So geht es den Fritzl-Opfern

10 Jahre nach Befreiung

So geht es den Fritzl-Opfern

NÖ. Vor zehn Jahren schockierte der Inzestvater von Amstetten, Josef Fritzl, die ganze Welt und das Martyrium für seine Tochter Elisabeth (damals 42) fand nach mehr als zwei Jahrzehnten endlich ein Ende.

Fritzl, der erst vor wenigen Tagen in der Justizanstalt Stein seinen 83. Geburtstag feierte, hatte seine Tochter in einem Verlies in seinem Keller 24 Jahre lang eingesperrt, sie 3.000 Mal missbraucht und sieben Kinder mit ihr gezeugt.

Befreit. Ans Tageslicht kam der Fall, nachdem Fritzl eine schwer kranke Tochter am 19. April 2008 ins Krankenhaus brachte. Eine Woche später, am 27. April, wurde das unterirdische Verlies schließlich entdeckt und der damals 73-Jährige festgenommen.

 

"Dachte nicht, dass so was überhaupt passieren kann"

Ein Polizist, der von Anfang an mit dem Fall betraut war, ist der ehemalige Kommandant der Polizeiinspektion Ulmerfeld-Hausmening, Karl Gschöpf. „Ich hätte mir nicht gedacht, dass so was überhaupt passieren kann“, sagte der mittlerweile pensionierte Beamte im Gespräch mit ÖSTERREICH (siehe Interview).

Kontakt. Der Polizist hatte Elisabeth F. und ihre Kinder nach deren Befreiung im Klinikum eineinhalb Monate lang bewacht und betreut und kümmert sich bis heute um sie. „Zu besonderen Anlässen wie Geburtstag, Weihnachten und Ostern, hören wir uns eigentlich immer“, erzählt Gschöpf.

Krank. Die Opfer, die mittlerweile in ein normales Leben führen, haben – wie auch Fritzl, der sich in „Mayrhoff“ umtaufen ließ – neue Identitäten. Laut Gschöpf geht es ihnen gut: „Ich hätte das niemals geglaubt, so erschütternd, wie die Situation damals war.“ Im Gegensatz zum Inzestvater selbst: Fritzl soll gesundheitlich angeschlagen sein und zudem Anzeichen einer Demenzerkrankung zeigen. 

 

"Alle haben mit neuer Identität in normales Leben gefunden"

Unbenannt756785858.jpg ÖSTERREICH sprach mit Ex-Polizisten Gschöpf über die Opfer

ÖSTERREICH: Herr Gschöpf, Sie stehen als ehemaliger Polizeikommandant seit zehn Jahren noch immer mit den Opfern in Kontakt?
 
Karl Gschöpf: Ja sporadisch. Einer der Söhne ruft gelegentlich bei mir an. Auch mit Elisabeth habe ich noch manchmal Kontakt. Zu besonderen Anlässen wie Geburtstag, Weihnachten oder Ostern hören wir uns aber eigentlich immer.
 
ÖSTERREICH: Wie geht es der Opfer-Familie heute?
 
Gschöpf: Der Familie geht es ganz gut. Sie hat unter neuer Identität in ein normales Leben gefunden.
 
ÖSTERREICH: Wie denken Sie im Nachhinein über den Fall?
 
Gschöpf: Es war ein einschlägiges Erlebnis und vielleicht der schlimmste und bewegendste Fall in meiner Laufbahn. Ich konnte mir so etwas gar nicht vorstellen und habe nicht geglaubt, dass es möglich ist, so was zu überstehen.
 
ÖSTERREICH: Was blieb Ihnen besonders in Erinnerung?
 
Gschöpf: Die Spaziergänge mit Elisabeth am Gelände des Klinikums. Was für uns alle selbstverständlich ist, war für sie etwas Außergewöhnliches, wie zum Beispiel das Zwitschern der Vögel zu hören. Es war wirklich sehr berührend. 
 
(kuc)
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