Thiem: Jungstar trotz Out gefeiert

Neuer Tennis-Held

Thiem: Jungstar trotz Out gefeiert

2:14 Stunden gab Dominic Thiem gegen Topstar Tsonga alles und verlor 4:6,6:3,6:7.

Die Viertelfinal-Sensation lag in der Luft. 7.500 Fans verwandelten die Stadthalle gestern in ein Tollhaus. Ein erst 20-jähriger Niederösterreicher (ATP-149) lieferte im Viertelfinale der Erste Bank Open das Spiel seines Lebens ab. Er drängte den Weltranglisten-Achten Jo-Wilfried Tsonga (FRA) an den Rand einer Niederlage. Unbeeindruckt von der Kulisse, vom Gegner und der tollen Atmosphäre spielte Thiem mit tollen, druckvollen Schlägen auf.

Thiem überrumpelte Tsonga mit viel Druck
Tolles Service, krachende Vorhand. Tsonga wusste nicht, wie ihm geschah. Bei 3:2 im 1. Satz kochte die Stimmung erstmals über: Thiem vergab bei 0:40 drei Chancen, Tsonga das Service abzunehmen. Der Franzose nützte seine erste Breakchance zum 6:4.

Thiem drehte weiter auf, stellte auf 5:3 und hatte den 2. Satz in der Tasche.
Der 3. Satz - ein Thriller. Thiem wehrte bei 4:5 sogar einen Matchball ab. Im Tiebreak kam er noch von 0:4 auf 3:4 heran, hatte dann aber das Nachsehen.

Tosender Beifall zum Abschied. Thiem cool: "Ich habe gewusst, dass ich gut spielen kann, aber dass ich es gegen so einen Spieler zeigen kann, war sehr gut." Superstar Tsonga verblüfft: "Thiem hatte nichts zu verlieren, das konnte man sehen. Ich wünsche ihm weiter viel Glück."

Thiem: "Es war ein echt geiles Tennismatch"

Nach dem "Match seines Lebens" war Thiem enttäuscht und stolz zugleich.

FRAGE:
Was ging Ihnen in den ersten Minuten nach dem so knapp verlorenen Match durch den Kopf?
DOMINIC THIEM: Es war ein sehr geiles match. aber jetzt gerade ist eine ziemliche Leere in meinem kopf. Weil ich doch schon geglaubt hatte, dieses match gewinnen zu können.

FRAGE: Hatten Sie sich diese Leistung vor dem Match gegen Tsonga zugetraut?
THIEM: Ich habe gewusst, dass ich gut spielen kann, aber dass ich es gegen einen gegner wie ihn zeigen kann, ist etwas besonderes. Das match ist auch gut gelaufen. Ein Tiebreak, speziell im dritten Satz, das kann jeder gewinnen. Da zählen nur glück und Pech, diesmal war er ein bisserl der glücklichere. Solche matches sollte ich in Zukunft auch gewinnen.

FRAGE: Welche Taktik hatten Sie gegen die Nummer 8 der Welt?
THIEM: Ich habe auf meine Chancen gewartet, die auch gekommen sind. Es sind aber extrem wenige. bei den breakbällen hat er blendend serviert. Im Tiebreak zählen nur noch glück und Pech, und er war am Schluss der glückliche.

FRAGE: Was sagen Sie zu den Fans in der Halle?
THIEM: Das war fast Davis-Cup-Stimmung. Die haben mich unglaublich gepusht. Das werde ich lang nicht vergessen.

Thiems Schleifer jubelt in der Box

Als Thiem das Viertelfinale erreichte, führte Kondi-Trainer Sepp Resnik (60) einen Freudentanz auf. Gestern zitterte er vergeblich. Der frühere Extremsportler und Bundesheeroffizier schleift Thiem nach Rocky-Methoden - z. B. Waldläufe mit Baumstammschleppen, Sit-ups nach Mitternacht. Thiem-Entdecker Günter Bresnik ist stolz, dass er die beiden zusammengebracht hat: "Sepp ist ein unglaublicher Optimist, das tut Dominic gut."

Blitzheilung. Zum Beispiel vor dem Achtelfinalmatch gegen Pospisil: Als Thiem in der Früh kränkelte, ließ Resnik inhalieren und meinte nach der "Blitzheilung": "Du kannst wieder voll Gas geben!" Thiem siegte in 47 Minuten. Gestern hielt er über 2 Stunden durch.

Unser neuer Tennis-Held bald Top-100

Dominic Thiem wird seit Jahren als größtes heimisches Tennistalent gehandelt. Thiems Tennistrainer und Entdecker Günter Bresnik verfolgte den Wien-Auftritt seines Schützlings aus Stockholm im Internet-Livestream - dort coacht er den Letten Gulbis. Thiems tolle Leisung in der Stadthalle kommt für Bresnik wenig überraschend: "Von seinen Schlägen her ist Dominic längst ein Top-100-Spieler. Jetzt ist er endlich fit."

Aufhorchen ließ Thiem 2011 - als 17-Jähriger erreichte er das Junioren-Finale der French Open. Im selben Jahr schickte er in der Wiener Stadthalle Thomas Muster in Tennis-Pension. Inzwischen kämpfte er sich auf ATP-Nr. 149 vor. Nach einer langwierigen Bakterieninfektion ist der Niederösterreicher endlich auch körperlich
top. Im Frühjahr 2014 muss er nur ganz wenige Punkte verteidigen. Da will er die Top-100 knacken.