Haushalte Kroatiens sind weiter hoch verschuldet

CRO: Notenbank rechnet heuer mit Stagnation

Kroatien dürfte nur langsam aus der Rezession kommen. Die kroatische Notenbank (HNB) erwartet heuer nur ein geringes Wirtschaftswachstum von 0,3 %. Im Vorjahr ist laut einer ersten Schätzung des Statistikamtes das BIP um 5,8 % gegenüber 2008 eingebrochen.

Die Analysten der HNB orten nur einen begrenzten fiskalpolitischen Spielraum und betonen, dass vor allem ein stabiles Bankensystem, die Begrenzung des Budgetdefizits und der Staatsschulden für das Vertrauen der Finanzmärkte wichtig wären, berichtete die kroatische Nachrichtenagentur Hina.

Nach Ansicht der HNB sind die in Kroatien tätigen Geschäftsbanken auch für größere wirtschaftliche Einbrüche als derzeit gerüstet, berichtete die kroatische Tageszeitung "Vecernji list". Nach Schätzung der Notenbank konnten im Vorjahr knapp mehr als 18 Prozent der verschuldeten Haushalte Kroatiens ihre Kredite nicht zurückzahlen.

Damit stieg der Anteil der faulen Kredite auf das Niveau von 2007, während er Ende 2008 15,9 % betrug. Sollte es zu Kündigungswellen, einer Erhöhung der Zinssätze oder zu Wechselkursschwankungen kommen, könnte ihr Anteil auf bis zu einem Viertel ansteigen, im schlimmsten Szenario sogar auf bis zu einem Drittel. Gleichzeitig betonte die HNB, dass die Haushalte insgesamt ihren Schuldenstand abgebaut hätten.

Konsolidierungswelle im Bankensektor

Im kroatischen Bankensektor, in dem auch die großen Austrobanken vertreten sind, erwartet die Notenbank eine neue Konsolidierungswelle bzw. Stärkung der Kapitalbasis, da die Gewinne deutlich zurückgegangen seien, so "Vecernji list". Früheren Zahlen der HNB zufolge sank im Vorjahr der Gewinn des Bankenmarktes um 25,4 % auf 3,44 Mrd. Kuna (470 Mio. Euro).

Laut der Tageszeitung "Jutarnji list" ist der Anteil der notleidenden Kredite per Ende September 2009 um rund 30 % im Vergleich zu Ende 2008 gestiegen - auf 6,4 % des gesamten Kreditportfolios angewachsen. Diese Verschlechterung sei vor vor allem bei den Unternehmen sichtbar. Für heuer wird mit einem weiteren Anstieg gerechnet.

Das Vertrauen der Finanzmärkte könnte Kroatien aufs Spiel setzen, wenn die Einhaltung des für 2010 prognostizierten Budgetdefizits von 3 % wesentlich überschritten würde, mahnen die HNB-Analysten laut Hina. Dies würde dem Adriastaat die Refinanzierung der fällig werdenden Schulden erschweren. Allein heuer machen sie nach Angaben der HNB rund ein Viertel des BIP aus. Einen Beitrag für die Glaubhaftigkeit der Wirtschaftspolitik erwartet die Notenbank auch von den Beitrittsgesprächen Kroatiens zur EU. Mit dem Beitritt rechnet die HNB im Jahr 2012.

Schwächelnder Konsum im Land

Laut der internationalen Wirtschaftsauskunftei Dun & Bradstreet (D&B) wird das Wachstum in Kroatien auch durch die schwierige Situation der Eurozone und den schwächelnden Konsum im Land belastet. Daher wird mit einem Druck auf das BIP-Wachstum auch in den kommenden zwei Jahren gerechnet.

Zudem müsse die kroatische Ministerpräsidentin Jadranka Kosor (HDZ-Kroatischen Demokratische Gemeinschaft) die Einheit der regierenden HDZ nach den Turbulenzen im Vorjahr verteidigen, als der langjährige Ex-Premier Ivo Sanader nach einem gescheiterten Putschversuch aus der Partei ausgeschlossen wurde. Dennoch schätzt D&B in seinem Monatsbericht den Adriastaat als ein Land mit einem geringen Risiko ein und stufte es mit DB3d ein, berichtete

Die wirtschaftliche Entwicklung Kroatiens wird vom Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleich (WIIW) etwas pessimistischer als von der HNB eingeschätzt. Die WIIW-Experten rechnen auch heuer mit einem BIP-Rückgang (-1 %) und prognostizieren erst ab 2011 ein Wachstum (+2 %) für den Adriastaat, das sich 2012 auf 2,5 % nur gering beschleunigen soll.