Sportfreunde Stiller sind wieder da

Neues Album

Sportfreunde Stiller sind wieder da

Bayerisches Trio meldet sich mit "New York, Rio, Rosenheim" zurück.

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel: Die Sportfreunde Stiller sind aus ihrer freiwillig gewählten Musikpause zurückgekehrt und warten am 24. Mai mit dem neuen Album "New York, Rio, Rosenheim" auf. Fußballvergleiche bieten sich für das bayerische Trio zwar immer an, sind bei Platte Nummer Sieben allerdings schwieriger zu exerzieren, ist der (ballestrische) Spaß angesichts der Krisenstimmung doch mitunter gesellschaftskritischen Noten gewichen. "Man wird den ganzen Tag nur mit negativer Scheiße bombardiert", meint Bassist Rüdiger Linhof. "Ich brauche aber einen positiven Blickwinkel, um einen Sinn in meinem Tun zu sehen."

Um ein Aufbäumen dreht sich folglich auch der Titelsong, wie er im APA-Interview erklärt. "Die Energie der Menschen geht verloren, vertrocknet. In dem Lied geht es darum, dass diejenigen, die an etwas Positives glauben, sich stellvertretend in New York, Rio und Rosenheim lautstark zu Wort melden. Um mit einem kollektiven Yeah den anderen für ein paar Sekunden das Maul zu stopfen." Dass sich für derartige Vorhaben Sportfreunde-Songs bestens eignen, weiß man nicht erst seit stadiontauglichen Krachern wie "Ich, Roque".

Wobei Stücke wie "Unter unten", "Hymne auf dich" oder die erste Single "Applaus, Applaus" das bekannte Rezept aus Rockgitarren, Flo Webers knackigem Schlagzeugspiel und Peter Bruggers verspielt-humoristischen Texten nur bedingt erweitern. Vielmehr wurden Details verfeinert, einige Schrauben weitergedreht und der Trainingsjacken-Touch vermindert. "Das Unplugged-Album hat uns sicherlich beeinflusst", resümiert Weber. "Da haben wir gelernt, wie klassische Musiker funktionieren und was mit Streicher-, Klavier-oder Bläsersätzen möglich ist. Wir gehen jetzt sicher mehr in die Extreme."

Bestes Beispiel dafür ist etwa der Elektro-Punk-Vibe von "Let's Did It" oder das Disco-infizierte "Clowns & Helden". "Wenn Synthie, dann nicht nur ein Geplingel, sondern dann kann es richtig in die Bratpfanne gehen", grinst der Schlagzeuger. Entstanden sind die ersten Ideen und Entwürfe teils im stillen Kämmerchen, da war es laut Weber "anfangs kein gemeinsames Arbeiten". Aber spätestens im Studio fühlte man sich wie in einer Spielkiste. "Da gab es Momente, wo alle vom Tisch aufsprangen und es hieß, jeder hat fünf Minuten Zeit, die beste Hook zu finden", erinnert sich Linhof.

Mit dem Zeitpunkt des Quasi-Comebacks scheint die Gruppe jedenfalls goldrichtig zu liegen, da gerade in Deutschland deutschsprachige Musik nicht zuletzt dank Künstlern wie Casper, Kraftklub oder Cro auch wieder die Charts dominiert. "Da hat sich sehr viel getan. Es ist wunderbar, wie inzwischen mit deutschsprachigen Texten umgegangen wird, wie frei, wie locker und mit welch großem Selbstverständnis diese Sprache in der Musik neu entdeckt wird", so Linhof. "Bei uns ist es aber keine Sache des Trends. Wir mussten lange genug damit kämpfen, dass wir deutsche Texte haben."

War also alles eitel Wonne im Trainingslager? Nicht ganz, immerhin gab es unterschiedliche Ansichten, wann die Sportfreunde Stiller wieder reaktiviert werden sollten. "Wir sind drei verschiedene Charaktere, einem brennt der Arsch mehr, der andere ist etwas ruhiger veranlagt und der dritte hätte einfach gern noch ein bisschen mehr Pause gehabt", konkretisiert Weber, und Linhof ergänzt: "Drei Typen sind seit 17 Jahren irgendwie einem Plan verschrieben, einer Idee, und jeder tickt irgendwie anders. Da brennt es natürlich ab und zu. Man zofft sich halt, das ist wie ein Ehestreit", lacht der Bassist. "Das ist aber auch schön reinigend."

Bleibt nur die obligatorische Frage nach dem Sieger des diesjährigen rein deutschen Champions-League-Finales. "Hier trennt sich die Spreu vom Weizen", bezieht sich der trommelnde 1860-München-Fan Weber auf das Spiel zwischen Bayern München und Borussia Dortmund. "Ich habe als 60er-Fan im internationalen Geschäft ja eine Altersmilde erreicht, dass ich da zu den Bayern halte. Das ist jetzt aber die Qual der Wahl für mich. Ich werde wohl zum BVB helfen, glaube aber, dass es rein statistisch nicht möglich ist, dass Bayern innerhalb von vier Jahren dreimal das Finale vergeigt." Wie die Sportfreunde selbst ihre Live-Qualitäten auf den Platz respektive die Bühne bringen, davon kann man sich u.a. am Mittwoch in der (ausverkauften) Szene Wien überzeugen.

Das Gespräch führte Christoph Griessner / APA

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