Elsner

Nach Entlassung

Elsner bald in U-Haft in Wien?

Nachdem Helmut Elsner das Krankenhaus "La Timone" in Marseille verlassen hat und in seine Villa zurückgekehrt ist, rechnet die Staatsanwaltschaft Wien nun mit seiner baldigen Auslieferung.

"Seine Entlassung aus dem Spital bestätigt unsere Annahme, dass Elsner doch nicht so krank ist, wie es immer wieder von seinen Anwälten behauptet worden ist", meinte Gerhard Jarosch, der Sprecher der Anklagebehörde. Zur Zeit weilt der Ex-BAWAG-Generaldirektor in seiner Villa in Mougin bei Cannes.

"Untragbares" Krankenzimmer
Der leitende Kardiologe hat die Situation im Krankenhaus angesichts allzu zudringlicher Journalisten, die das Krankenzimmer belagert hätten, laut Elsners Anwalt Wolfgang Schubert als "untragbar" eingestuft. Er habe entschieden, dass der frühere Bankchef nun in eine vollkommen stressfreie Situation gebracht werden soll: Nach Hause in seine perfekt abgeschirmte Villa mit Garten und Swimmingpool.

Kardiologisches Gutachten
Nächsten Dienstag soll dem zuständigen Staatsanwalt Bertrand Charpentier und Elsners französischem Anwalt Gerard Baudoux das neue kardiologische Gutachten vorliegen, dass die Basis für die nächste Verhandlung am 17. Oktober in Aix-en-Provence ist. Der Auslieferung Elsners hat das Gericht zwar vor einer Woche bereits grundsätzlich stattgegeben, die Entscheidung über die Transportfähigkeit wurde aber vertagt.

Transportfähigkeit ist entscheidend
Laut Schubert wird Elsner, "wenn es medizinisch möglich ist", zur Verhandlung kommen "muss aber nicht". Sollte das Gutachten Elsner neuerlich für nicht transportfähig befinden, könnte er in Frankreich und auf freiem Fuß bleiben. Möglich wäre dann, dass ein neues Gutachten ein, zwei Monate später neuerlich über seinen Gesundheitszustand erstellt werden muss.

Andernfalls könnte die Überstellung "zügig" erfolgen, so Schubert. In Österreich würde Elsner dann dem Untersuchungsrichter vorgeführt werden, der über die weiteren Schritte entscheiden müsste, etwa auch über die Festsetzung einer Kaution. Die von dem Unternehmer und Elsner-Freund Martin Schlaff in Südfrankreich bezahlte Kaution von einer Million Euro wird jedenfalls zurückgezahlt, sobald Elsner nach Österreich ausgeliefert wird.

Staatsanwaltschaft: rasche Übergabe
Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass das zuständige Gericht in Aix-en-Provence, das am 17. Oktober über die Transportfähigkeit Elsners entscheiden will, der erwünschten raschen Übergabe Elsners an die heimische Justiz nichts mehr in den Weg legen wird. Hier würde Elsner, gegen den Anfang September ein nationaler sowie ein europäischer Haftbefehl erlassen worden war, die U-Haft nicht erspart bleiben.

Krankheit kein Haft-Ausschluss
Selbst behauptete Herz- und Kreislaufprobleme würden daran wohl nichts ändern: In der österreichischen Rechtsordnung spielt für die U-Haft eine allfällige Haftunfähigkeit keine Rolle - eine Erfahrung, die auch ein herzkranker ehemaliger FPÖ-Parlamentarier machen musste, der mit seinem Familienbetrieb unter betrügerischen Begleiterscheinungen in die Pleite geschlittert war.

Gesundheitliche Bedenken sind erst bei der Frage der Vollzugstauglichkeit eines abgeurteilten Straftäters von Bedeutung. Außerdem verfügt das Landesgerichtliche Gefangenenhaus Wien-Josefstadt, in dem Elsner auf Wunsch der Staatsanwaltschaft Aufnahme finden soll, über eine moderne Krankenstation, in der auch gesundheitlich angeschlagene U-Häftlinge gleichermaßen Platz und eine entsprechende Behandlung finden.



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