Größter Wirtschaftssektor merkt nichts von Erholung

Dienstleister im Euro-Raum verlieren an Schwung

Die Dienstleister im Euro-Raum haben zu Jahresbeginn an Schwung verloren. Dem mit Abstand größten Wirtschaftssektor der Währungsunion - der von Restaurants bis zu Banken reicht - macht vor allem die steigende Arbeitslosigkeit zu schaffen. "Die von der Industrie angeführte Erholung wird noch nicht vollständig auf die Dienstleister übertragen", sagte der Markit-Experte Rob Dobson zu der Umfrage seines Instituts unter 2.000 Unternehmen.

Der Einkaufsmanagerindex für den Service-Sektor sank im Jänner endgültigen Angaben zufolge auf 52,5 Punkte von 53,6 Zählern im Dezember. Trotz des Rückgangs hielt er sich den fünften Monat in Folge über der Marke von 50 Zählern, ab der Wachstum signalisiert wird. Während der Trend bei den Dienstleistern nach unten zeigt, gewann die Erholung in der Industrie an Schwung: Die Unternehmen weiteten ihre Geschäfte so stark aus wie seit zwei Jahren nicht mehr.

In den einzelnen Euro-Ländern geht die Entwicklung der Dienstleister weit auseinander. "Frankreich, Deutschland und Italien wachsen weiter, aber Spanien und Irland stecken nach wie vor in der Rezession", sagte Dobson. Den spanischen Unternehmen macht die hohe Arbeitslosigkeit zu schaffen: Rund jeder fünfte Erwerbsfähige hat keinen Job. Im Euro-Raum ist die Arbeitslosenquote mit zehn Prozent nur halb so hoch. Dennoch leiden die Geschäfte der stark vom Binnenmarkt abhängigen Service-Branche in allen großen Ländern unter der steigenden Arbeitslosigkeit. Das GfK-Konsumklima in Deutschland hatte sich deshalb im Februar den vierten Monat in Folge eingetrübt.

Auch die Aussichten für den Arbeitsmarkt sind schlecht. Der Beschäftigungsindex für Industrie und Dienstleister legte nur um 0,1 auf 46,2 Punkte zu. Er verharrte damit den 19. Monat in Folge unter der Marke von 50 Zählern, ab der ein Stellenaufbau angezeigt wird. Europas größter Technologiekonzern Siemens hatte vor wenigen Tagen den Abbau von 2.000 Arbeitsplätzen in Deutschland angekündigt. Trotzdem blicken die Dienstleister optimistisch nach vorn. Der Teilindex für die Geschäftsaussichten stieg auf 67,2 Punkte von 65,7. In allen Ländern gehen die Firmen davon aus, dass die Geschäfte in einem Jahr besser laufen werden als derzeit.