Der 
heiße Sex der Nina Proll

Interview

Der 
heiße Sex der Nina Proll

Keine ist so wandelbar und zeigt sich so sexy wie Nina Proll.

Dieses Stück liegt ihr im Blut: 
Als erotisches Showgirl Sally Bowles steht Nina Proll (41) ab 18. April auf der Musical-Bühne. Es ist für sie auch eine Reise in die eigene Vergangenheit: Denn schon vor 1996 – vor beinahe 20 Jahren – schlüpfte Proll in diese Rolle. „Die Angst vor einem Blackout ist über die Jahre größer geworden“, gesteht die Schauspielerin im Interview mit ÖSTERREICH am SONNTAG ein. Doch der Thrill, das Adrenalin, das Glücksgefühl, auf der Bühne zu stehen, wiege alles auf und sei mit der Arbeit bei Fernsehdrehs nicht zu vergleichen.

Höhepunkt
Die große ­Popularität verdankt Proll allerdings derzeit nicht zuletzt ihrer Darstellung der sexy Nicoletta in den Vorstadtweibern. Der Dreh für die zweite Staffel ist bereits voll angelaufen. Wie sich Proll als „Nico“ weiterentwickeln will, und wie sie den Stressjob und ihr Privatleben, das von ihren beiden Kindern Anatol (4) und Leopold (6) bestimmt ist, managt, erzählt sie im Interview. Und sie erklärt, warum ihre Ehe mit Schauspielkollegen Gregor Bloéb sich für sie auch im verflixten siebenten Jahr noch anfühlt wie im siebenten Himmel …

ÖSTERREICH: Vom Fernsehen auf die Musical-Bühne. Was fasziniert an der Live-Performance?
Nina Proll: Auf der Bühne muss man mehr können. Beim Film reicht es oft, wenn man natürlich ist. Auf der Bühne sieht man gleich, ob ein Schauspieler sein Handwerk beherrscht. Ob er laut genug und präsent genug ist, einen ganzen Raum zu füllen. Und beim Musical kommt noch das Singen und Tanzen dazu. Dafür, wenn es gelingt, ist das Glücksgefühl und Adrenalin 100 Mal stärker, als das, wenn man von einem guten Drehtag nach Hause fährt.

ÖSTERREICH: Nie Angst vor einem Blackout auf der Bühne?
Proll: Doch, ständig. Es wird mit dem Alter immer schlimmer.

ÖSTERREICH: In „Cabaret“ spielen Sie den sexy Star Sally Bowles. Was reizt Sie an dieser Rolle?
Proll: Sally Bowles ist eine leidenschaftliche, narzisstische Person, die ständig Aufmerksamkeit braucht und davon träumt, Karriere zu machen – selbst unter den Nazis. Tief in ihrem Inneren ist sie aber sehr unsicher, hat Angst vor Nähe und ist eigentlich beziehungsun­fähig. Diesen scheinbaren Gegensatz darzustellen ist natürlich interessant, weil er eine große Tragik be­inhaltet – abgesehen von den tollen Musiknummern: Mein Herr, Maybe This Time, Cabaret etc.

ÖSTERREICH: Sie zählen zu den „most sexy Stars“ des ­Landes. Wie geht man damit um? Was ist gut dran, als Sexsymbol zu gelten?
Proll: Ich glaube, Sophia Loren hat mal gesagt: Sex-Appeal besteht zu 50  % aus dem, was du hast, und zu 50 % aus dem, was die Leute glauben, dass du hast. Dem kann ich mich nur anschließen. Natürlich steigert es den Marktwert, warum soll ich also den Leuten die Augen öffnen? (Lacht.)

ÖSTERREICH: Wie trainiert man sich so fit – wie hart ist das auch?
Proll: Ich würde sagen, ich mache mindestens jeden zweiten Tag irgendeine Art von Sport, also Laufen, Yoga, Schwimmen, Ballett oder Krafttraining – wonach mir gerade ist. Ich versuche, es möglichst abwechslungsreich zu gestalten.

ÖSTERREICH: Welche Tipps geben Sie Frauen, damit man annähernd einen Body wie Sie bekommt?
Proll: Viel zu Fuß gehen oder mit dem Rad fahren – nicht mit dem Auto. Und Kinder kriegen: Wenn man zwei Kinder hat, ist man einfach jeden Tag von halb 7 in der Früh bis mindestens 10 Uhr abends auf den Beinen. Man verbrennt einfach viel mehr, als wenn man als Single gemütlich in den Tag hinein schlendert.

