Österreichische Milchbauern blockierten Autobahn

Europaweit protestieren derzeit Milchbauern gegen den Preisverfall auf ihrem Sektor. In der Steiermark blockierten 100 Bauern mit etwa 50 Traktoren und einigen Kühen für eineinhalb Stunden den A9-Autobahnknoten St. Michael bei Leoben. Die Proteste richteten sich gegen die Agrarpolitik der EU, der Regierung und der Landwirtschaftskammer. Österreichweit wurden zum Teil Milchlieferungen ausgesetzt.

Die IG Milch hatte in Österreich zu den Protesten und Streiks aufgerufen. Ihr gehören lediglich 4.000 der 40.000 heimischen Milchbauern an.

Um die 50 Traktoren fuhren Montagvormittag am Linzer Hauptplatz auf. Dabei wurde Milch an die Passanten verschenkt. Die Bauern waren mit ihren Zugmaschinen und zum Teil mit Anhängern aus der Umgebung in die Landeshauptstadt gefahren. Das sorgte im Früh-Verkehr für Behinderungen. Auf Transparenten stand etwa "Lebensmittel zum Spottpreis" oder "Wir sind keine Knechte der Agrarpolitik".

Unterdessen gab es im Ringen um EU-Hilfen für Milchbauern weiter keine Ergebnisse. Die gesetzlichen Milchquoten werden wohl kommendes Jahr trotz der Proteste erhöht und damit die Preise gedrückt. Am Rande eines informellen Treffens der EU-Agrarminister hieß es am Montag im schwedischen Växjö, es zeichne sich weiterhin keine Mehrheit für eine Aussetzung der beschlossenen Quotenerhöhung ab.

Landwirtschaftsminister Berlakovich rief neuerlich die EU-Kommission zu Maßnahmen gegen die Krise am Milchmarkt auf. Obwohl die Kommission zuletzt die Forderung von 16 EU-Staaten - unter ihnen Österreich - abgelehnt habe, Aktionen zu setzen, werde man weiter Druck ausüben.

Während sich die Regierungsparteien gegenüber dem Milchstreik und den Protestmaßnahmen zurückhaltend bis ablehnend verhielten, gab es seitens BZÖ, Grünen und KPÖ Unterstützung und Solidaritätsbekundungen. Der Hilferuf der verzweifelten Bauern sei verständlich, der Preisverfall unerträglich, so der Tenor.