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Nach Beurlaubung

Polit-Debatte um Tirol-Milch-Fusion

Nach dem Bekanntwerden der Beurlaubung von Tirol-Milch-Geschäftsführer Benker sind die Fusionspläne mit Berglandmilch im Kreuzfeuer der Kritk.

Nach dem Bekanntwerden der Beurlaubung von Tirol Milch-Geschäftsführer Carl-Albrecht Benker haben die Tiroler Grünen am Mittwoch die geplante Fusion mit der oberösterreichischen Berglandmilch kritisiert. Die Bauern sollten durch den Schritt nicht kurzfristig einen Vorteil, langfristig aber "große Nachteile" haben, meinte Klubobmann, LAbg. Georg Willi.

Die "überfallsartige Beurlaubung" des Geschäftsführers sei wohl Beweis genug, dass die Fusionspläne der Tirol-Milch "dringendst" hinterfragt werden müssten, erklärte Willi. Obmann Hans Schweiger habe sich offenbar an der Kritik Benkers an der Fusion gestoßen. Willi forderte einen Stopp der Fusionspläne.

Dinkhauser fordert Stopp

Der Chef der stärksten Oppositionspartei im Tiroler Landtag, LAbg. Fritz Dinkhauser forderte am Mittwoch einen Stopp für die Fusionspläne der Tirol Milch mit der Berglandmilch. "Millionen Euro Steuergeld" stehe auf dem Spiel. Es gehe um Standortpolitik, nicht um Standespolitik.

Das Chaos bei der Tirol Milch werde täglich größer und die Kosten würden steigen, meinte Dinkhauser. Die Beurlaubung des Kurzzeit-Geschäftsführers werde tausende Euro kosten. Es sei absolut unverständlich, wie Management und Agrarpolitik eine so exzellente Marke leichtfertig aufs Spiel setzen könnten. Die den 4.000 Bauern und 300 Mitarbeitern gegebenen Zusagen seien kurzfristige Versprechen ohne jede langfristige Garantie.

Dinkhauser will nächste Woche im Landtag Aufklärung darüber, wie viel öffentliche Gelder in den letzten Jahren an das Unternehmen Tirol Milch geflossen seien. Allein bei der Übersiedelung von Innsbruck nach Wörgl gehe es nicht um 45 Millionen Euro, sondern um 65 Millionen.

Steixner will Prüfung

Der für Landwirtschaft in der Landesregierung zuständige LHStv. Anton Steixner (V) warnte am Mittwoch davor, die Fusion mit der Berglandmilch "übers Knie zu brechen". Gegenüber der APA riet er zur Einholung von Expertengutachten, die das Unternehmen Tirol Milch durchleuchten sollten. Er werde ein Gespräch mit Tirol Milch-Obmann Hans Schweiger suchen. Am Freitag tagen Aufsichtsrat und Vorstand des Unternehmens. Schweiger selbst war für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar.

Der Raiffeisenverband prüfe bereits, wie die Tirol Milch tatsächlich dastehe, berichtete Steixner, der auch Obmann des Tiroler Bauernbundes ist. Nur wenn es tatsächlich strukturelle Nachteile gebe, sei die Fusion der richtige Schritt. "Mir persönlich wäre es lieber, es gibt Kooperationen und man arbeitet gscheit, dann bleibt der eigenständige Weg", sagte Steixner.

Die Entscheidung sei allerdings nicht mit bäuerlichem Hausverstand zu lösen, sondern mit fundierten Expertengutachten. Eine Entscheidung in den nächsten Wochen - wie von Schweiger angekündigt - schloss Steixner aus. "So schlecht schaut es bei der Tirol Milch nicht aus", meinte Steixner, "Panikreaktionen" oder "Horuck-Aktionen" seien nicht nötig. Bevor das Unternehmen nicht gründlich untersucht worden sei empfehle er, den Fusionsvertrag nicht zu unterschreiben.

