Gernot Schieszler

Schieszlers Tagebuch

Telekom-Prozess: Lesung aus "Shit List"

Details aus dem Notizbuch des "Kronzeugen" - Urteil am kommenden Mittwoch.

Entgegen den Erwartungen und auch den Planungen von Richter Michael Tolstiuk ist es am heutigen siebenten Verhandlungstag im Telekom-Prozess doch noch zu keinem Urteil gekommen. "Eigentlich wollte ich heute um diese Uhrzeit das Urteil verkünden", meinte der Richter am späten Freitagnachmittag, bevor der die Vertagung auf den kommenden Mittwoch (10 Uhr) bekannt gab.

Dabei hat es zwischenzeitlich ganz gut ausgeschaut, zu Mittag wurden alle neuen Beweisanträge der Anwälte abgelehnt, bis auf die neuerliche Ladung eines bereits geladenen Zeugen, der aber erst ab 13. März wieder zur Verfügung stehen kann. Dieser Zeuge ist offensichtlich aber nur mehr für den Mitangeklagten Johann Wanovits von Bedeutung, da der Richter plant, sein Verfahren auszuscheiden und für die restliche vier Angeklagten nunmehr am kommenden Mittwoch das Urteil zu verkünden. Das Verfahren gegen Wanovits könnte ausgeschieden werden, er müsste dann länger auf sein Urteil warten.

Tagebuch von Schieszler
Am Freitagnachmittag wurde aus dem "Tagebuch" von Gernot Schieszler gelesen. Schieszler strebt den Kronzeugenstatus an. Bei einer Hausdurchsuchung wurde bei ihm ein schwarzes Notizbuch gefunden, in das er handschriftlich Aufzeichnungen machte. Richter Michael Tolstiuk schloss die Öffentlichkeit teilweise aus, teilweise wurde auch vor den Journalisten und Prozessbeobachtern vorgelesen.

Schieszler hatte in seinem Tagebuch eine "Shit list" über seinen Arbeitgeber, die Telekom Austria, geführt. Der für dieses Verfahren wichtigste Eintrag: "VST treibt Kurs für Stock Options". Damit belastet Schieszler den Telekom-Vorstand. Ein weiterer diesbezüglich relevanter Eintrag befasst sich mit der Rolle des - wegen Krankheit nicht angeklagten - Ex-Telekom-Prokuristen, der mit dem angeklagten Rudolf Fischer einen Auftrag für den Lobbyisten Peter Hochegger unterzeichnete. Dieser habe lange nicht unterschreiben wollen, daher habe er, Schieszler, mit ihm "einige Flaschen Wein" trinken müssen um ihn zu "überzeugen".

Weitere vorgelesene Einträge bestanden aus Namen, Geldsummen, Kürzeln und Andeutungen. Auch Walter Meischberger und PH (Peter Hochegger) kamen vor. "VST besticht Politiker" lautete ein weiterer Eintrag. In die Medien waren die meisten heute vorgelesenen Einträge bereits durchgedrungen.

Die Öffentlichkeit wurde auf Antrag von Staatsanwalt Hannes Wandl teilweise ausgeschlossen, weil schon die Erörterung der möglicherweise zu verlesenden Inhalte einen Eingriff in Schieszlers höchstpersönlichen Lebensbereich darstellen könnte. Journalisten und Kiebitze mussten eine halbe Stunde vor dem Gerichtssaal warten.

Richter Tolstiuk vertagte schließlich auf Mittwoch, 27. Februar um 10 Uhr, Saal 203 im Straflandesgericht. Dann sind die Schlussplädoyers der Angeklagten, der Schlussantrag des Staatsanwalts, Beratung und Urteil geplant. "Eigentlich wollte ich jetzt das Urteil verkünden", verabschiedete sich der Richter Freitagnachmittag.