170 Jahre hat es gedauert, bis Giuseppe Verdis Frühwerk "I due Foscari" erstmals in Wien szenisch zu erleben war. Am 15. Jänner hat sich nun das Theater an der Wien getraut und dieses Leidensstück auf die Bühne gebracht - mit Placido Domingo in der Titelpartie. Am Ende stand eine solide, wenn auch nicht berückende Gesamtleistung und die Erkenntnis, dass Verdis Libretti über die Jahre besser wurden. Weitere Aufführungen finden  20., 23., 25. (an diesem Tag wird Domingo von Louis Otey ersetzt) und 27 Jänner statt.

Theater an der Wien

"I due Foscari": Domingo betörte Wien

Verdi-Frühwerk erstmals nach 170 Jahren szenisch in Wien zu erleben.

170 Jahre hat es gedauert, bis Giuseppe Verdis Frühwerk "I due Foscari" erstmals in Wien szenisch zu erleben war. Am 15. Jänner hat sich nun das Theater an der Wien getraut und dieses Leidensstück auf die Bühne gebracht - mit Placido Domingo in der Titelpartie. Am Ende stand eine solide, wenn auch nicht berückende Gesamtleistung und die Erkenntnis, dass Verdis Libretti über die Jahre besser wurden.

Domingo schwärmt von Verdi
Musikalisch ist "I due Foscari" letztlich schon ein echter Verdi. Immer wieder nehmen Stellen spätere Meisterwerke vorweg. Domingos im Vorfeld getroffener Aussage "Das gehört zu der schönsten Musik, die Verdi je geschrieben hat" kann man durchaus zustimmen. Der Hund liegt allerdings im Libretto von Francesco Maria Piave begraben, das auf einer Vorlage von Lord Byron beruht. So verrät das Libretto anders als die Musik das Frühwerk.

Die Folgen eines Dramas

Das eigentliche Drama ist schon vorüber, als der Vorhang aufgeht - zu sehen ist letztlich nur mehr die Kulmination der Konflikte. So ist der venezianische Doge Foscari gezwungen, aus Staatsräson seinen eigenen, unschuldigen Sohn zu verbannen, der daraufhin stirbt. An dem klassischen Dilemma zwischen seiner Rolle als politischer Führer und Vater zerbricht der Mann und stirbt ebenfalls. Die Welt ist ungerecht, und Eltern können daran nichts ändern, so die Moral. Der 31-jährige Verdi hatte kurz vor der Arbeit an "Foscari" Frau und Kinder verloren und war entsprechend wohl wenig lebensbejahend gestimmt. Gute zwei Stunden ostentatives Leiden am Stück tragen jedoch ohne dramaturgischen Bogen nur bedingt.

Verdis seltenes Werk als als endzeitliches Kammerspiel  
US-Regisseur Thaddeus Strassberger positioniert das Werk demnach als endzeitliches Kammerspiel in einer Einheitsbühnenwelt, die nur mehr ein Schatten ihrer selbst ist. In der berstenden Ruinenlandschaft setzen die überspitzten Renaissancekostüme von Mattie Ullrich Farbakzente, wenn die venezianischen Ratsmitglieder in grellem Rot, die Nonnen in Weiß und die Gehilfen in Schwarz gekleidet sind. Letztlich nutzt Strassberger seinen ästhetischen Rahmen aber zu wenig. Sehr vivant ist dieses Tableau nicht.

Domingo dominiert Abend
Im Sängerensemble dominierte erwartungsgemäß wieder Placido Domingo in seiner bereits vierten szenischen (Ko)-Produktion am Theater an der Wien. So sind "I due Foscari" nach Los Angeles und Valencia und jetzt Wien auch in London zu sehen. Domingos große Stunde ist die Todesstunde - ein Bravourstück für den immer noch mit charismatischer, zu allen Nuancen fähiger Stimme ausgestatteten Sänger. Als Konsequenz haben es gute, wenn auch nicht herausragende Kollegen schwer, sich gegen den Publikumsliebling zu behaupten. Die spanische Sopranistin Davinia Rodriguez hat als verzweifelte Lucrezia am Ende verrückt zu werden und ihr Kind zu ertränken - und darüber hinaus eine großen Umfang abfordernde Partie zu bewältigen. Letzteres gelang ihr über weite Strecken, obgleich ihr Timbre oftmals klingt als wie mit einem Schalldämpfer abgeregelt.

Arturo Chacon Cruz beeindruckte
Eine solide, wenn auch nicht herausragende Leistung brachte auch Arturo Chacon Cruz als an seiner Verurteilung zerbrechender Jacopo. Seine Tenor ist nicht strahlend, nicht tragend genug, um völlig für sich einzunehmen. Roberto Tagliavini hingegen beeindruckte als Antipode des Dogen mit klarem Bass. Jedem der Sänger räumte das RSO unter James Conlon, dem Musikdirektor der Los Angeles Opera, dabei das Primat ein. Conlon führte das Orchester beinahe kammermusikalisch durch die Partitur. Bei seiner Interpretation steht weniger eine mit großer Grandezza ausgestellte Italianita im Fokus als eine Zurücknahme hinter die Sänger. Aber wer will schon Leidende stören?

Info
"I Due Foscari" von Giuseppe Verdi im Theater an der Wien, Linke Wienzeile 6, 1060 Wien. Musikalische Leitung: James Conlon am Pult des RSO, Regie: Thaddeus Strassberger. Mit Placido Domingo/Francesco Foscari, Arturo Chacon-Cruz/Jacopo Foscari, Davinia Rodriguez/Lucrezia Contarini, Roberto Tagliavini/Jacopo Loredano, u.a.. Weitere Aufführungen am 18., 20., 23., 25. (an diesem Tag wird Domingo von Louis Otey ersetzt) und 27 Jänner. www.theater-wien.at

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