Die Akte Palmers: Geringfügig bezahlte Leiharbeiter schufteten im Keller und in einer abgesonderten Halle.
Wiener Neudorf. Schwarzarbeit, Betrug, Etikettenschwindel – das sind die Vorwürfe in der Affäre um Hygiene Austria, die ÖSTERREICH aufgedeckt hat. Inzwischen gab Palmers, bisheriger Teilhaber von Hygiene Austria, zu, „zum Abdecken von Spitzennachfrage nach FFP2-Masken auch auf chinesische Lohnfertiger zurückgegriffen“ zu haben.
Ein Insider sagt gegenüber ÖSTERREICH: „Die Masken wurden in China eingekauft. Als Lieferadresse wurde Ukraine angegeben. Gelandet sind die rund 20 Mio. Masken schließlich in Wiener Neudorf, im Keller einer der Hallen der Firma Palmers.“ Verrechnet sei über eine der Stiftungen eines Ukrainers worden, der im Vorstand von Palmers sitzt.
Üble hygienische Zustände?
Ein anonymer Mitarbeiter sagt gegenüber "ZackZack.at" aus und schildert die Zustände in den Produktionshallen: "Wenn ich ehrlich bin, die Masken aus China würde ich eher nehmen als die von uns, weil es einfach ekelhaft ist." Die Zustände in den Produktionshallen in Wiener Neudorf seien katastrophal, so der Aufdecker.
"Bei uns ist alles ölig und fettig. Aber bei dem Gehalt ist es vielen auch wurscht, dass die Maschinen sauber bleiben. Das ist ein Motivationsproblem der Mitarbeiter, aber die Chefität kümmert’s ja auch nicht", so der Mitarbeiter.
Wiener Neudorf. Supermarktketten stoppten inzwischen den Verkauf von FFP2-Masken der Firma, die Beschaffungsagentur des Bundes stieg ebenfalls aus. Der Faserhersteller Lenzing, Mehrheitseigentümer bei Hygiene Austria, übernahm das Kommando über die Maskenproduktion. Mehr als 50 Leiharbeiter sind inzwischen von den Finanzfahndern befragt worden.
Zwei Leiharbeiterteams, eine Gruppe etikettierte um
Im Keller. So lief der Schwindel: Zwei Leiharbeiterfirmen und ein Security-Team arbeiteten im Schichtbetrieb in Wiener Neudorf. Der Chef einer der Leiharbeiterfirmen sagt zu ÖSTERREICH: „In der Halle, in der unsere 134 Mitarbeiter in der Maskenproduktion beschäftigt waren, war alles blitzsauber. Hier lief nichts.“ Der Betrug wurde im Keller und in einer Nebenhalle durchgezogen. Ein Insider zu ÖSTERREICH: „Die Ware aus China wurde im Keller zwischengelagert und dort umetikettiert.“ Durchgeführt wurde das von rund „150 geringfügig angemeldeten Arbeitern, die schwarz überzahlt worden sind“, behauptet der Zeuge. Gelaufen sei der Betrug mit den Masken ab dem Jahreswechsel. Gegenüber ÖSTERREICH wollte der Chef der zweiten Leiharbeiterfirma keine Stellungnahme abgeben. Es gilt die Unschuldsvermutung.
(wek)