Impfungen ziehen sich

Impf-Skandal: Wir müssten 100.000 am Tag impfen

Impf-Skandal: Wir müssten 100.000 am Tag impfen
© APA / Georg Hochmuth
Die impfbereite Bevölkerung wird bei diesem Tempo niemals bis Sommer geimpft.
OE24 auf Google bevorzugen

Wien. Wir müssten bis zu 100.000 Personen am Tag impfen, damit Österreichs impfbereite Bevölkerung (alle über 16-Jährigen) bis Anfang Juli immunisiert ist. An diesem Ziel schrammt das Gesundheitsministerium unter Minister Rudolf Anschober (Grüne) beim derzeitig langsamen Tempo der Impf-Strategie weit vorbei. Nur ein Drittel des Werts wurde in dieser Woche im Schnitt erreicht: 33.000 Impfungen am Tag.

Am Sonntag und Montag waren es gar nur 15.000 Stiche des lang ersehnten Vakzins gegen das Coronavirus. Gestern wurden immerhin 41.000 Impfungen verabreicht.

Das Impfen in Österreich muss bedeutend schneller werden, um eine Durchimpfung bis zum Sommer zu ermöglichen. Die Gesamtzahl der durchgeführten Impfungen liegt bei 1,5 Millionen. 1,1 Millionen Menschen haben eine erste Impfung erhalten.

Impfstrategie in drei Etappen

Tempo. Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) schaltete sich in die Impfstrategie ein und verkündete jetzt drei Etappenziele für Österreich im Kampf gegen die Pandemie:

  • Über 65-Jährige sollen bis Ende April durchgeimpft sein. Kurz sagte: „Das wäre ein großer Schritt, denn schwere Verläufe treten häufig bei Älteren auf, hier ist die Sterblichkeit hoch und die Belastung der Intensivkapazitäten auch.“
  • Die 50-Jährigen sollen dann bis Anfang Juni geimpft sein, sagte der Kanzler. Ist dieses Ziel erreicht, „kann es zu keiner Überlastung der Intensivkapazitäten in den Spitälern kommen“.
  • Alle, die wollen: Mitte Juni bis Anfang Juli sollen schließlich alle in Österreich geimpft sein, die geimpft werden wollen. Das werden etwa 5,5 Millionen sein.

In den nächsten Wochen soll das Impftempo steigen: Die Liefermenge an Impfstoffen wird im 2. Quartal im Vergleich zum ersten verdreifacht: 6,9 Millionen Impfdosen werden erwartet. Dann muss die österreichische Impfkampagne Fahrt aufnehmen und die Dosen zügig verimpfen.

Nur 200.000 Impfungen pro Woche

Die Impfkampagne in Österreich ist bislang keine großartige Erfolgsgeschichte. Zwar liegen wir punkto Impfquote mit 14,55 Prozent ein wenig über dem EU-Schnitt von 11,3 Prozent, allerdings belegen wir im Ranking nur Platz sechs – hinter Ungarn, Malta, Finnland, Estland und Dänemark.

Weltweit rangieren wir auf Platz 20. Vor uns liegen Länder wie die Seychellen, Israel natürlich, Chile, Serbien und Uruguay.

Momentan sieht die Lage in Österreich so aus, dass nur knapp über 200.000 Impfungen pro Woche verabreicht werden. Bis dato wurden rund 400.000 zweimal geimpft. Wenn das Tempo so weitergeht und wir von 5,5 Millionen Impfwilligen ausgehen, dann ist Österreich erst in einem Jahr, also im Frühjahr 2022, durchgeimpft.

Damit würde Bundeskanzler Kurz sein Versprechen, dass im heurigen Sommer „alle geimpft sein werden“, definitiv nicht einhalten können.

Fehler im Artikel gefunden?Jetzt melden