Großbritannien trauert um tote Ärzte und Pfleger

Todeszahlen in Großbritannien schießen in die Höhe

Großbritannien trauert um tote Ärzte und Pfleger

In Großbritannien starben bisher mindestens 80 Spitalsmitarbeiter an den Folgen einer Coronavirus-Infektion.

London. Die Corona-Situation in Großbritanniens Krankenhäusern nimmt mittlerweile erschreckende Züge an: Den Spitälern geht langsam die Ausrüstung aus und mindestens 80 Krankenhausmitarbeiter sind bereits an den Folgen einer Coronavirus-Infektion verstorben. Derzeit warte man auf eine 84 Tonnen schwere Lieferung an Hilfsgütern aus der Türkei, die über 400.000 Schutzausrüstungs-Set für medizinisches Fachpersonal beinhalten soll. Eigentlich hätte die dringend benötigte Lieferung bereits in der Nacht auf Montag erfolgen sollen – Sie kam jedoch nicht an.

Auch das Krankenhauspersonal steigt mittlerweile auf die Barrikaden: Ärzte & Pfleger müssten laut zahlreichen Online-Berichten tagtäglich die schwerwiegende Entscheidung treffen, ob sie sich selbst der, durch die Knappheit an Schutzausrüstung extrem erhöhten, Gefahr aussetzen sich selbst zu infizieren oder "Patienten unter ihrer Aufsicht einfach sterben zu lassen." 

Die Hoffnung auf baldige Schutzausrüstungs-Lieferungen sinkt indessen weiter. Chris Hopson, Verantwortlicher für die Beschaffung von medizinischer für das britische Gesundheitsministerium, gab an, dass "schwindende Hoffnung" auf eine baldige Lieferung hätte. "Die Chancen, dass die dringend benötigte Lieferung noch heute eintrifft ist schwindend gering. Selbst wenn sie heute noch ankommen soll, wird es viel zu spät sein", sagte Hopson in einem Interview mit BBC.

 

Experten warnen: Großbritannien könnte meiste Todesfälle in Europa haben

Im Vereinigten Königreich mangelt es auch an Klinikpersonal und Beatmungsgeräten für Covid-19-Patienten. Sauerstoff-Lieferungen für die Beatmung gehen Ärzten zufolge ebenfalls zurück. Die Statistiken zu Infizierten und Todesfällen gelten als wenig aussagekräftig, unter anderem weil in Großbritannien im Vergleich zu anderen europäischen Ländern bisher wenige Tests vorgenommen worden sind. In den Statistiken zu den Sterbefällen tauchen keine Toten in Pflegeheimen auf. Deren Zahlen gehen Schätzungen zufolge in die Tausende.
 
Experten befürchten, dass Großbritannien mit Blick auf die Sterbequote das am schlimmsten betroffene Land in Europa werden könnte. Die Ausgangsbeschränkungen sind daher bis zum 7. Mai verlängert worden.
 
Am Samstag veröffentlichte Schätzungen des britischen Branchenverbands der Pflegeheime zufolge könnten allein in diesen Einrichtungen zwischen 4.000 und 7.500 Menschen durch eine Corona-Infektion gestorben sein.
 
Offiziell sprach die Regierung in London am Samstag von mehr als 15.000 Corona-Toten im Königreich. Allein innerhalb von 24 Stunden seien 888 weitere Todesfälle in den Krankenhäusern registriert worden. Damit ging die Zahl der neuen Todesfälle wieder nach oben.
 
Die britische Regierung hatte am Donnerstag eine Verlängerung der am 23. März verhängten Ausgangssperre um mindestens drei Wochen beschlossen. Außenminister Dominic Raab, der den an Covid-19 erkrankten Premierminister Boris Johnson vertritt, sagte nach den Beratungen mit seinen Ministerkollegen, es sei noch zu früh, sich zu Ausstiegsszenarien zu äußern.
 

Vorbild Österreich: Frühe Reaktion verhinderte Schlimmeres

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hat am Sonntagnachmittag in einem Videointerview mit dem US-Fernsehsender CNN die "schnelle und harte" Vorgehensweise der Bundesregierung in der Coronakrise verteidigt. "Deswegen ist die Situation jetzt unter Kontrolle, auch in den Spitälern." Kurz betonte, die Öffnung des Landes werde "schrittweise vollzogen", Testkapazitäten sollen weiter ausgebaut werden.
 
"Wir haben nur etwa 100 Neuinfektionen pro Tag und wir sind extrem glücklich, dass wir so schnell und entschlossen reagiert haben", erklärte der Bundeskanzler. Die Zahl der Infizierten in Österreich ginge zurück und "wir denken, dass die Zahlen weiter zurückgehen werden", so Kurz.
 
Video zum Thema: Kanzler Kurz im Interview mit US-Nachrichtensender "CNN"
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Nun versuche man, "sehr langsam und Schritt für Schritt" das Land wieder zu öffnen. "Wir gehen immer in Zwei-Wochen-Schritten vor, damit wir sehen können, wie sich die Lage entwickelt und ob es wieder zu einem Anstieg der Infektionen kommt. Anfang Mai sollen alle Geschäfte, Mitte Mai auch die Restaurants wieder aufsperren."
 
Eine Testung aller Mitarbeiter in der Gastronomie werde "leider nicht machbar" sein, meinte Kurz auf eine dementsprechende Frage. Stattdessen sollte es etwa eine Maximalanzahl von Personen, mit denen man den Abend verbringen dürfe, geben. Außerdem sollten andere Maßnahmen der sozialen Distanzierung auch in Lokalen fortgeführt werden.
 
Jetzt gelte es jedenfalls, die Testkapazitäten zu erhöhen. "Im Moment haben wir ungefähr 10.000 Tests pro Tag, wir arbeiten daran das auszubauen", betonte der Bundeskanzler. Wichtig sei eine gute Strategie der Eindämmung, um zu vermeiden, dass Infizierte in Kontakt mit anderen Menschen kämen. "Die asiatischen Länder waren damit sehr erfolgreich."
 
"Es wird Monate dauern und die Situation wird schwierig bleiben", betonte Kurz abschließend. Dennoch werde man eine neue Normalität erleben, mit "so viel Freiheit wie möglich und so vielen Beschränkungen wie benötigt".
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