Bank Austria: Länderschulden keine Gefahr für Bonität

Bank Austria: Länderschulden keine Gefahr für Bonität

Die Finanzkrise ist auch an den 9 österreichischen Bundesländern nicht spurlos vorüber gegangen. Vom Anstieg des Schuldenberges gehe allerdings keine Gefahr für die sehr gute Bonität Österreichs aus, so das Ergebnis einer Studie der Bank Austria.

Auf die Wirtschaftsleistung der Länder hat sich die Krise demnach sehr unterschiedlich ausgewirkt: Den stärksten Einbruch hat die Steiermark erlitten, wo die landesweite Wertschöpfung 2009 um 4,7 % zurück ging, gefolgt von Oberösterreich (-4,1 %) und Kärnten (-4,0 %). Relativ gut durch die Krise kamen das Burgenland (-2,5 %) und Wien (-2,6 %). Beide Länder liegen besser als der Österreich-Schnitt von -3,6 %.

Die Wirtschaftskrise hat sich auch auf die Finanzen der Länder ausgewirkt. Ihre Verschuldung dürfte 2009 um 500 Mio. Euro auf 6,3 Mrd. Euro gestiegen sein, und heuer 650 Euro pro Kopf erreichen, sagte Firmenkunden- und Investmentbanking-Vorstand Helmut Bernkopf am Donnerstag beim Pressegespräch in Wien.

An der Spitze liegt Kärnten mit rund 2.200 Euro Schulden pro Kopf, gefolgt von Niederösterreich mit rund 1.500 Euro. Vorarlberg, Tirol und die Steiermark haben nur geringe Schulden, Oberösterreich bleibt als einziges Land weiterhin schuldenfrei. Konnten die Länder 2008 noch eine positiven Beitrag zum gesamtstaatlichen Defizit von 0,1 % leisten, dürften es 2009 minus 0,3 % sein.

Als entscheidende Faktoren für die Krisenanfälligkeit eines Bundeslandes hat die Bank Austria die Höhe des Anteils der Industrie (Sachgütererzeugung) und der Exporte an der Wirtschaftsleistung ausgemacht. Weiters wirkte sich der jeweilige Branchenmix entweder verstärkend oder stabilisierend aus. Eine wichtige Rolle habe auch die Entwicklung der Bauwirtschaft und des Dienstleistungssektors gespielt, so Bernkopf.

Insgesamt war die Industrie für 70 % des Wirtschaftseinbruches verantwortlich. Rund ein Viertel verursachte der Dienstleistungssektor, der auch entscheidend die Beschäftigungsentwicklung mitbestimmte. Am stärksten ging die Beschäftigung in der Steiermark (-2,2 %) und Kärnten (-2,3 %) zurück, das Burgenland schnitt mit -0,2 % am besten ab.

Die Steiermark (-4,7 %) wurde durch ihren hohen Industrie-und Exportanteil besonders stark von der Krise betroffen, so Bank Austria-Chefvolkswirt Stefan Bruckbauer. Weiters wirkte sich ein ungünstiger Branchenmix und schwacher Bau- und Dienstleistungssektor negativ aus. Oberösterreich (-4,1 %) wurde ebenfalls stark betroffen, ein günstiger Mix und eine positive Bauwirtschaft halfen jedoch. In Kärnten führte trotz nur mittelstarker Betroffenheit ein ungünstiger Branchenmix und schwacher Bau- und Dienstleistungssektor zum negativen Ergebnis von -4,0 %.

Salzburg (-3,6 %) litt laut Bruckbauer ebenfalls unter einem ungünstigen Branchenmix, dagegen hat Vorarlberg (-3,5 %) trotz starker Krisen-Betroffenheit von einem günstigen Mix profitieren können. Mittelstark betroffen wurden Niederösterreich (-3,5 %) und Tirol (-3,0 %), Tirol profitierte zudem von einem starken Dienstleistungssektor. Auf Grund ihrer geringen Industrie- und Exportabhängigkeit kamen Wien (-2,6 %) und das Burgenland (-2,5 %) am besten durch die Krise. Wien litt zudem noch unter einem schwachen Dienstleistungssektor, das Burgenland profitierte dagegen davon.

Der Landespolitik könne man keine besondere Schuld für diese Entwicklungen zuweisen, ihr Einfluss auf die Wirtschaftspolitik sei gering, meinte Bruckbauer. Langfristig hätten sie aber schon Verantwortung. Stabilisierend gewirkt hätten die Maßnahmen der Bundesregierung, allem Kurzarbeit und Steuerreform, und vor allem die globale Wirtschaftspolitik. Bernkopf geht davon aus, dass 2010 die am stärksten betroffenen Bundesländer auch die größten Erholungschancen haben. Am besten entwickeln dürften sich Oberösterreich, Vorarlberg und die Steiermark.

Mit durchschnittlich 2 % des BIP liege die Verschuldung der österreichischen Bundesländer deutlich niedriger als in den Nachbarländern. In Deutschland sind sie etwa mit 20 Prozent des BIP zehnmal so hoch. Auch in der Schweiz und Italien sind die Länder stärker verschuldet. Dies habe allerdings auch viel mit der unterschiedlichen Organisation des Finanzausgleiches zu tun, so Bruckbauer.

Das direkt von den Banken an die Länder und Gemeinden vergebene Kreditvolumen ist in der Krise (seit 2007) um 2,5 % gestiegen. Bernkopf beziffert den Marktanteil der Bank Austria dabei auf 17 %.