Als "genesen" in Job geschickt - und doch voll Viren

Neuer Wiener Fall alarmiert:

Als "genesen" in Job geschickt - und doch voll Viren

Alarmierender Corona-Fall in Wien: Eine Haushalthilfe war infiziert und krank im Spital, dann 14 Tage in Quarantäne. Als "genesen" sollte sie wieder arbeiten - obwohl sie weiter infiziert war.

"Wir können noch immer nicht fassen, dass dies in Österreich möglich ist: Unsere Haushaltshilfe, die nach ihrer Coronavirus-Erkrankung ja als ,genesen' galt, hätte jetzt die ganze Familie, darunter auch die Kinder und auch meine 79-jährige Schwiegermutter, die bei uns im Haus lebt, infizieren können", schildert der bekannte Wiener Top-Anwalt Dietmar Heck gegenüber oe24 einen Fall, der nachdenklich macht: Die per Werkvertrag angestellte 45-jährige Haushaltshilfe der Familie ist vor wenigen Wochen nach typischen Symptomen einer Coronavirus-Infektion ins Spital eingliefert worden.

Kein Test, weil ohnehin "genesen"

Nach mehrerern Tagen Spitalsbehandlung hätte sich die Patientin wieder besser gefühlt, sie wurde in Heimquarantäne geschickt und durfte nach Hause. Dietmar Heck: "Nach 14 Tagen in Quarantäne wollte unsere Haushaltshilfe dann wieder bei uns zu arbeiten beginnen, sie sei als ,genesen' eingestuft, alles wäre ok." Der Wiener Star-Anwalt wollte aber ganz sicher gehen, sie sollte noch einen Test machen: "Aber der Test wurde von den Gesundheitsbehörden verweigert - sie hätte ja keine auffälligen Symptome . . ."

Heck finanzierte dann selbst einen Test bei einem darauf spezialisierten Mediziner: "Und dieser Test zeigte, dass unsere Haushaltshilfe nach wie vor Corona-positiv war. Wir hätten uns alle anstecken können. Für meine 79-jährige Schwiegermutter hätte das tragisch enden können." Der Anwalt kritisiert auch, dass es offenbar den offiziellen Stellen "ziemlich egal" sei, ob all jene, die aus dem Spital oder von der Heimquarantäne zurück in ihre Jobs kommen, dann weitere Mitmenschen anstecken könnten.

© APA/ Punz

Oe24 konfrontierte mit diesem Fall die Stadt Wien. Ein Sprecher des medizinischen Krisenstabs erklärte dazu: "In Wien werden lediglich die Vorgaben des Bundes vollzogen. Man muss eben bestimmte Symptome vorweisen, um getestet zu werden, das ist bundesweit einheitlich geregelt. Die aktuell verwendeten Tests sind nicht geeignet für flächendeckende Testungen. Sie können nur bestehende Verdachtsfälle bestätigen, aber eine Infektion nicht generell ausschließen." Und geeignete Antikörper-Tests gebe es derzeit nicht, die Fehlerquote wäre noch immer "zu hoch".

Mit dem Risiko, dass offiziell "genesene" Coronavirus-Patienten zurück am Arbeitsplatz oder wieder in einem engen Kontakt mit den Angehörigen weiterhin Coronaviren streuen, müssten wir also noch länger leben. Auch die Eltern von Schülern, die jetzt ihre Kinder in die Obhut von Pädagogen geben, wissen gar nicht, ob diese Lehrer  vielleicht in den Vorwochen erkrankt waren.

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