Talk zur neuen CD

Boris Blank: "Yello war nie eine demokratische Band"

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Boris Blank, der Soundtüftler von Yello ("The Race"), bringt heute sein Solo-Album "Resonance" mit dem er auch den Soundtrack für ein Schweizer Solebad (!) liefert. Das Interview: 

Heute kommt ihr neues Album "Resonance"
Boris Blank:
Ein neues Album ist immer wie die Geburt eines Kindes. Da ist man immer sehr nervös. Das ist mit ein bisschen Erfahrungswerten seit über 45 Jahren so, dass ich mich jedes Mal freue, wenn das Kind auf der Welt ist.

Seit ihrem letzten Solo-Album sind 10 Jahre vergangen. War es denn gar so eine schwere Geburt?
Blank:
Nein, eigentlich nicht, weil ich habe ja zwischendurch die Hauptstraße von Yello befahren und da gab es ja zwei Platten. Die Geschichte mit dieser LP war die, dass ich zum ersten Mal eine Auftrags-Arbeit angenommen habe. Von einem Thermalbad. Das Musik von mir wollte. Die Musik dafür zu machen war eine Herausforderung. Oder besser gesagt eine Gratwanderung zwischen dem Oszilieren von Pitch und Esoterik. Denn da wollte ich auf keinem Fall landen. Es musste schon die DNA von Yello und von Bois Blank dabei und es sollte nicht zu trivial daher kommen. Es sollte eine Reise sein, die beruhigend wirkt und doch ein bisschen einen Anspruch reflektiert.

Boris Blank:
© Universal Music
× Boris Blank:

Was waren ihre ersten Gedanken als die Anfrage kam?
Blank
: Das hat mich schon rein Archäologisch fasziniert und auch der Ausflug in die meditativen sphärischen Welten die ja einen Gegensatz zu den Up-Tempo-Nummern von Yello liefern.

Im Mittelpunkt steht das Wasser…

Blank:  Ich beschäftige mich schon mein ganzes Leben mit Wasser. Ich bin ein Schwimmer. Wasser ist die Materie, wo ich mich am wohlsten fühle. Ich mache auch sehr viel Sauna und Dampfbäder. Ich gehe vier Mal die Woche einen Kilometer schwimmen. Somit bin ich vertraut mit diesen Umständen. Das ist eine Welt die in allen Facetten - auch visuell - an dieser Solebad-Decke projiziert wurde. Eine auf drei Minute reduzierte Dramaturgie wurde auch von der Nasa für das James Webb Space Telescope angefragt. Nur leider dann doch nicht verwendet. Ich habe aber jetzt naiverweise selbst ein Video dazu gemacht, wie das denn gewesen sein könnte.

Würde Sie das reizen: Musik für den Weltraum?
Blank:
Auf jeden Fall. Auch für James Bond. Der Weltraum fasziniert die Menschheit ja schon seit den alten Ägyptern. Heute weiß man, dass der Urknall vor 13,8 Milliarden Jahren und 3 Monaten genau stattgefunden hat und natürlich wüsste ich gerne was vor dem Urknall war. Das Universum ist ja etwas unglaublich Faszinierendes und Spezielles für den Homo Sapiens.

Sie beschreiben diese Musik als „Rückkehr zum inneren Frieden“
Blank:
Mit dem Alter wird man ein bisschen milder und kann besser mit der Zeit umgehen. Man kommt ein bisschen in sich und denkt über das Leben nach und den Abgang natürlich auch. Es war für mich auch eine Erholungsphase in diese Sounds und diese Sphären einzutauchen. Mich in diesen Klangbildern zu verlieren. Das hat mir sehr gutgetan.

Boris Blank:
© Universal Music
× Boris Blank:

Ist Instrumental-Musik schwieriger zu machen, weil ja der Text „fehlt“?
Blank:
Einfacher, wie das ja seit über 40 Jahre so mache. Auch bei Yello. Das war ja nie eine demokratische Band, wo man sich gegenseitig über Bass-Läufe, Bridges oder Verse austauscht. Da war zuerst immer die Musik, die ich fertig gestellt hatte und Dieter hat dann dazu Texte und einen Protagonisten erfunden. Und das letztendlich mit seiner sonoren Stimme, die einen hohen Wiedererkennungswert hat, gesungen. Das war immer der Prozess. Somit ist auch diese Platte wie eine Yello-Platte nur ohne Gesang.

Könnte Dieter Meier nicht doch noch den Gesang dazu liefern?
Blank:
Ich würde jetzt nicht explizit genau dieses Album nehmen, aber es gibt auf meinen Computer noch etwa 80 andere Stücke die da brach liegen. Die als nächstes wieder zurück auf die Hauptstraße Yello führen. Das wird es sicher geben, dass sich Dieter da ran setzt und somit neue Yello-Songs entstehen.

