Bus ohne Hinterrad

Chauffeur: "Es drohte keine Gefahr"

Ein Sachverständiger spricht aber von erheblichem Unfallrisiko.

Der Lenker jenes tschechischen Reisebusses, den die Polizei diese Woche auf der Wiener Tangente mit einem fehlenden Hinterrad gestoppt hat , ist sich keiner Gefährdung bewusst. Ihm sei zwar klar, dass er gegen die Vorschriften verstoßen habe, Gefahr für die Reisenden habe aber nicht bestanden, sagte Miroslav Klos gegenüber der tschechischen Tageszeitung Mladá fronta Dnes.

Defektes Radlager ließ Reifen platzen
Auf die Frage, warum er nach dem Reifenplatzer kein Reserverad montierte, sagte Klos, dies hätte keinen Sinn gehabt: "Das Radlager war verklemmt. Dadurch hat sich das Rad erhitzt und der Reifen ist regelrecht explodiert". Deshalb wäre auch der Ersatzreifen binnen kurzer Zeit geplatzt. Das wisse er als gelernter Mechaniker, so der Buschauffeur.

Fahrgäste stimmten der Weiterfahrt zu
Den Worten des tschechischen Buslenkers nach hätten alle 74 Fahrgäste der Weiterfahrt mit nur fünf statt sechs Rädern zugestimmt. "Ich stand vor der Wahl, ob ich die Fahrgäste 10 Stunden auf einem Autobahnparkplatz auf einen Ersatzbus warten lasse, oder versuche, irgendwie nach Brünn zu kommen", so Miroslav Klos gegenüber der Mladá fronta Dnes.

Sachverständiger: "Extrem riskant"

Ein Fahrzeugsachverständiger sagte gegenüber der Zeitung, der Fahrer habe die Passagiere in dem Stockbus einem hohen Risiko ausgesetzt. Durch das fehlende Rad hätte infolge Überlastung auch der zweite rechte Reifen der hinteren Doppelachse platzen können. Dann wäre der Bus sofort unsteuerbar geworden und ein verheerender Unfall nahezu unausweichlich, sagte der Sachverständige Evžen Sperger gegenüber dem Online-Portal iDnes.cz.

3000 Euro Geldstrafe
Der Busfahrer hat von den österreichischen Behörden eine Geldstrafe von 3.000 Euro aufgebrummt bekommen. Strafrechtlich wird er laut Polizei nicht zur Verantwortung gezogen. Wie die Zeitung Mladá fronta Dnes berichtet, hätte der Fahrer in Tschechien mit 10.000 Kronen (umgerechnet rund 500 Euro) Geldstrafe und bis zu einem Jahr Führerscheinentzug rechnen müssen. Theoretisch möglich wäre nach Angaben einer Polizeisprecherin auch eine Anklage wegen Gemeingefährdung. Diese sei allerdings im konkreten Fall vermutlich schwer nachzuweisen, so Veronika Hodačová von der tschechischen Verkehrspolizei.



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