2009 verzeichnete die Tirol Milch einen Umsatzrückgang von knapp 9 Prozent auf 136,2 Mio. Euro (2008: 153,9 Mio.). Das Unternehmen konnte nach einem "dramatischen Verlustjahr 2008" (minus 5,145 Mio. Euro) einen Bilanz-Überschuss von 352.000 Euro verbuchen. Für 2010 wurde ein Umsatz von 140 Mio. Euro sowie einen Bilanzgewinn von einer halben Million Euro angepeilt. Rund 4.000 der insgesamt 5.700 Milchbauern in Tirol liefern an die Tirol Milch.

Obmann verteidigt Fusions-Pläne

Der Obmann der Tirol Milch, Hans Schweiger, hat die geplante Fusion mit der Berglandmilch verteidigt. Auch wenn es derzeit gut laufe, müsse man versuchen, gemeinsam stärker zu werden, sagte Schweiger zur APA. Eine Entscheidung könnte im Herbst fallen. Die "Beurlaubung" seines Geschäftsführers Carl-Albrecht Benker sei "nichts Ungewöhnliches". Benker könne "jederzeit wieder anfangen". Vorstand und Aufsichtsrat würden am Freitagabend mit der Causa befasst, kündigte Schweiger an.

Es gebe "keine Eile" für die Fusion, sagte Schweiger. Bis Ende September könne eine Entscheidung fallen, "wenn es später ist, ist es auch keine Tragödie". Er stehe aber für den Weg der Fusion, "der aber sicher nicht der einzige ist". Die Tirol Milch bleibe aber damit zu 100 Prozent in bäuerlicher Hand. Durch das große Aufkommen von Versandmilch sei ein hoher Milchpreis nur schwer zu erzielen. Und für den Konsumenten ändere sich nichts, in der Tirol-Milch bleibe ausschließlich Tiroler Milch. Keiner werde bei der Fusion "geschluckt". Schweiger bestätigte Prüfungen von Experten des Raiffeisenverbandes über den Zustand des Unternehmens und den Fusionsweg.

Bei den derzeit in den Bezirken durchgeführten Informationsveranstaltungen über die Fusion werde "offen und sehr kritisch" über diesen Weg diskutiert, berichtete Schweiger. Viele Jungbauern seien dabei. Ob sich eine Mehrheit finden lasse, könne er derzeit nicht abschätzen. Nach einem Vorstandsbeschluss wäre eine außerordentliche Generalversammlung notwendig. Jeder Ort entsende dorthin einen Delegierten, der die jeweiligen Eigentümeranteile vertrete. Für die Fusion wären zwei Drittel der Geschäftsanteile nötig.

Die "Beurlaubung" Benkers wolle er nicht weiter kommentieren, sagte der Tirol Milch-Obmann, "jeder braucht einmal Urlaub". Es sei nicht notwendig, den Vertrag mit Benker zu lösen. Der Geschäftsführer habe den Auftrag, Entscheidungen der Eigentümer umzusetzen. Die Maßnahme sei nur "vorübergehend".

SPÖ kündigt Landtagsanfrage an

Auch die SPÖ kündigte zur Tirol Milch eine Anfrage im Landtag an. LAbg. Elisabeth Blanik meinte, dass durch die Fusion vor allem die Produktion in Tirol "angezählt" sei. Die Arbeitnehmer säßen "auf Schleudersitzen in die Arbeitslosigkeit". Bereits der Abzug der Tirol Milch aus Innsbruck sowie die Fusion mit der Osttiroler Molkerei und der Tirol Milch habe Menschen ihren Arbeitsplatz gekostet, "gefördert mit Mitteln aus der öffentlichen Hand".

Der Erhalt der regionalen Produktionsstätten sei wichtig für die Arbeitsmarktsituation in Tirol. Die Tirol Milch müsse sich auf ihre alten Stärken besinnen: Innovationskraft und regionale Verbundenheit, die durch die Genossenschaftsstruktur mit all ihren Vor- und Nachteilen gewährleistet sei, forderte Blanik.