Am Wiener Straflandesgericht startet am Donnerstag der größte Spionage-Prozess, der in den vergangenen Jahrzehnten in Österreich verhandelt worden ist.
Dem ehemaligen Chefinspektor im mittlerweile aufgelösten Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung, Egisto Ott, wird Amtsmissbrauch und nachrichtendienstliche Tätigkeit zugunsten Russlands vorgeworfen. Er bestreitet die Vorwürfe. Am Gericht rechnet man mit enormem, internationalem Medieninteresse.
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Wirecard-Spitzenmanager Jan Marsalek
Der Prozess dürfte auch weit über die Grenzen Österreichs verfolgt werden - wird Ott doch unter anderem vorgeworfen, im Auftrag des per internationalen Haftbefehls gesuchten ehemaligen Wirecard-Spitzenmanagers Jan Marsalek ohne dienstlichen Auftrag Personendaten abgefragt und an diesen weitergegeben zu haben.G
Geheimdienstliche Informationen
Auch Diensthandys eines ehemaligen Kabinettschefs im Innenministerium und ein SINA-Laptop mit brisanten geheimdienstlichen Informationen eines EU-Staates sollen von Ott über Marsalek ihren Weg zum russischen Inlandsgeheimdienst FSB gefunden haben.
Der Angeklagte Ex-BVT-Chefinspektor Egisto Ott vor Verhandlungsbeginn am Straflandesgericht Wien am Mittwoch, 18. Dezember 2024.
Verhandlung gegen Ott
Ott dürfte spätestens ab Mittag zu Wort kommen, nachdem die Staatsanwälte ihre Anklage vorgetragen haben. Für die Beschuldigteneinvernahmen ist auch der Freitag vorgesehen.
Ex-Verfassungsschützer Egisto Ott am 06. November 2024 im Rahmen des Prozesses in Wien.
Mitangeklagter Polizist
Ausgeschrieben ist die Verhandlung gegen Ott und einen mitangeklagten Polizisten vorerst bis Anfang März, wobei insgesamt zehn Verhandlungstage anberaumt sind. Zeuginnen und Zeugen sind erst für die Termine im Februar geladen.