Experte warnt vor neuer Corona-Explosion in Österreich

Gefahr eines vierten Lockdowns

Experte warnt vor neuer Corona-Explosion in Österreich

Die Corona-Zahlen in Österreich könnten bereits wieder exponentiell steigen.

Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hat am Freitag eine Öffnung der Gastronomie noch im März nicht ausgeschlossen, diese aber auch nicht zugesagt. Sie sei abhängig vom Infektionsgeschehen. Zuvor hatte die Regierung erst am Dienstag weitere Lockerungsschritte für frühestens "rund um Ostern" in Aussicht gestellt. Die Wirtschaftskammer hatte seither aber intensiv auf frühere Lockerungen trotz der wieder steigenden Corona-Infektionszahlen gedrängt. Ostersonntag ist heuer der 4. April.
 

"Sehr instabiler Zustand"

Vor einer weiteren Lockerung warnt nun der Statistiker Erich Neuwirth. In der ZiB Nacht warnt der Experte sogar vor einer neuen Corona-Explosion in Österreich. „Ich halte das für ein sehr riskantes Spiel. Zuletzt waren die Zahlen konstant, seit rund einer Woche steigen sie aber wieder an. Das könnte im schlimmsten Fall sogar der Beginn einer neuen exponentiellen Phase sein. Es ist auf jeden Fall ein sehr instabiler Zustand“, so Neuwirth.
 
Es sei „durchaus denkbar“, dass man auf einen vierten Lockdown zusteuere, so der Statistiker weiter. „Mit den Mutationen besteht derzeit eine riesige Unsicherheit“, viele Rechenmodelle würden derzeit von einem exponentiellen Wachstum ausgehen. 
 
Neuwirth verweist aber auch darauf, dass die Datenlage derzeit noch nicht eindeutig sei. Unklar sei etwa, ob das Wachstum auf die Mutationen oder auf die höhere Testrate zurückzuführen sei. Der Experte rät jedenfalls dazu, mit Öffnungen „wesentlich vorsichtiger“ zu sein.

Reproduktionszahl in Österreich über kritischer Eins

Die aktuelle Infektionsentwicklung mit SARS-CoV-2 hat dazu geführt, dass die sogenannte effektive Reproduktionszahl (R-Zahl gewertet) - knapp, aber doch - zum ersten Mal seit längerem über dem kritischen Wert 1,0 liegt. Exakt 1,04 beträgt der Wert laut dem Freitags-Update der wöchentlichen Analyse von AGES und TU Graz. Diesem liegen Daten des Zeitraums von 5. Februar bis 17. Februar, basierend auf 18.222 Fällen zugrunde.
 
Simulationsforscher Niki Popper hat diese Entwicklung bereits am Freitag im Zuge einer Pressekonferenz angekündigt, samt Hinweis, dass die R-Zahl wie alle anderen Werte auch sinken müsste. Der R-Wert befand sich in den vergangenen zwei Wochen jeweils nur knapp unter der Eins. Er stieg von 0,96 auf 0,99 in der vergangenen Woche.
 
Die R-Zahl von über Eins bedeutet, dass in diesem Zeitraum ein mit SARS-CoV-2 Infizierter statistisch gesehen mehr als einen weiteren Menschen angesteckt hat. Im Bundesländervergleich lag R in Wien, Niederösterreich, Oberösterreich und Steiermark über 1,0 - in Salzburg, Tirol und Vorarlberg hingegen unter und im Burgenland und Kärnten um diesen Wert. Eine R-Zahl von 1,0 bedeutet theoretisch täglich eine gleichbleibende Anzahl an Neuansteckungen, man spricht dann von einer endemischen Verbreitung des Virus. Nichts sagt die R-Zahl jedoch über das Niveau der täglichen Inzidenz (Neuinfektionen) aus - und diese befindet sich laut den Experten seit Wochen "in allen Bundesländern auf einem erhöhten Niveau".
 
Das angewendete Modell liefert zudem eine geschätzte tägliche Steigerungsrate für den 17. Februar von 2,5 Prozent (-0.2 bis +5.3) betreffend die österreichische Population, basierend auf den Zeitraum der zwölf Tage ab dem 5. Vergangenen Freitag lag die tägliche Steigerungsrate bei 0,7 Prozent.
 


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