martin sprenger

Ex-Corona-Taskforce-Mitglied kritisiert Politik:

'Sind auf trockener Straße mit Schneeketten unterwegs'

"Wissenschaftlich ist nicht zu erklären, dass man Menschen um 23 Uhr nach Hause schickt" - der Mediziner Martin Sprenger, Ex-Mitglied der Corona-Taskforce der Regierung, kritisiert die Politik.

"Wir sind längst auf trockener Straße unterwegs, aber die Regierung will nicht nur, dass wir mit Schneeketten unterwegs sind, sie verordnet sogar die Schneekettenpflicht", sagt der Arzt und Public-Health-Experte Martin Sprenger jetzt in einem Interview mit der "Tiroler Tageszeitung".

Die Bundesregierung hätte den Zeitpunkt verpasst, "den Angstlevel" in der Corona-Krise zurückzufahren: "Ab Ostern hätten wir die Angst aus den Köpfen der Menschen bringen können. Doch noch heute trauen sich Menschen nicht, die eine medizinische Versorgung benötigen, in Spitäler zu gehen. Wir nennen dies in der Wissenschaft ,Gesundheitsfolgenabschätzung', wir hätten im sozialen, psychischen, pädagogischen und ökonomischen Bereich die Kollateralschäden verringern können. Doch dafür braucht man einen weiten Blick, den hat die Regierung nicht haben wollen. Das kann man ihr vorwerfen."

"Warum werden Bürger um 23 Uhr nach Hause geschickt?"

Und Sprenger kritisiert auch ganz konkret einen Punkt in den Maßnahmen für die Gastronomie: Wenn man nun erwachsene Bürger um 23 Uhr nach Hause schickt, dann muss man das erklären. Vielleicht gibt es Gründe der Regierung, wissenschaftlich ist das nicht zu begründen. Wir haben eine Regierung, die verkündet, aber nicht erklärt."

Und der Mediziner erklärt auch, warum er die Corona-Taskforce der Bundesregierung verlassen hat: "Mich hat das wissenschaftlich nicht haltbare Papier mit den ,100.000 Toten' geschockt. Zudem wollte man keinen interdisziplinären Diskurs zulassen. Wir führten gegen das Virus bereits 10 zu null."

Der Vorsprung sei aber dann nicht zu halten gewesen, meint der Public-Health-Experte: "Zu lange wurden die Probleme in der Regelversorgung und die sozialen und ökonomischen Nebenwirkungen der Maßnahmen nicht beachtet." Sprenger wörtlich: "Die Erzählung der Regierung ist folgende: Alles wurde perfekt durchgeführt. Das stimmte anfangs ja. Doch jetzt ist vieles nicht mehr perfekt."



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