Virologen-Alarm: "Corona ist beim Sex übertragbar"

coronavirus

Virologen-Alarm: "Corona ist beim Sex übertragbar"

Chinesische Forscher haben nun erstmals Viren im Sperma nachgewiesen.a

Dass es beim Geschlechtsverkehr zu einer Ansteckung mit dem Coronavirus kommen kann, ist nicht weiter verwunderlich. Aufgrund der körperlichen Nähe kann es zu einer Schmier- oder Tröpfcheninfektion kommen. Nicht nur beim Küssen kann das Virus ungebremst weitergereicht werden, auch über Hände, Bettlaken, Toys und Sekretpartikel in der Luft kann sich eine gesunde Person infizieren.
 
Bisher war aber nicht klar, ob das Coronavirus auch über Sperma oder Vaginalsekrete übertragen werden kann. Chinesische Wissenschaftler haben nun aber erstmals das Sars-CoV-2 im Sperma nachgewiesen. Die Studie basiert dabei auf Daten von 38 Patienten in der Provinz Henan. Bei vier der 15 Akut-Patienten wurde das Coronavirus gefunden. "Wir haben nachgewiesen, dass das Virus im Sperma von Covid-19-Patienten präsent sein kann und auch bei Patienten nachweisbar ist, die schon genesen sind“, so der Forschungsleiter Diangeng Li.
 
Noch ist aber unklar, wie ansteckend das Coronavirus beim Sex ist, Experten raten aber auf jeden Fall zum Verwenden eines Kondoms. Eine Ansteckung ist aber nicht nur beim Geschlechtsverkehr möglich, sondern auch beim Küssen. 
 

Coronavirus: Antworten auf häufig gestellte Fragen

Rund um die Coronavirus-Pandemie kursieren viele Informationen, die es schwer machen, den Überblick zu behalten. Die bisherigen Daten und Schlüsse daraus zeigen auch, dass einiges in Bezug auf das SARS-CoV-2-Virus noch nicht als gesichert angesehen werden kann. Hier eine Übersicht, die zum Teil auf gesammelten Informationen im "Internet Book of Critical Care" beruht:

Oft gestellte Fragen zum Coronavirus

Frage: Was ist das neue Coronavirus?

Antwort: Das SARS-CoV-2-Virus (mittlerweile wird es meist als Covid-19 bezeichnet, was eigentlich eine Bezeichnung für die ausgelöste Erkrankung ist) gehört zu der großen Familie der Coronaviren. Innerhalb dieser Gruppe ist es dem 2002 aufgetretenen SARS-Virus am ähnlichsten. Wie auch sein enger Verwandter nutzt das neue Coronavirus den ACE2-Rezeptor, um in menschliche Zellen zu gelangen. Befallen wird vor allem die Lunge. Bei sehr schweren Verläufen droht akutes Lungenversagen.

Frage: Wie tödlich ist das Coronavirus?

Antwort: Die Angaben darüber sind sehr unterschiedlich. Schon alleine in China variieren sie erheblich. Das "Chinese Center for Disease Control" gibt die Sterberate für die Provinz Hubei - dem Ursprungsort des Virus - mit 2,9 Prozent an. In anderen chinesischen Provinzen sind es hingegen nur 0,4 Prozent, heißt es in einem aktuelle Beitrag im Fachjournal "The Lancet". Die Mortalität scheint demnach stark von der Altersstruktur der Erkrankten in einer Region, Vorerkrankungen, den Möglichkeiten zur Isolation, der Anzahl an Akutpatienten, die Unterstützung beim Atmen brauchen, oder den Kapazitäten des Gesundheitssystems abzuhängen. Die Unterschiede könnten laut chinesischen Studien auch daran liegen, dass unterschiedliche Varianten des Virus kursieren.

Frage: Wer gehört zur Risikogruppe?

