Wifo: Österreichs Bautätigkeit bricht ein

Die Bautätigkeit in Österreich lässt stark nach. Gemessen an der Zahl der Baubewilligungen für das Jahr 2011 hält die rückläufige Tendenz seit 2007 (damals -8 %) auch im kommenden Jahr an. 2011 geht die Zahl der Baubewilligungen der jüngsten Wifo-Prognose um 5 % auf 33.849 zurück - nach einem Rückgang um 4 % auf 35.497 im heurigen Jahr. Das Wifo befürchtet negative Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Eine "weitreichende Wohnungsknappheit" sei aber nicht zu erwarten.

"Der Rückgang der Baubewilligungen dämpft die Wohnbauinvestitionen, dies könnte auch negative Auswirkungen auf die gesamtwirtschaftliche Produktion und den Arbeitsmarkt haben", teilten die Wirtschaftsforscher mit. Ein zusätzliches Investitionsvolumen von 100 Mio. Euro im Wohnbau erhöht die gesamtwirtschaftliche Produktion um 120 Mio. Euro und schafft früheren Wifo-Studien zufolge bis zu 990 Arbeitsplätze.

Mit einem Minus von 9 % auf 13.735 besonders deutlich rückläufig sind 2011 die Baubewilligungen für Ein- und Zweifamilienhäuser. Der mehrgeschoßige Wohnbau gibt demgegenüber um 4 % auf 14.265 nach. Grund dafür sind laut Fachverband Stein-Keramik in der Wirtschaftskammer "Finanzierungsprobleme".

Die Banken haben ihre Kreditvergabekonditionen verschärft. "Angesichts der Wirtschaftskrise und der Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes überlegt es sich jeder zweimal, ob er ein Haus baut oder nicht", sagte der Geschäftsführer der Stein- und keramischen Industrie in der Wirtschaftskammer Österreich, Carl Hennrich.

Die gegenwärtige Entwicklung bewertet er als "dramatisch". "Es werden weniger Wohnungen hergestellt als laut mittelfristigem Bedarf notwendig wären." Dieser liege angesichts des Zuzugs bei 50.000 neuen Wohneinheiten jährlich.

Derzeit wird tendenziell mehr adaptiert als gebaut: Im kommenden Jahr steigt die Zahl der Bewilligungen im Bereich Sonstiger Wohnbau/Adaptierungen um 5 % auf 5.849. Zuwächse gab es hier zuletzt 2006 (+9 %).

Mit voraussichtlich 3,6 Baubewilligungen je 1.000 Einwohner liegt Österreich im kommenden Jahr zwar wesentlich unter dem Schnitt von 2006 (5,9 Bewilligungen). Im europäischen Vergleich ist die voraussichtliche Entwicklung 2011 aber besser als der Durchschnitt von 19-EU-Ländern (3,3 Bewilligungen).

Auch in Deutschland steht lange Durststrecke bevor

Der Bauwirtschaft in Deutschland stehen nach dem Ende der Rezession einer Studie zufolge viele harte Jahre bevor. Das Bauvolumen werde bis 2019 kaum zulegen, ergab eine Erhebung des Ifo-Instituts. Jährlich sei allenfalls mit einem preisbereinigten Wachstum von 0,5 % zu rechnen. Vor allem der öffentliche Bau, der dank der staatlichen Konjunkturpakete in diesem Jahr deutlich wachsen dürfte, müsse sich auf schwierigere Geschäfte einstellen, und auch beim Gewerbebau sei nur ein leichtes Wachstum zu erwarten. Günstiger sind die Aussichten dagegen im Wohnbau.

Im Wohnungsbau sind die Perspektiven demnach besser. Hier erwarten die Forscher ein Wachstum von etwa 1 %. Trotz der rückläufigen Bevölkerung steige die Zahl der Haushalte weiter, sagen die Experten voraus. Hintergrund sei der anhaltende Trend hin zu Singlehaushalten. Pro Jahr seien deswegen 40.000 neue Wohnungen nötig. Dazu komme der steigende Sanierungsbedarf bei Altbauten, vor allem beim Energieverbrauch.

Der öffentliche Bau bekommt dagegen die desolate Haushaltslage der Kommunen und die Schuldenbremse des Bundes zu spüren. Dazu komme, dass viele Projekte aus dem Konjunkturpaket nur vorgezogen würden. Für das laufende Jahr sei wegen der 2009 beschlossenen Maßnahmen mit einem Wachstum des öffentlichen Baus von 10 % zu rechnen. "Ab 2011 dürften die öffentlichen Bauausgaben jedoch für mehrere Jahre schrumpfen", sagten die Forscher voraus. Bis 2019 sei jährlich mit einem Rückgang von 0,5 % zu rechnen.

Auch der Gewerbebau bekomme die Spätfolgen der Krise zu spüren. Viele Firmen dürften sich bei Investitionen gerade in neue Bürogebäude oder Werkshallen zurückhalten. Etwas günstiger sehe es beim Tiefbau aus: "Insbesondere für die Umstellung auf erneuerbare Energien und die daraus resultierende Anpassung des Stromnetzes sind in den kommenden 10 Jahren erhebliche Investitionen nötig."