Mark Zuckerberg

50 Mio. Profile verkauft

So gefährlich ist Facebook

Firmen steigen aus, Jugend bricht weg, Justiz ermittelt: ­Facebook außer Kontrolle. ÖSTERREICH-Serie zum Skandal.

463 Milliarden Dollar (375 Mrd. Euro) ist Facebook an der Börse wert. Aber: Besitz hat die Datenkrake keinen. Das Einzige, worüber Milliardär und Konzernchef Mark Zuckerberg (33) verfügt, sind Fotos, Videos, Infos, ein Daten-Schatz: 2,1 Milliarden Menschen nützen Facebook weltweit, 3,7 Millionen davon in Österreich. Und: Eine Milliarde schicken WhatsApp-Nachrichten, 400 Mio. sind auf Instagram. Beides gehört Facebook. „Datenklau, Fake News, Wahlbetrug, Machtmissbrauch“, stellt das Magazin Spiegel dem Konzern ein vernichtendes Zeugnis aus, warnt: Das Netzwerk sei längst zu einer Gefahr für die Demokratie geworden. Weltweit. Die Plattform des Guten wurde vom Bösen gekapert, ohne jede Kontrolle können Falschinformation ausgebreitet, Daten geklaut werden.

Wut-Poster. Politiker, Wissenschaftler, Pop- und Sportstars wenden sich ab. Ein Feuersturm der Entrüstung brach los, seit klar ist, dass die Londoner Politik-Beratungsfirma Cambridge Analytica Daten von 50 Mio. FB-Nutzern im US-Wahlkampf für Trump missbraucht hat (siehe unten).

  • Facebook verlor 60 Milliarden an Wert. Der US-Verbraucherschutz ermittelt.
  • Auch EU-Justizkommissarin Vera Jourova will eine harte Gangart, fordert von Zuckerberg Klarheit darüber, inwieweit Nutzer in Europa betroffen sind. Die deutsche Justizministerin lud Facebook-Verantwortliche nach Berlin.
  • Die Commerzbank stornierte Werbeanzeigen, der Elektroauto-Riese Tesla legte seine Seiten still. Facebook-Anwender werden zum Massenausstieg aufgerufen.

Anwälte bereiten Sammelklagen gegen Facebook vor

Milliardär Zuckerberg trat inzwischen zur Entschuldigungstour an: Sonntag ließ er in britischen Zeitungen Anzeigen schalten. Darin gesteht er, dass es Vertrauensbruch gegeben hat: „Wir haben die Verantwortung, Ihre Daten zu schützen“, schrieb der 33-Jährige. Eine Entschuldigung reicht aber nicht: Die Justiz ermittelt, Anwälte bereiten Sammelklagen vor. Die kalifornische Senatorin Dianne Feinstein droht Facebook: „Ihr müsst gegen den Datenmissbrauch etwas tun. Oder wir tun es.“ Karl Wendl

50 Millionen Daten geklaut

Die britische ­Analysefirma Cambridge Analytica hat Daten von rund 50 Millionen Facebook-Nutzern illegal eingesetzt, um US-Präsident ­Donald Trump im Wahlkampf zu unterstützen. In der Nacht zum Samstag wurden die Büros der Firma in einer Großrazzia durchsucht, Chef Alexander Nix verhört. Gesammelt hat die Daten der App-Entwickler Alexsander Kogan, der für Facebook die App thisisyourdigitallife erfunden hat. Die App war eine Art Persönlichkeitsquiz, analysierte die Profile der Nutzer, ihre Likes und ihr Surfverhalten. So wurden Daten von 50 Millionen Nutzern gesammelt, die vom Trump-Wahlkampfteam eingesetzt wurden.



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