Lucian wird Lucille

Diese Schönheit war ein Mann

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Lucille wollte nicht mehr warten: Für ihre Geschlechtsumwandlung ließ sie sich in eine Privatklinik einweisen, bezahlte aber keinen Cent.

Sie wurde im falschen Körper geboren: Lucian – heute Lucille – hatte seit seiner Kindheit den Wunsch, ein Mädchen zu sein. Der Weg dorthin war mehr als steinig. Selbst nach zahlreichen Arztbesuchen wurde der damals 20-Jährige immer wieder vertröstet. Keiner schien ihn ernst zu nehmen.

Zwar bezahlt die Krankenkasse in solchen Fällen (Fachjargon: Transgender) eine Geschlechtsumwandlung, doch Lucille hätte drei Jahre warten und für Therapien aus eigener Tasche viel Geld bezahlen müssen.

Prozess. Um sich den größten Herzenswunsch rasch zu erfüllen, wurde Lucille zur Betrügerin: Sie gab im Juni 2006 bei Ärzten in der Privatklinik Döbling an, die Kosten (immerhin 18.000 Euro) für die Operation parat zu haben. „Geld spielt keine Rolle“, hat sie dem Chirurgen versichert. In Wahrheit hatte Lucille damals wegen ihrer Tanssexualität gerade ihren Job als Stylistin verloren und konnte die Arzthonorare nicht annähernd bezahlen. „Mein Leidensdruck war enorm“, erklärt Lucille beim Prozess im Landesgericht Richterin Daniela Setz. „Ich musste endlich zur Frau werden! Denn ich bin eine Frau!“, so die heute 21-Jährige.

Lügengeschichten. So tischte sie den Ärzten im Hinblick auf die ersehnte Operation allerhand Lügengeschichten auf: schmückte sich – laut Staatsanwalt – mit einem adeligen Namen; gab an, dass ihre Mutter Ärztin sei – und ihr Vater Architekt. Freilich stimmte keine dieser Behauptungen. Ihr Geständnis und das Versprechen, dass sie die Kosten für ihre Operation abstottern werde, brachte Lucille ein mildes Urteil ein: sechs Monate bedingt.

ÖSTERREICH sprach mit der jungen Frau nach ihrer Verurteilung.

ÖSTERREICH: Sie sind noch einmal mit einem blauen Auge davon gekommen und wurden wegen schweren Betrugs nur bedingt verurteilt. Sind Sie erleichtert?
Lucille: Ich bin froh, dass der Prozess vorbei ist. Man ist bei Gericht mit mir und meinem Schicksal sehr einfühlsam umgegangen. Das war in der Vergangenheit nicht immer so. Ich werde bis heute aufgrund meiner Erscheinung diskriminiert.

ÖSTERREICH: Sie sind jetzt eine bildhübsche Frau. Man kann sich schwer vorstellen, dass Ihnen jemand Übles antun möchte.
Lucille: Übergriffe auf transsexuelle Menschen sind an der Tagesordnung. Statt sich mit uns ernsthaft auseinanderzusetzen, werden wir schief angeschaut und beschimpft.

ÖSTERREICH: Sie wurden kriminell, um ihre Geschlechtsumwandlung durchzusetzen. Haben Sie kein schlechtes Gewissen?
Lucille: Doch, ich schäme mich. Ich konnte aber keine drei Jahre mehr warten. Natürlich wusste ich, dass ich dafür gerade stehen muss.

ÖSTERREICH: Sie sind tatsächlich ein neuer Mensch geworden. Wie stellen Sie sich Ihre Zukunft vor?
Lucille: Erst möchte ich mir meinen neuen Vornamen Lucille in alle Dokumente eintragen lassen. Dann muss ich nie mehr erklären, warum Lucian kein Mann ist und kann mir einen neuen Job suchen. Dann bin ich wirklich ein neuer Mensch.

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