Wienerberger will primär Schulden abbauen

Sanierung geschafft

Wienerberger ist "restrukturiert"

Ziegelhersteller baut zwar weiter Minus, aber weit weniger als 2009.

Der Ziegelkonzern Wienerberger AG hat die krisenbedingte Sanierung, mit der die Kosten um fast 200 Mio. Euro gesenkt wurden, für beendet erklärt und sieht zwar positive Trends in einzelnen Ländern - aber noch keinen Aufschwung. In der ersten Jahreshälfte 2010 hat das börsenotierte Unternehmen zwar weiter an Umsatz verloren und Verlust gemacht, diesen gegenüber dem Vorjahr aber massiv verringert.

Speziell das zweite Quartal habe deutliche Erholungszeichen gebrachte, so Vorstandsvorsitzender Heimo Scheuch. Scheuch war vor fast genau einem Jahr an die Spitze des Unternehmens gerückt.

Aktie legte um 9,3 % zu
"Aus heutiger Sicht können wir noch keine konjunkturelle Entwarnung geben, wir haben aber alle 2009 beschlossenen Restrukturierungsmaßnahmen vollständig abgeschlossen", sagte er. Außer "Optimierungen" stünden keine weiteren Werksschließungen mehr an, "das Bild würde sich nur dann ändern, wenn es eine Weltwirtschaftskrise gibt". Die Anleger reagierten nahezu euphorisch auf die Unternehmensaussagen. Die Aktie gewann 9,3 % und stand damit an der Spitze der Kurstafel.

30 Werke zugesperrt
Das in Europa und den USA präsente Baustoffunternehmen hatte mehr als 30 Werke geschlossen und 1.200 Mitarbeiter (auf heute 11.900 Beschäftigte) abgebaut. Laut Scheuch werden die geplanten Fixkostensenkungen - 195 Mio. Euro bis Ende 2010 - voll erreicht. Auch weitere Firmenwertabschreibungen erwartet man keine.

Nach einem wetterbedingt schwierigen Start ins Jahr 2010 hat der Konzern im zweiten Quartal deutlich Boden gutgemacht. Der Umsatz summierte sich bis Ende Juni auf 825,6 (898,1) Mio. Euro, was einem Minus von 8 % entspricht. Das operative Betriebsergebnis lag bei einem Verlust von 16,7 (+7,8) Mio. Euro. Das Ergebnis nach Steuern belief sich auf minus 39,4 Mio. Euro nach enormen 204,0 Mio. Euro Verlust im ersten Halbjahr 2009. Die Analysten hatten im Schnitt für das erste Halbjahr 2010 einen Umsatz von 819,9 Mio. Euro, ein operatives Ebit von minus 24,6 Mio. Euro und ein Nettoergebnis von minus 50,2 Mio. Euro erwartet.

Speziell im zweiten Quartal 2010 hellte sich die Lage auf. Der Konzernumsatz stieg wieder um 2 % auf 546,1 Mio. Euro, das Ergebnis vor Abschreibungen (Ebitda) legte um 20 % auf 100,9 Mio. Euro zu.

Während Vorstand Johann Windisch leichte Erholungstendenzen für den zweitgrößten Markt Deutschland sowie für Großbritannien meldete, ist für weite Teile Osteuropas und für große Einzelmärkte wie die Niederlande kein Ende der Probleme absehbar. Die frühere Cash-cow Zentral-Osteuropa hat gegenüber der ersten Jahreshälfte 2009 beim Ergebnis vor Abschreibungen (Ebitda) 37 % auf nun 30,6 Millionen Euro verloren; eine Verbesserung der Finanzierungsbedingungen für Neubauvorhaben ist laut Scheuch derzeit noch nicht absehbar. Für Polen (10 % des Osteuropa-Umsatzes) erwartet Wienerberger für das zweite Halbjahr eine "Stabilisierung der Nachfrage". Schlecht läuft das Geschäft in Ungarn, Rumänien, Bulgarien und in Südosteuropa.

In einzelnen Ländern Osteuropas musste Wienerberger die Preise um 10 % senken, über den ganzen Konzern sanken die Preise gegenüber dem Vorjahr im Durchschnitt um 5 %.

In den USA, die seit 2007 rückläufige Zahlen melden, hat die Wienerberger im zweiten Quartal erstmals wieder ein positives (bereinigtes) Ebitda gemacht und erwartet ein solches auch für das Gesamtjahr. Die USA rechnen heuer mit 600.000 Neubaubeginnen, etwa ein Drittel der "housing starts" am Höhepunkt der Konjunktur. Auf diesem Niveau werde man Wienerberger-USA beim Ebitda wenigstens an der Nulllinie halten können, hieß es. In Nordwesteuropa, wo aktuell mehr als 60 % des Gewinns herkommen, sieht man die Lage als stabil an.

Im Vergleich zu Mitte 2009 hat Wienerberger seine Schulden mehr als halbiert und das Eigenkapital gestärkt. Der Verschuldungsgrad liegt nun bei 19 %, nach 43 % vor einem Jahr.

Wachstum erhofft man sich durch innovative Produkte, wie einen "Ziegel zum Kleben", eine bessere Auslastung der Kapazitäten sowie durch den gezielten Ausbau einzelner Märkte.