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Kurze Wege

Die 15-Minuten-Stadt

Wenn Supermarkt, Arbeitsplatz, Kindergarten, Arzt und Park in weniger als einer Viertelstunde zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichbar sind, bleibt mehr Zeit und Raum fürs echte Leben. Wie Stadtplaner diesem Ziel näherkommen wollen.

Noch vor hundert Jahren war es nicht außergewöhnlich, dass beinahe alle Grundbedürfnisse zu Fuß oder per Fahrrad gedeckt werden konnten. In der Stadt genauso wie auf dem Land. Viele kleine Geschäfte versorgten die Menschen in jedem Grätzl mit Lebensmitteln, Kleidung und Heizmaterial. In jeder Straße lebten und arbeiteten mehrere Handwerker und andere kleine Dienstleister. Und auch zu Schule und Hausarzt war es nicht weit. Auf das Auto war damals noch niemand angewiesen, auch weil kaum jemand ein Auto besaß.

Wenn sich alles ums Auto dreht

Das ist heute natürlich anders. Kleine Geschäfte sind den Einkaufszentren an der Peripherie gewichen, Arbeitsplätze gibt es nur noch selten im direkten Umfeld. Stattdessen fährt man – öffentlich oder mit dem Auto – zu großen Bürokomplexen oder Industriebetrieben außerhalb der Stadt. Die Wege zwischen Wohnung, Arbeit und Freizeitgestaltung sind weiter geworden und das Auto ist für viele Menschen Transportmittel Nummer Eins – für manche sogar das einzige. 
Diese Entwicklung lässt sich nicht radikal umkehren, doch sie lässt sich abmildern: Die Stadt der kurzen Wege, oder „15-Minuten-Stadt”, ist eine Vision, die vor rund zehn Jahren als Gegenbewegung entstanden ist. Städteplaner achten seither zunehmend darauf, die verschiedenen Lebensbereiche wieder näher zusammenzubringen.

Ein Stadtteil der kurzen Wege in Wien

Ein aktuelles Beispiel ist die Seestadt Aspern in Wien, wo nicht nur neuer Wohnraum für 25.000 Menschen entsteht, sondern auch 600 Unternehmen ihren Standort haben sollen. Hier haben die Planer von Anfang an allen wichtigen Bereichen Raum gegeben: Geschäfte, Supermärkte, Restaurants und Cafés sind einfach zu Fuß zu erreichen. Genauso wie die zwei Bildungszentren und mehrere zusätzliche Kindergärten und Schulen. Im Endausbau sollen in der Seestadt bis zu 20.000 Arbeitsplätze entstehen. Herzstück dieses neuen Stadtviertels ist der Asperner See, zu dem man natürlich auch zu Fuß spazieren kann und der neben mehreren Parks viel Raum für Naherholung bietet. 

Die 15-Minuten-Stadt
© Gettyimages
Die Stadt in der Stadt: In der Seestadt Aspern wird das "15-Minuten-Stadt"-Konzept schon gelebt.

Attraktive Fuß- und Radwege

Es muss aber nicht gleich ein völlig neues Stadtviertel sein. Auch in bestehenden Straßenzügen lässt sich einiges tun, um den Aufenthalt hier wieder angenehmer zu machen und Leben ins Grau zu bringen. So werden Fuß- und Radwege ausgebaut und attraktiver gestaltet. Mehrspurige Straßen werden verkleinert und teilweise begrünt, um das Zufußgehen zu fördern. Das bringt auch dem Einzelhandel Vorteile. Denn Autos fahren nur vorbei, doch wer zu Fuß geht, macht auch gerne einmal einen Abstecher ins nächste Geschäft.

Das 15-Minuten-Dorf

Sogar in ländlichen Gemeinden lässt sich das Prinzip der kurzen Wege zumindest teilweise umsetzen: Während in vielen Regionen Supermärkte und Einkaufszentren am Ortsrand liegen und daher nur mit dem Auto zu erreichen sind, kann im Kärntner St. Paul im Lavanttal beinahe der gesamte tägliche Bedarf gedeckt werden. Kindergarten, Schulen, Apotheke, Ärzte, Gasthaus, Supermärkte, Bekleidungsgeschäft und Kaffeehaus sind innerhalb des Ortskerns in 15 Minuten zu Fuß zu erreichen. Für die 3.200 Bewohner bedeutet das echte Lebensqualität!
 

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