Rumänische Millionen-Hilfe für Moldawien

Rumänien gibt dem Nachbarland Moldawien (Republik Moldau) 102 Mio. Euro Entwicklungshilfe. Das Geld soll der Transport- und Schul-Infrastruktur der krisengeschüttelten Ex-Sowjetrepublik mit rumänischer Mehrheitsbevölkerung zugutekommen. Ein entsprechender Vertrag wurde beim offiziellen Besuch des moldawischen Interims-Präsidenten Mihai Ghimpu unterzeichnet.

In Anspielung auf den Streit um die Sprachbezeichnung "moldawisch" betonte Rumäniens Staatspräsident Traian Basescu, dass das nunmehr unterzeichnete bilaterale Abkommen für beide Seiten in rumänischer Sprache abgefasst worden sei.

Ghimpu und Basescu unterstrichen ihren gemeinsamen Willen zur Zusammenarbeit für eine EU-Integration der Ex-Sowjetrepublik. Hunderttausende Bürger Moldawiens haben die rumänische Staatsbürgerschaft beantragt, um visafrei in die Europäische Union einreisen zu können. Basescu hatte im Vorjahr die Zahl der einbürgerungswilligen Moldawier auf bis zu 1 Mio. geschätzt. 65 % der Bevölkerung sind ethnische Rumänen.

Ghimpu sagte in einer Rede vor dem Parlament in Bukarest, sein Land erhoffe sich von der EU auch eine Lösung des seit fast 20 Jahren schwelenden Transnistrien-Problems. Die abtrünnige sogenannte "Dnjestr-Republik" mit slawischer Bevölkerung wird von Russland kontrolliert. Ghimpu wird von dem pro-westlichen Regierungsbündnis "Allianz Europäische Integration" unterstützt. Er führt die Geschäfte eines Staatsoberhaupts nur kommissarisch, weil die letzte Präsidentenwahl wegen ungenügender Mehrheiten im Parlament in Chisinau gescheitert war.

Die beiden Länder haben eine gemeinsame Geschichte: Der Großteil des moldawischen Territoriums hatte zwischen den beiden Weltkriegen zu Rumänien gehört. Die Ex-Sowjetrepublik entstand auf Teilen Bessarabiens, das 1940 durch den "Hitler-Stalin-Pakt" (Ribbentrop-Molotow-Abkommen) von Rumänien abgetrennt und der Sowjetunion zugeschlagen worden war. Stalin gliederte der neu geschaffenen Sowjetrepublik das linke Dnjestr-Ufer (Transnistrien) mit russischer und ukrainischer Bevölkerung an. (Der Süden und der Norden Bessarabiens kamen zur Ukraine).

Beim Zerfall der Sowjetunion proklamierte Moldawien seine Souveränität; die slawische Bevölkerung in Transnistrien, die den Anschluss an Rumänien befürchtete, rief daraufhin die international nicht anerkannte "Dnjestr-Republik" aus. Es kam zu einem kurzen Krieg mit Hunderten von Toten. Der Konflikt zwischen Chisinau und dem Separatistenregime dauert seither an.

Im Frühjahr vergangenen Jahres hatten die Beziehungen zwischen Chisinau und Bukarest einen Tiefpunkt erreicht, als der damalige kommunistische Präsident Moldawiens, Vladimir Voronin, Bukarest beschuldigte, die Oppositionsproteste nach den Wahlen im April geschürt zu haben, und kurzerhand die Ausweisung des rumänischen Botschafters beschloss.