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In Spanien und Italien

Ausschreitungen bei Anti-Corona-Demos in Spanien und Italien

Straßenschlachten in der Nacht in Barcelona - Polizei macht vor allem Rechtsextreme für Gewalt verantwortlich. Unruhen auch in italienischen Städten 

Barcelona/Florenz. In mehreren spanischen Städten hat es in der Nacht auf Samstag gewalttätige Demonstrationen gegen neue Corona-Beschränkungen gegeben. Medien zufolge wurden bei Unruhen vor allem in Barcelona, aber auch in Bilbao, Burgos, Santander und Valencia insgesamt 29 Polizisten und sieben Demonstranten leicht verletzt sowie 32 Menschen festgenommen. Auch in italienischen Städten kam es zu Ausschreitungen.
 
Im Zentrum Barcelonas lieferten sich nach einer friedlichen Demonstration mehrere Hundert Menschen und die Polizei bis spät in die Nacht Straßenschlachten, wie die Zeitung "La Vanguardia" und das staatliche Fernsehen RTVE berichteten. Die Polizei machte vor allem Rechtsextreme für die Gewalt in der Touristenmetropole verantwortlich.
 
Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie die Polizei mit Pflastersteinen beworfen wurde, Müllcontainer brannten und Barrikaden errichtet wurden. Medien berichteten auch von zwei geplünderten Geschäften, während Anrainer die Demonstranten von ihren Balkonen aus beschimpft hätten.
 
Die Polizei machte vor allem rechte Hooligans von der berüchtigten Fangruppe "Boixos Nois" (Verrückte Jungs) des Fußballvereins FC Barcelona für die Gewalt verantwortlich. In der Stadt Vilafranca del Penedes im Süden Kataloniens hätten 120 junge Leute "Freiheit" von den Corona-Maßnahmen gefordert und versucht, das Rathaus zu stürmen, schrieb "La Vanguardia".
 
Spanien ist eines der von der Coronakrise am schwersten getroffenen Länder Westeuropas. Am Donnerstag hatte das Parlament der Verlängerung des Alarmzustandes - der dritthöchsten Notstandsstufe - bis zum 9. Mai zugestimmt. 13 der 17 autonomen Gemeinschaften riegelten ihr Territorium für bis zu zwei Wochen ab. In Katalonien dürfen die Menschen an den Wochenenden ihre Heimatorte nicht mehr verlassen. In vielen Städten wie etwa in Barcelona gelten nächtliche Ausgangssperren. Gaststätten, Kinos, Theater und Fitnessclubs sind geschlossen, nur Kindergärten und Schulen sind weiter offen.
 
Auch in der italienischen Stadt Florenz kam während einer nicht genehmigten Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen der Regierung am Freitagabend zu Zusammenstößen mit der Polizei. Medienberichten zufolge versammelten sich rund 200 Menschen im Zentrum der Renaissance-Stadt.
 
Einige der Protestierenden warfen laut der Nachrichtenagentur AFP Molotowcocktails, Flaschen und Steine, stießen Mülltonnen um und zerstörten Sicherheitskameras. Die Polizei nahm rund 20 Teilnehmer fest. Bürgermeister Dario Nardella sprach am Samstagmorgen im Onlinedienst Facebook von einer "surrealen, schrecklichen und schmerzhaften Nacht".
 
Auch im etwa 80 Kilometer entfernten Bologna gingen mehrere hundert Menschen, darunter Fußball-Hooligans, auf die Straße. Einige zeigten dabei laut einem Bericht der Tageszeitung "La Repubblica" faschistische Gesten. In den vergangenen Tagen hatte es bereits in mehreren Städten Italiens - darunter Rom, Mailand, Neapel und Turin - teils gewaltsame Proteste gegen die neuen Corona-Beschränkungen gegeben.
 
 Regierungschef Giuseppe Conte hatte angesichts steigender Infektionszahlen neue landesweite Beschränkungen erlassen - unter anderem mussten Kinos und Theater schließen. Zudem erwägt dieRegierung Medienberichten zufolge einen erneuten Lockdown für die größten Städte des Landes, darunter Mailand, Rom und Neapel.
 
Italien hatte am Freitag mit mehr als 31.000 Fällen eine Rekordzahl an Corona-Neuinfektionen gemeldet. Insgesamt wurden dort bisher fast 650.000 Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus registriert, mehr als 38.000 Menschen starben.


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