Theaterkritik

Handkes Absage an die Liebe

von
Jens Harzer & Dörte Lyssewski
© APA
„Die schönen Tage von Aranjuez“ hatte im Wiener Akademietheater Premiere.
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„Es gibt keine glückliche Liebe“, sagt der Mann in Peter Handkes Sommerdialog Die schönen Tage von Aranjuez. Der Titel zitiert die Eingangssätze von Schillers Don Carlos: „Die schönen Tage in Aranjuez sind nun zu Ende … Wir sind vergebens hier gewesen.“

An einem schönen Sommertag, „vielleicht dem letzten Sommertag überhaupt“, sitzen ein Mann und eine Frau, zunächst mit spanischen Halskrausen an Elisabeth und Marquis Posa gemahnend, vor einem Theatervorhang an einem Gartentisch und sprechen über die Liebe. Mit Anklängen an die Bibel, die griechische Tragödie und Tennessee Williams erinnert sich die Frau an ihren ersten Sex als Zehnjährige auf einer Schaukel unterm Apfelbaum. Er erzählt von einer Reise zur Sommerresidenz der spanischen Könige, wo er beim Haus der Landarbeiter wilde Früchte aß.

Komisch
Der große Jens Harzer, in Luc Bondys Inszenierung durch ständig neue Verkleidungen zum Teil sehr komisch, spielt den Mann: ein fiebriges, zerquältes, seltsam ruhiges, verstört in die Welt blickendes, aber gleichzeitig lauerndes, schmächtiges Wesen. Seine arhythmisch pointierte Art des Spielens und Sprechens erinnert an die Kunst von Bruno Ganz.

Seine kongeniale Partnerin ist Dörte Lyssewski in der Rolle der Frau, die ihre erotische Biografie, ihre Niederlagen, ihre Angst und Unsicherheit furios zur Darstellung bringt. – Bravos.

Die Kultur-Highlights des Jahres 2012


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© Stephan Wyckoff

Schnörkellos-leichter "Figaro" im neuen Festspielhaus Erl

Schnörkellos-leichter "Figaro" im neuen Festspielhaus ErlBot der Eröffnungsfestakt am 26. Dezember noch eine wilde Mischung aus Donizetti und Bartok, so hatte das neue Festspielhaus in Erl seine wahre Feuertaufe mit Mozarts "Le Nozze di Figaro" zu bestehen. Gustav Kuhn startete das Opernprogramm der ersten Winterfestspiele im kleinen Tiroler Dorf in seiner bewährten Doppelfunktion als Regisseur und Dirigent mit einer schnörkellosen Da Ponte-Produktion. Dabei strich der Maestro die Stärken dieses architektonischen und vor allem akustisch gelungenen neuen Festspielhauses heraus. Allgemeine Jubelsalven für Kuhn und seine vorwiegend jungen Sänger nach einem langen Mozart-Abend.

© tirolerfestspiele.at

Staatsoper: Salzburger "Ariadne auf Naxos" als Wiener Erfolg

Staatsoper: Salzburger "Ariadne auf Naxos" als Wiener Erfolg Kommt der Prophet nicht zum Berg, kommt der Berg zum Propheten: Nach der dissensbedingten Absage von Dirigent Franz Welser-Möst, der 2013 bei den Salzburger Festspielen mit Sven-Eric Bechtolf die "Cosi fan tutte" hätte inszenieren sollen, feierte am Mittwochabend (19. Dezember) die "Ariadne auf Naxos" der heurigen Festspiele in der Wiener Staatsoper ihre umjubelte Premiere - mit Welser-Möst am Pult und Sven-Eric Bechtolf als Regisseur. Vornehmlich auf sängerischer Ebene bot der begeistert aufgenommene Abend einige echte Entdeckungen.

© APA/HERBERT P. OCZERET

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