Unterstützung kommt von Polens Regierung

Orlen erwägt Verkauf von Mazeikiai

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Der staatlich kontrollierte polnische Mineralöl-Konzern PKN Orlen sondiere den Verkauf der Raffinerie in Mazeikiai in Litauen, berichtet die polnische Zeitung "Rzeczpospolita". Die polnische Regierung werde sich dem nicht entgegenstellen, wenn die "logistische Situation" der Raffinerie nicht gelöst werden könne, erklärte der Vize-Schatzminister Mikolaj Budzanowski der Zeitung.

Die polnische Wirtschaftszeitung "Parkiet" schrieb schon vor Tagen, Orlen habe die litauische Regierung mehrfach davon überzeugen wollen, ihr den Öl-Terminal im Ostsee-Hafen in Klaipeda zu verkaufen. Dies würde es für das polnische Unternehmen möglich machen, eine Pipeline nach Mazeikiai zu verlegen und die Transportkosten zu senken. "Man kann ja nicht einige Jahre mit verschränkten Armen zusehen und draufzahlen", kommentierte Budzanowski gegenüber der "Rzeczpospolita" die Situation der Raffinerie.

Unverständnis in Litauen

In Litauen stößt der polnische Investor mit seiner Forderung auf Unverständnis. Die Gerüchte über einen Verkauf von Mazeikiai "dämpfen unseren Enthusiasmus, die Probleme mit der Öl-Versorgung zu lösen", erklärte Deividas Matulionis, der Leiter der Kanzlei des litauischen Premiers, im litauischen Radio.

Als mögliche Käufer der Raffinerie kommen vor allem russische Konzerne in Betracht. Aber weder Lukoil noch TNK-BP wollen sich bisher dazu äußern. "Wir sind natürlich immer daran interessiert, unsere Kapazitäten bei der Öl-Verarbeitung zu erhöhen", erklärte der Sprecher von TNK-BP der "Rzeczpospolita".

Orlen kaufte die Raffinerie in Mazeikiai 2006 für 2,3 Mrd. US-Dollar aus der Konkursmasse des russischen Jukos-Konzerns. Auch einige russische Unternehmen waren an der Übernahme interessiert. Fast gleichzeitig stellte Russland die Lieferung von Öl über die so genannte Druschba-Pipeline nach Mazeikiai ein, angeblich wegen eines nicht behebbaren technischen Defekts. Die größte Investition von Orlen gilt bei Experten heute als Fehler.

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