Osteuropas Privatisierungspläne auf der Kippe

Osteuropas Privatisierungspläne auf der Kippe

Politische Querelen, zuviele Emissionen und zu niedrige Angebotspreise bringen die CEE-Pläne ins Wanken, 2010 mehr als 14 Mrd. Euro durch IPOs einzunehmen. Ein Scheitern dieser Verkaufsabsichten der Regierungen könnte nach Einschätzung von Experten die osteuropäischen Währungen unter Druck setzen.

Analysten halten einen Teil der öffentlichen Vorhaben für zu ehrgeizig und plädieren stattdessen für einen Verkauf von staatlichen Anteilspaketen. Die Regierungskrise in Rumänien und das Gezänk tschechischer Politiker im Vorfeld der Wahlen im nächsten Jahr schadeten darüber hinaus der Attraktivität der Region.

Angesichts der Erholung an den Börsen haben Politiker ihre Pläne zum Verkauf von Vermögenswerten wieder aus der Schublade geholt, die sie während der Finanzkrise zu den Akten gelegt hatten. Ein kräftiger Geldsegen aus den möglichen Privatisierungen ist für Osteuropa wichtig, da die Region mit steigenden Haushaltsdefiziten und nur mageren Kapitalzuflüssen aus dem Ausland kämpft. Die Hoffnung auf Investitionen hatte jüngst zu einem Anstieg einiger regionaler Währungen geführt.

Polen und Russland wollen zum Beispiel ihre Anteile an Banken sowie Transport- und Energiekonzernen losschlagen. Einige ihrer ursprünglichen Privatisierungsprojekte sind jedoch nicht mehr realistisch. In der vergangenen Woche hatte die polnische Regierung mitgeteilt, ihr Privatisierungsziel von knapp 3 Mrd. Euro wohl zu verfehlen. Zudem begrenzen anhaltende Probleme bei der Kreditvergabe die Höhe der strategischen Gebote, wodurch eine Riesenlücke zwischen den Kaufvorstellungen der Bieter und den Regierungen klafft.

"Da die Finanzierung angespannt bleibt, könnten Verkäufe von Vermögenswerten erschwert werden. Die Offerten dürften beschränkt bleiben", sagt David Hauner von der Bank of America-Merrill Lynch. Den europäischen Markt hat die Kreditklemme am schlimmsten erwischt. Dadurch brach die Zahl der Fusionen und Übernahmen bisher 2009 um rund 55 % ein. In Asien betrug der Rückgang dagegen nur 17 %, in den USA 39 %. Auch die Rezession könnte den CEE-Regierungen einen Strich durch die Rechnung machen.

Polen muss etwa die Frist für die endgültigen Offerten für ihre Kontrollmehrheit an der staatlichen Börse verlängern. Zudem will das Land die Auktion für eine Beteiligung an seinem Versorger Enea wiederaufnehmen, nachdem der Energiekonzern RWE die geplante Übernahme in letzter Minute abgesagt hatte. Der Verkauf der defizitären Fluggesellschaft Czech Airlines platzte bereits. Auch die Privatisierung des Prager Flughafens steht nach Streitigkeiten unter tschechischen Politikern auf der Kippe.

Währungen könnten unter Druck geraten

Die Enttäuschung über die Verzögerung bei den Privatisierungen könnte nach Einschätzung von Fachleuten die regionalen Währungen wie den polnischen Zloty in den Keller schicken. "Wenn die Verkäufe nicht stattfinden oder deutlich geändert werden, könnten wir eine Abschwächung des Zloty sehen", sagte TD-Securities-Experte für aufstrebende Märkte, Beat Siegenthaler. Sollten sich die Privatisierungsvorhaben nicht umsetzen lassen, wäre angesichts der Rally an den weltweiten Börsen ein Verkauf von Staatsanteilen als Ausweg möglich.

Während es in Asien und Lateinamerika bereits Mega-IPOs in diesem Jahr gegeben hat, hinkt Europa deutlich hinterher. In China, Brasilien und den USA fanden nach Daten von Thomson Reuters bisher in diesem Jahr 80 % der weltweiten Börsengänge statt. In Europa blieb das IPO-Volumen 2009 mit gut 600 Mio. Euro deutlich unter der Milliarden-Marke. Das ist ein Klacks gegen 25,6 Mrd. Euro in Asien (ohne Japan) und zusammengerechnet 16,8 Mrd. Euro in Nord- und Südamerika.

Europa dürfte jedoch wegen der erwarteten Aktienemissionen von Unternehmen und Regierungen im nächsten Jahr aufholen und damit den Appetit der Investoren testen. In Polen steht noch in diesem Jahr voraussichtlich einer der größten Börsengänge in Europa an. Der staatliche Versorger PGE könnte bei seinem für Anfang November geplanten Debüt umgerechnet bis zu rund 1,42 Mrd. Euro einnehmen.