Boris Blank:
© zeidler
× Boris Blank:

Aber dafür gibt’s wohl keinen Stress?
Blank:
Nein den haben wir nicht. Zum Glück. Wir wurden auch nie von einer Schallplattenfirma unter Druck gesetzt und mussten auch nie in eine Schublade passen. Wir konnten immer die Musik machen, die wir machen wollten.

Verwundert, dass man 46 Jahre nach dem Start von Yello noch immer Musik macht?
Blank:
Natürlich wundert man sich (lacht). Wenn mir damals 1978 jemand gesagt hätte „Boris du wirst 2024 noch immer Musik machen“ dann hätte mich das etwas beängstigt. Aber jetzt, wo das der Fall ist, bin ich überglücklich, dass es nach wie vor so ist.

Kann man das auch live umsetzen?
Blank:
Wenn man das jetzt spontan und auf die schnelle machen müsste, dann würde ich mit einem Laptop auf die Bühne gehen und mit dem Kopf ein bisschen wackeln, damit das live wäre. Aber ich glaube, dass müsste man wirklich wie bei Yello mit großer Band umsetzen. Und das wäre ein großer Aufwand.

Im Schweizer Solebad kann man das aber jederzeit hören
Blank:
Ja. Nimm die Badehose mit und komm vorbei.

Wenn jetzt ein Solebad aus Österreich an Sie herantritt.
Blank:
Das wäre dann eine Verhandlungsbasis mit der Stiftung dieses Schweizer Bades. Denn ich habe dafür die Rechte abgegeben: Ich darf das für andere Zwecke verwenden, aber auf keinen Fall für ein weiteres Bad.

Sind Sie offen für weitere Auftragsarbeiten?
Blank:
Bislang ist da noch nichts bei mir eingelangt. Es wäre aber schön, wenn meine Musik auch für andere Projekte wie Filme gebraucht würde. Das steht offen und ich denke gerade diese Musik emotionalisiert Bilder. So wie ja die Songs von Yello immer wieder in Hollywood-Filmen gebraucht wurden, kann das nun auch für das eine oder andere dieser Stück passieren.

Wird Musik-machen für Sie mit der Zeit eigentlich einfacher?
Blank:
Ich arbeite ja nicht wie ein professioneller Musiker der Noten lesen kann oder Partituren schreiben. Ich mache musikalische Stimmungsbilder. Ich habe auf meinem Computer tausende Order voll von Versatzstücken. Von Mustern. Von Klängen. Von Sounds. Die ich sammle. Ich bin noch heute Jäger und Sammler was eben Sounds betrifft. Ich weiß genau welche Stimmung in welchen Ordnern liegt und da arbeite ich tatsächlich wie ein Maler, der eine Farbpalette vor sich hat. Ich fange mit einer leeren Leinwand an und setze die ersten Elemente ein. Bis sich ein Umriss zeichnet, an den ich mich dann halte und am Schluss bin ich immer selbst ganz überrascht was da entsteht. Natürlich habe ich gewisse Tempi und Ideen, aber ich lasse mich immer wieder von meinen eigenen Farbtupfen überraschen.

Jäger und Sammler? Wie kann man sich das vorstellen?
Blank:
Ich habe eine riesige Sammlung. Eine Bibliothek. Vieles davon habe ich damals noch mit dem Mikrofon auf der Straße aufgenommen. Und diese Klänge werden nun zum Teil neu verarbeitet. Mit den neuesten technischen Möglichkeiten.


Was bedeutet ihr Solo-Album nun für Yello?
Blank:
Zu einem, dass man sieht, dass der eine Teil, der zuständig für die Musik ist, noch immer am Leben ist (lacht). Und zum anderen, dass auch Yello noch lebt. Ich höre auf YouTube oder Facebook ja immer noch: „Wow, Yellow macht diese geile Musik!“ und ich identifiziere mich natürlich auch damit. Zum vollständigen Gesicht gehört aber natürlich auch Dieter dazu!

Gibt es die Chance, dass man Yello noch einmal live auf der Bühne sieht?
Blank:
Das ist eine Frage, die ich im Moment nicht beantworten kann. Wir haben mal vereinbart, dass wir zum 90. Geburtstag in Las Vegas eine Zwei-Tages-Show machen, aber wir wissen noch nicht, ob das stattfindet (lacht). Das ist natürlich ein Witz! Aber wer weiß: vielleicht gibt es das ja wirklich noch ein Mal.
  

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