Antwort: Das Europäische Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) zählt ältere Menschen zu den "vulnerablen" - also am meisten gefährdeten - Gruppen. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat "Menschen im Alter von über 60 Jahren" neben Personen mit Grunderkrankungen wie Bluthochdruck (vor allem, wenn schlecht eingestellt; Anm.), Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronischen Atemwegserkrankungen wie etwa COPD und Krebs auf der Liste der besonders gefährdeten Menschen. Es gibt auch Hinweise, dass Raucher ein erhöhtes Risiko für einen schwereren Verlauf haben.

Frage: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit eines schweren Verlaufs?

Antwort: Es wird davon ausgegangen, dass rund 80 Prozent der Fälle milde verlaufen, bei ungefähr 18 bis 20 Prozent stellt sich ein schwererer Verlauf ein. Kritisch wird es bei rund vier bis fünf Prozent der Infizierten.

Frage: Wie erfolgt die Übertragung?

Antwort: Als Hauptübertragungsweg gilt die Tröpfcheninfektion etwa über hustende Erkrankte. Der Ansteckungsradius beträgt rund zwei Meter. Als plausibel, aber bisher nicht eindeutig nachgewiesen, gilt eine Übertragung über ausgeatmete Aerosolpartikel (Tröpfchen), die sich länger in der Luft befinden können. Die Kontaktübertragung, sprich eine Weitergabe des Virus beispielsweise über kontaminierte Oberflächen, könnte auch ein Faktor bei der Verbreitung sein. Von humanen Coronaviren ist teilweise bekannt, dass diese mitunter mehrere Tage auf Oberflächen überdauern können. Wie lange das SARS-CoV-2-Virus auf verschiedenen Materialien überlebt, ist noch nicht vollständig geklärt. Einer aktuellen Studie zufolge überdauern die Viren auf Kupfer bis zu vier Stunden, auf Karton bis zu einem und auf Plastik und rostfreiem Stahl bis zu drei Tage. Die Anzahl der Viren reduzierte sich jedoch über die Zeit rasch. Eine Übertragung in der Schwangerschaft wurde bisher nicht nachgewiesen.

Frage: Welche Symptome können auftreten?

Antwort: Studien zufolge entwickelt die Mehrheit der Patienten Fieber (meistens definiert als über 37,3 Grad) und Husten. Hat ein Patient aber kein Fieber, ist das kein Ausschlussgrund für eine Erkrankung. Ein Vielzahl an Erkrankten ist auch von Schwindel, Übelkeit und Durchfall betroffen. Vor allem bei eher älteren Personen kann Kurzatmigkeit bzw. Atemnot auftreten, seltener sind Halsschmerzen oder Rachenentzündungen.

Frage: Wie lange ist die Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch der Erkrankung (Inkubationszeit)?

Antwort: Auch hier gehen die Angaben etwas auseinander. Experten gehen aber von einer mittleren Inkubationszeit von um die vier Tagen aus. Es gibt allerdings auch Informationen wonach sie bis zu 14 Tage betragen kann.

Frage: Gibt es eine Therapie?

Antwort: Es wird momentan eine Vielzahl an bekannten Medikamenten auf ihre Wirksamkeit vor allem bei sehr schweren Fällen getestet, wie Walter Hasibeder von der Österreichischen Gesellschaft für Anästhesie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI) in einem Blogbeitrag kürzlich erklärte. Hier handelt es sich u.a. um Präparate, die in der Behandlung von HIV-Infektionen, bei Ebola-, Influenza- oder früher bei Malaria- oder Hepatitis C-Erkrankungen eingesetzt werden und wurden. Ein internationales Team um den Genetiker und Mitbegründer der Wiener Biotechnologiefirma Apeiron, Josef Penninger, plant Tests des Wirkstoff-Kandidaten APN01. Dahinter verbirgt sich biotechnologisch hergestelltes menschliches Angiotensin Converting Enzym 2 (rhACE2), das einerseits den Virus blockieren und andererseits vor Lungenversagen schützen soll. An Impfstoffen wird aktuell vielerorts fieberhaft gearbeitet. Berichten zufolge laufen bereits Test mit einem Kandidaten in den USA und auch in China sollen erste Studien bald starten.