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Nur mehr vier Bezirke in ganz Österreich grün

Lediglich ein Prozent der Österreicher wohnt in Regionen mit grünem, also geringem Risiko.

Insgesamt 25 Bezirke bzw. Regionen leuchten seit Donnerstagabend in der Corona-Ampel rot, 27 Prozent der Bevölkerung leben in diesen Regionen mit sehr hohem Risiko. 61 Prozent in orangen Bezirken, elf in gelben und lediglich ein Prozent der Österreicher wohnt in Regionen mit grünem, also geringem Risiko. Die "Lage ist sehr ernst", die "Pandemie nimmt an Lauf zu" und wir sind "noch nicht am Höhepunkt angelangt", sagte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) am Freitag. Nur vier Bezirke sind österreichweit noch grün. Das sind Feldkirchen (Kärnten), Murau (Steiermark), Waidhofen an der Ybbs (NÖ) und Jennersdorf (Burgenland).

Innerhalb der vergangenen 24 Stunden waren österreichweit 2.571 Neuinfektionen hinzugekommen, die Zahl der aktiven Fälle stieg am Freitag auf 18.266. Anschober gab sich weiterhin optimistisch, dass ein Lockdown verhindert werden kann. Dieser kommt nur, wenn wir "vor einem Zusammenbruch des Gesundheitssystems stehen würden". Das sei derzeit überhaupt nicht der Fall, konstatierte Anschober. Die Situation in den Spitälern sei noch gut.

Insgesamt gibt es in Österreich rund 2.000 Intensivbetten, am 15. Oktober waren sechs Prozent davon mit Covid-19-Patienten belegt, am gestrigen Donnerstag waren es acht Prozent, sagte Anschober und meinte, dass das eine "überschaubare Steigerung" sei. Die 14-tägige Prognose der Gesundheit Österreich (GÖG) sieht für den 4. November eine Auslastung von zwölf Prozent - man habe daher noch viel Luft nach oben. In absoluten Zahlen wären das 243 Betroffene. 158 Erkrankte lagen am Freitag auf Intensivstationen. Den bisherigen Höchststand gab es während des Lockdowns am 8. April - damals lagen 267 Covid-19-Erkrankte in Krankenhäusern.

Das Gesundheitssystem solle auf jeden Fall weiterhin im Vollbetrieb bleiben, sagte Anschober. Sollten mehr Intensivbetten benötigt werden, können diese laut ihm rasch aufgestockt werden. Restriktionen für Therapien und Behandlungen, die nicht mit Covid-19 zusammenhängen, soll es keine geben, das habe man aus den Erfahrungen des Frühlings gelernt. Man müsse den Nicht-Corona-Patienten deutlich mehr Aufmerksamkeit schenken, sagte Anschober.

"Wenn es irgendwie geht, bleiben Sie zu Hause", appellierte Anschober am Freitag an die Bevölkerung. Reisen sollen vermieden werden. "Die Herbstferien können eine Chance sein, sie können aber auch ein Risiko darstellen", sagte der Gesundheitsminister. Auch rund um Allerheiligen sollen "zu enge Kontakte" vermieden werden. Der dritte Appell betrifft Halloween. "Da geht oft die Post ab", stellte Anschober fest, und heuer habe man keinen Platz dafür, dass es durch spezifische Feiern mit Promillegehalt weitere Fälle gibt. Er wünsche aber allen, dass die Post wieder im Jahr 2021 abgehen wird.

Genau bei der Freizeit müsse man ansetzen, stellte Daniela Schmid, Sprecherin der Corona-Kommission, fest. Nachdem es seit Donnerstagabend laut Corona-Ampel 25 Bezirke und Regionen mit hohem Verbreitungsrisiko gibt, ist es nun weiterhin das "Ziel, die Verbreitungsgeschwindigkeit zu reduzieren" - und zwar wesentlich durch die Reduktion der sozialen Kontakte. Was das Einbringen des Virus in den Gesundheitssektor betrifft, so nehmen hier die Fälle zu, erläuterte Schmid, und zwar auch Fälle in der Altenpflege und damit das Potenzial für schwere Krankheitsverläufe.

Es gehe nun wieder primär darum, "die sozialen Kontakte auf ein Minimum zu reduzieren", forderte Schmid. Sieht man sich die Cluster-Settings an, ist der Bereich Haushalt derzeit der umfangreichste. Hier stecken sich Mitglieder untereinander an, da könne man weniger ansetzten als bei anderen Aktivitäten, sagte Schmid. Bei Haushalts-Clustern kenne man die Quelle nicht. Wichtig sei es, vor diesem Cluster anzusetzen. "Es ist noch mehr individuelles Risikobewusstsein gefragt", forderte die Expertin.

Freizeitaktivitäten sind oft assoziiert mit traditionellen Ereignissen, wie beispielsweise Firmung und Erstkommunion. Solche Veranstaltungen sollen auch weiterhin stattfinden, meint Schmid, denn Konzepte würden in den Kirchen etwa ausgezeichnet funktionieren. Das Problem sei das, was danach passiert - das private Feiern. Die meisten Übertragungen passieren im privaten Bereich, nur sehr wenige im Arbeitsbereich.

Im Schnitt der vergangenen Woche gab es jeden Tag in Österreich 1.861 Neuinfektionen. Die hohe Zahl führt weiterhin zu Problemen bei der Kontaktpersonennachverfolgung. Doch das Contact-Tracing ist das "um und auf", betonte Ampel-Kommissionssprecherin Schmid. "Jedes Land, dass das aufgibt, gibt die Kontrolle der Epidemie auf", konstatierte sie. "Wir werden das in Österreich nie machen." Denn "nur so kann eine mögliche Verbreitung gestoppt werden". In vielen Bezirken gebe es gerade durch das Contact-Tracing "eine hohe Aufklärungsquote". "Contact-Tracing ist auf jeden Fall machbar, egal wie viele Fälle auftreten, das ist nur eine Frage der Ressourcen", sagte Schmid.

25 Bezirke sind seit gestern mit einem sehr hohen Verbreitungsrisiko eingestuft. Es handle sich nicht um ein Risiko für die Gesundheitsversorgung, sondern ausschließlich das Verbreitungsrisiko innerhalb der Bevölkerung, betonte Schmid. Im Zeitverlauf hat sich das Verbreitungs- und damit das Systemrisiko des Virus SARS-CoV-2 bereits hin zu einem erhöhten Risiko entwickelt, heißt es auf der Online-Seite zur Corona-Ampel. Bei der ersten Schaltung am 3. September lebten noch 72 Prozent der Österreicher in Regionen mit geringem Risiko, also in grünen Bezirken. Nun trifft das nur noch auf ein Prozent zu.
 

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