Gefährlicher Trend

Sexting-Boom bei WhatsApp

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Heimische Jugendliche verschicken immer mehr freizügige Fotos.

Sexting - also das Verschicken und Tauschen von eigenen Nacktaufnahmen über Internet oder Handy - ist zwar kein völlig neues Phänomen, sorgt derzeit aber einmal mehr für Schlagzeilen. Grund dafür ist eine aktuelle Studie der Initiative Saferinternet.at, die zeigt, dass dieser gefährliche Trend bei vielen heimischen Jugendlichen nicht mehr wegzudenken ist. Laut der am Donnerstag veröffentlichten Studie „Sexting in der Lebenswelt von Jugendlichen“ hat ein Drittel der 14- bis18-jährigen österreichischen Jugendlichen hat demnach schon einmal Aufnahmen erhalten, in denen die Absender nackt zu sehen sind.

VIDEO: Tipps- was kann ich tun, nachdem Sexting nach hinten los ging?

Im Alltag angekommen
Die Ergebnisse zeigen sehr deutlich, dass Sexting eine häufige Facette des Beziehungs- und Sexuallebens von Jugendlichen geworden ist: 51 Prozent der Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren kennen jemanden, der oder die schon einmal Nacktaufnahmen von sich selbst an andere geschickt hat. Ein Drittel (33 %) hat selbst schon Fotos oder Videos erhalten, auf denen die oder der Abgebildete fast nackt oder nackt zu sehen ist. 16 Prozent der Jugendlichen gaben an, schon einmal Nacktaufnahmen von sich selbst erstellt und diese dann meistens auch verschickt zu haben. 

>>>Nachlesen: "Sexting": Gefährlicher WhatsApp-Trend

Die weite Verbreitung von Sexting im Alltag zeigt sich auch daran, dass es 31 Prozent als „normal“ empfinden, ihren Partner/innen Nacktaufnahmen zu schicken. Jeder Zehnte (9 %) sagt auch, dass es „normal“ sei, von der besten Freundin oder vom besten Freund Nacktaufnahmen zu kennen.

Jugendliche erhalten erotische Fotos und Videos vor allem von Freunden (31 %), Personen, die flirten möchten (27 %), dem Partner bzw. der Partnerin (24 %), unbekannten Personen (24 %), Ex-Partnern bzw. Ex-Partnerinnen (23 %) sowie Personen, mit denen sie ein Verhältnis hatten (14 %).

Übersichtsgrafik


Grafik: (c) Saferinternet.at

Verschiedene Gründe
Die Motive für Sexting sind vielfältig. Barbara Buchegger, pädagogische Leiterin von Saferinternet.at: „Einerseits geht es um Beziehungspflege und das Zuschicken von Nacktaufnahmen als Liebesbeweis. Andererseits ist Sexting auch Teil des Flirtens, des Kennenlernens und dient natürlich dem sexuellen Anregen. Außerdem ist Sexting häufig auch ein Mittel zur Selbstdarstellung im sozialen Umfeld.“

Mit Abstand die wichtigste Anwendung für Sexting ist derzeit die mobile Messenger-App „WhatsApp“. Auch Facebook, Skype, Snapchat, E-Mail oder Kik spielen bei der Verbreitung von Nacktaufnahmen eine wichtige Rolle.

>>>Nachlesen: Nacktfotos: Haft wegen WhatsApp

Probleme mit Sexting
Mit der Zunahme von Sexting im Leben von Jugendlichen steigt auch die Anzahl der Probleme. Knapp die Hälfte aller Jugendlichen (46 %) kennen jemanden, die oder der schon einmal Probleme mit Sexting hatte. Sexting geht zwar in den meisten Fällen gut, wenn aber etwas passiert, dann ist das oft mit sehr unangenehmen Erfahrungen für die Betroffenen verbunden. Die häufigsten Folgen im Bekanntenkreis der Befragten: Die Aufnahmen wurden im Freundeskreis verbreitet (81 %), die Abgebildeten wurden verspottet (55 %), die Aufnahmen wurden öffentlich gemacht (49 %), die Aufnahmen wurden Eltern oder Lehrenden gezeigt (21 %) sowie Erpressung (14 %).

Barbara Buchegger: „Safer Sexting gibt es nicht. Gleichzeitig ist Sexting Teil einer selbstbestimmten Sexualität geworden. Deshalb ist es umso wichtiger, über die Risiken aufzuklären und Tipps zur Minimierung von Risiken zu geben.“

Aufklärungsbedarf sehen auch die Jugendlichen selbst: 79 Prozent der Befragten finden es wichtig, dass junge Menschen über Sexting ausreichend informiert werden. Dafür sehen sie vor allem die Schule und die Eltern in der Pflicht. Bei konkreten Schwierigkeiten sind Beratungsstellen (57 %), Freunde (55 %) und Eltern (54 %) die ersten Ansprechpartner.

Durch die derzeit geltenden rechtlichen Bestimmungen im Kampf gegen Kinderpornografie kann „Sexting“ zu einer Kriminalisierung von Jugendlichen führen.

>>>Nachlesen: Achtung: WhatsApp zeigt private Fotos an

Hilfestellung
Saferinternet.at stellt mit Unterstützung des Jugendministeriums den neu aufgelegten Elternratgeber „Sexualität und Internet“ (pdf, 415 KB) sowie den Flyer „Sexting“ (pdf, 839 KB) vor. Auf www.saferinternet.at finden sich umfassende Informationen zum Thema „Sexualität & Internet“.

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