Jackie Stewart im Wiener Gartenbaukino

51. Viennale

Jackie Stewart im Wiener Gartenbaukino

Schotte war Wiederaufführung von Polanskis "Weekend of a Champion" dabei.

Ein frenetisches Publikum, zig Autogrammjäger und Fans, die ihrem Idol an den Lippen hängen: Wenn mit Sir Jackie Stewart eine Ikone des Motorsports die Viennale beehrt, versprüht das Gartenbaukino plötzlich einen Hauch von Boxengassen-Charme. Die schottische Rennfahrerlegende wohnte am 28. Oktober beim Wiener Filmfestival der Wiederaufführung des Films "Weekend of a Champion" bei, der Stewart an einem Rennwochenende 1971 in Monte Carlo hautnah begleitet. Einst bei der Berlinale als beste Doku ausgezeichnet, wurde die restaurierte Fassung von Produzent und Co-Protagonist Roman Polanski um ein aktuelles Interview mit Stewart in Monaco erweitert und heuer bereits in Cannes ausgiebig gefeiert.

Stewart unter der Lupe
Regisseur Frank Simon folgte Stewart damals auf Schritt und Tritt, im Hotelzimmer filmte er den dreifachen Formel-1-Weltmeister sogar in der Unterhose, wie er Polanski auf dem Frühstückstisch die richtige Einfahrt in eine Kurve erklärte. Das Wetter spielte damals verrückt, doch auch der Regen in der Vorbereitung und schließlich das Nieseln am Ende des Rennens verhinderten den souveränen Sieg des leidenschaftlichen Piloten nicht. "Weekend of a Champion" ist nicht nur ein großartiges Zeitdokument, sondern vermittelt einen tiefen Einblick in einen Sport, in dem es damals regelmäßig Todesopfer zu beklagen gab und für dessen verbesserte Sicherheit sich nicht zuletzt Sir Jackie als Fahrer und später Funktionär einsetzte.


Ex-Rennfahrer blickte zurück
Natürlich hatte Stewart im Gartenbaukino dann beim anschließenden Bühnengespräch auch jede Menge Anekdoten zu erzählen - von Graham Hill, der seinen Kollegen im belgischen Spa einst aus dem Unfallauto zog und ihn am Heuwagen aus der feuerheißen Kleidung schälte ("darin hatte er viel Übung"), über seine Freundschaft mit der verunglückten österreichischen Fahrerlegende Jochen Rindt bis hin zu der Tatsache, dass er einst quasi aus Versehen die Champagnerdusche für den Grand-Prix-Sieger erfunden hat. Viel Lob hatte Stewart auf eine Frage aus dem Publikum hin für den deutschen Champion Sebastian Vettel übrig: Auch wenn die Autos und die Technik heute besser seien, sei Vettel in der Tat ein außergewöhnlicher Fahrer.

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