steigenden Zahl von Arbeitslosen: Wer keinen Job hat, bucht kaum einen Flug oder eine Pauschalreise.

Von einem Ende der Krise können die Airlines daher vorerst nur träumen. "Die Branche hat im ersten Halbjahr 2009 den stärksten Einbruch bei den Passagierzahlen in der jüngsten Geschichte der deutschen Luftfahrt erlebt", sagt der Geschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Fluggesellschaften (BDF), Michael Engel.

"So etwas schmerzt und kann nicht ohne Folgen bleiben." Lufthansa, Air France-KLM und British Airways haben sich bereits stramme Sparprogramme verordnet. Mit weniger Kosten und Mitarbeitern wollen sich die Airlines auch bei niedrigeren Erlösen in der Gewinnzone halten oder erst wieder dort hinbringen. Der Kunde könnte dabei der Gewinner sein.