ÖSTERREICH: Was war für Sie persönlich beruflich eigentlich bisher Ihr größter Erfolg?
Proll: Der Film Nordrand.

ÖSTERREICH: Aber Ihre Popularität ist nun durch die „Vorstadtweiber“ auf einem neuen Höhepunkt …
Proll: Ich hoffe nicht. Ich hoffe, da ist noch was drin! (Lacht.)

ÖSTERREICH: Wie möchten Sie, dass sich diese „Vorstadtweiber“-Rolle in der zweiten Staffel weiterentwickelt?
Proll: Ich habe unserem wunderbaren Drehbuchautor Uli Brée gesagt, ich hätte gerne, dass Nico in der zweiten Staffel Designerin wird und sich einen gut aussehenden Werbeagenten angelt, an dessen Seite sie dann ­Modeschauen veranstaltet. Aber er hat sich etwas noch viel Besseres einfallen lassen. Das darf ich aber leider nicht verraten.

ÖSTERREICH: Was halten Sie von Frauen, die leben wie die „Vorstadtweiber“?
Proll: In jedem von uns steckt etwas von einem Vorstadtweib. Jeder ist doch schon einmal betrogen oder verlassen worden oder hat jemanden betrogen oder verlassen. Jede war schon mal die Geliebte von irgendwem oder wäre es zumindest gerne gewesen. Natürlich ist manches überhöht und verdichtet, aber was mir gefällt, ist, dass jede einzelne von unseren Figuren um ihr Glück kämpft. Keine gibt auf und wird passiv. Alle stellen sich zum ersten Mal den ganz großen Fragen: Ist das das Leben, von dem ich geträumt habe? Was will ich eigentlich? Und wer verdammt noch mal bin ich?

ÖSTERREICH: Wie schwer ist es, den großen Erfolg, wie Sie ihn nun schon so lange haben, zu halten?
Proll: Ich weiß nicht. Ich versuche nicht, irgendetwas zu halten. Ich versuche, bei jedem Job mein Bestes zu geben, und hoffe, dass das genügt. Ab einem gewissen Moment wird man sowieso nicht für die Leistungen beurteilt, die man bringt, sondern für seine Entscheidungen, welche Projekte man überhaupt annimmt.

ÖSTERREICH: Sie sind mit dem ebenso erfolgreichen Gregor Bloéb verheiratet. Was ist denn das Geheimnis, dass Ihre Liebe so gut funktioniert? Immerhin scheitern so viele Promi-Ehen …
Proll: Es ist auch für mich ein Geheimnis. Ich vermute, wir mögen uns wirklich gerne, abgesehen von Liebe, Sex und was sonst noch dazugehört. Wir muten uns einander zu, im Positiven wie im Negativen, jeder gibt sich zu erkennen, so wie er ist, ohne den anderen zu schonen.

ÖSTERREICH: Was finden Sie an Ihrem Partner sexy, und was er an Ihnen? Er hat mal gesagt: Alles …
Proll: Dann muss ich jetzt wohl auch „Alles“ sagen, sonst hängt der Haussegen schief (lacht). Nein, im Ernst, was mir besonders an ihm gefällt, ist seine Selbstsicherheit und Souveränität. Es gibt nichts, wovor er Angst hat oder was ihm peinlich wäre. Er findet sich selbst einfach grundsätzlich gut, und das finde ich wiederum unwiderstehlich.

ÖSTERREICH: Wie schaffen 
Sie es eigentlich, beruflich so erfolgreich, engagiert und begehrt zu sein und gleichzeitig auch noch Mutter? Wie geht sich das alles aus?
Proll: Es geht sich eh nicht immer aus. Manchmal kommt der Beruf zu kurz, manchmal die Kinder, manchmal ich. Und manchmal sogar – Gott bewahre – mein Mann (lacht). Es ist oft nervenaufreibend, alles benötigt eine große Logistik. Wir haben sicher einmal im Monat eine Sitzung mit unserem Au-pair-Mädchen, wo wir alles besprechen und einen Plan machen – der dann natürlich sofort wieder umfällt, weil sich etwas geändert hat. Aber es gibt immer einen Plan B.

ÖSTERREICH: Wie viel Zeit bleibt da für Sie persönlich?
Proll: Für mich allein bleibt eigentlich nur Zeit, wenn ich im Zug sitze. Und meistens schlafe ich dann …