Damit soll Porsche-Beteiligung refinanziert werden

VW will Grünes Licht für Kapitalerhöhung

Der Autobauer rüstet sich mit einem großen Kapitalrahmen für die Porsche-Übernahme und schürt Spekulationen auf weitere Zukäufe.

Der Wolfsburger Autobauer will bis Ende 2014 bis zu 135 Mio. neue stimmrechtslose Vorzugsaktien ausgeben, die zum derzeitigen Kurs mehr als 10 Mrd. Euro einbringen würden. Eine erste Kapitalerhöhung um rund 4 Mrd. Euro sei für das erste Halbjahr 2010 geplant, um den Kauf des Sportwagenbauers Porsche zu finanzieren. Analysten zufolge warf das hohe Volumen erneut die Frage auf, ob sich Volkswagen auch MAN oder den japanischen Kleinwagenbauer Suzuki einverleiben wolle.

VW kann mit der Ermächtigung für die Kapitalerhöhungen den "mittelfristigen finanziellen Handlungsspielraum wahren" und sein "A-minus"-Rating absichern. "Die angestrebte Kapitalerhöhung soll die Refinanzierung der geplanten Beteiligung an Porsche sicherstellen.

Um den Kapitalrahmen zu beschließen, hat VW die Aktionäre für den 3.12. zu einer ao. HV nach Hamburg eingeladen. Damit dürfte die Kapitalerhöhung noch im ersten Quartal über die Bühne gehen - sonst könnte VW auch auf die ordentlichen HV April warten.

Bezugsrecht für Vorzugsaktionäre

VW will sich das frische Kapital ausschließlich von den Vorzugsaktionären holen. Sie erhalten ein Bezugsrecht. Das fein austarierte Gleichgewicht der Stammaktien wird nicht angetastet: Die Porsche Holding hält 51 %, Niedersachsen 20 %, das Emirat Katar soll bis zum Jahresende auf 17 % kommen. Das Vorzugskapital würde mit der Kapitalerhöhung mehr als verdoppelt. Indexexperten erwarten, dass die Vorzüge in den Dax rücken, aus dem die Stammaktien herausfallen, wenn der Anteil breit gestreuter Papiere unter zehn Prozent fällt. Mit der Kapitalerhöhung könnte das Indexgewicht von VW steigen.

"Die Höhe des Kapitalrahmens lässt viel Raum für Fantasie", selbst wenn die neuen Vorzugsaktien 10-20 % billiger ausgegeben werden könnten, sagte Analyst Frank Schwope von der NordLB. Michael Punzet von der DZ Bank rechnete vor, das das Geld auch für eine vollständige Übernahme des Lastwagenbauers MAN reichen würde, an dem VW schon knapp 30 % hält. Aufsichtsratschef Ferdinand Piech selbst hatte Spekulationen mit der Bemerkung geweckt, dass sich zwölf Marken leichter merken ließen als zehn. Porsche soll die zehnte Marke im VW-Konzern werden.

Zugleich nutzt VW das Aktionärstreffen, um die Sonderrechte für Niedersachsen in der Satzung festzuschreiben, die im Zuge der Porsche-Übernahme ausgehandelt worden waren. Danach soll das Land so lange zwei Aufsichtsratsmitglieder stellen können wie es mit mindestens 15 % an VW beteiligt ist.

Eine Sprecherin der Staatskanzlei sagte: "Mit den 15 % gehen wir lieber auf Nummer sicher. Man kann nie ausschließen, dass Niedersachsen in Zukunft unter die 20 % fallen könnte." Ein Verkauf von VW-Aktien sei nicht geplant. In der ursprünglichen Version des - von der EU teils ausgehebelten - VW-Gesetzes waren dem Land zwei Sitze unabhängig von seiner Beteiligung zugesichert worden. Auch die Sperrminorität von 20 % aus dem VW-Gesetz soll in der Satzung verankert werden.

Am Automarkt schlägt sich VW weiterhin besser als der Rest der Branche. Dank eines Absatzzuwachses von zwölf Prozent im September hat der Konzern - zu dem auch Audi, Skoda und Seat gehören - in den ersten 9 Monaten den weltweiten Absatz fast konstant gehalten. Mit 4,76 Mio. verkauften Pkw fehlen nur 0,5 % zum Vorjahresniveau. Für 2010 ist Vertriebschef Detlef Wittig pessimistischer: "Das Autojahr 2010 wird schwierig werden, insbesondere in unseren westeuropäischen Kernmärkten", sagte er.