Interview mit Ibiza-Detektiv sorgt für Polit-Eklat

War Hofburg über Video informiert?

Interview mit Ibiza-Detektiv sorgt für Polit-Eklat

Mächtige Wellen schlagen drei Interviews, die Ibiza-Detektiv Julian H. jetzt gab.

Wien. Julian H. engagierte die falsche Oligarchennichte, lockte Strache und Gudenus nach Ibiza, drehte das Video. Jetzt meldete er sich erstmals zu Wort. Spiegel, der Süddeutschen Zeitung und Standard gab er Interviews. Darin schildert er, wie er 2016 mit dem Wiener Anwalt M. die Idee zum Video entwickelt und umgesetzt hat: „Es war unglaublich leicht.“

Angeblich kein Geld geflossen

Anwalt M. habe im Wahlkampf 2017 mehrmals versucht, das Video um „zwei, drei Millionen zu verkaufen“ – ohne Erfolg. „Letztlich sei kein Geld geflossen“, behauptet H. Auch soll die Präsidentschaftskanzlei in Wien vorab über die Veröffentlichung informiert worden sein.

Dort wird dementiert. Bestätigt wird nur ein Mail mit „vagen Andeutungen“, das man ad acta gelegt habe.

Milliardär Haselsteiner zeigte kein Interesse

Angeboten wurde das Video auch einem Vertrauten des Industriellen Hans Peter Haselsteiner, so H. Der habe es aber nicht gewollt. Abgelehnt hat auch der deutsche Satiriker Jan Böhmermann, den man in Köln getroffen habe. Der „wollte damit aber nichts zu tun haben“, so H.

Ebenso sei mit einem ÖVP-nahen Berater geredet worden. Jan Krainer, SPÖ-Fraktionsführer im Ibiza-U-Ausschuss, sieht darin eine „Bombe“. SPÖ-Bundesgeschäftsführer Christian Deutsch fordert die ÖVP und Kanzler Kurz auf, „unverzüglich Kontakte und Angebote an die Ersteller des Ibiza-Videos offenzulegen“.

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Wussten Kurz und ÖVP von "Video-Falle"?

In den Interviews gibt H. auch an, dass Ex-FPÖ-Politiker Johann Gudenus schon vor dem Treffen auf der Finca in Ibiza aus „ÖVP-Umfeld“ vor einer Videofalle gewarnt wurde: „Sollte sich herausstellen, dass die ÖVP und Kurz von der geplanten Video-Falle gewusst haben, würde das dem Fass den Boden ausschlagen“, so Deutsch.

„Skandalöse Enthüllungen“ ortet FPÖ-Fraktionsführer Christian Hafenecker. Der Freiheitliche will sogar Präsident Van der Bellen und dessen engen Mitarbeiter Lothar Lockl in den U-Ausschuss vorladen: „Stimmen H.s Aussagen, hat man sich hier offensichtlich mit einem Kriminellen zusammengetan“, so Hafenecker.

Gudenus: Das sagt er dem "Hascherl"

Wurde Strache-Freund Johann Gudenus von der ÖVP vor einer Videofalle gewarnt, wie das Julian H. behauptet? Nein, simst Gudenus an ÖSTERREICH: Es habe nur „im Vorfeld der Wahl 2017 (…) Gerüchte gegeben, die an Strache und mich herangetragen wurden, dass diverse Fallen à la Silberstein gestellt werden könnten“. Nicht ganz ernst gemeinter Zusatz in Richtung H.: „Die Glaubwürdigkeit von diesem armen Hascherl bestreitet sicher niemand.“

Sehen Sie hier ein Interview mit Johann Gudenus bei Fellner! LIVE
Video zum Thema: Fellner! LIVE: Johann Gudenus im Interview
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Julian H. über die Hintergründe: "Es war unglaublich leicht"

Plan: Strache sollte wegen Korruption auffliegen

„Ich habe den Wiener Anwalt M. kennengelernt und mit ihm zusammengearbeitet (…) Im Sommer 2016 entstand über ein paar Drinks die Idee. Es war der Versuch, Strache Korruption und Untreue nachzuweisen.  Angefangen hat alles mit einem Treffen in Wien mit Gudenus, Straches Vertrautem, und der angeblichen Oligarchin. Die Legende war, dass sie russisches Schwarzgeld nach Österreich transferieren wollte. Gudenus ist darauf eingegangen, es war unglaublich einfach.“

Ibiza-Finca: Aufwand ist sehr gering gewesen

Aus meiner Perspektive war es unglaublich, dass man mit jemandem, der wohl bald in der Regierung sein würde, so leicht ein solches Treffen arrangieren konnte. Gudenus hatte von mir immer nur einen Vornamen und eine Wegwerfnummer.“

Über die Kosten: Wenig Ausgaben zu Beginn

„Das war gar nicht so teuer. Anfangs ging es nur um 30.000 Euro. Alles in allem hat es schließlich mehr als 100.000 Euro gekostet.“

Über Geld: Das sollte mit Video verdient werden

„Der Anwalt ging immer davon aus, dass sich alle um das Video reißen würden wie um warme Semmeln. Er wollte 2,5 Millionen Minimum erzielen, damit er unsere Kosten decken könnte.“

Angebot: Haselsteiner war 1. Ansprechperson

„Seine erste Station war ein Vertrauter von Hans Peter Haselsteiner. Der hat es nicht gewollt. Danach hat er wohl mit einem ÖVP-nahen Berater geredet. Und dann noch mit der SPÖ. Es kam dann aber, glaube ich, ein Schreiben, das besagte: Die SPÖ hat kein Interesse daran.“

Oligarchin: Kurz vor Ibiza wurde sie gebrieft

„Ihren Namen nehme ich mit ins Grab. Der Eindruck, sie musste monatelang eingearbeitet werden, ist falsch. Sie ist hochintelligent. Das einzige Briefing, das es gab, hat 40 Minuten gedauert (…) Man braucht wen, der in der Sekunde glaubwürdig improvisieren kann. Ich musste sie lang überzeugen mitzumachen.“

Nervenprobe: Zwei Jahre höchster Anspannung

„Dieses Video hat mein Leben gefressen. Jede freie Minute habe ich damit verbracht, Veröffentlichungsmöglichkeiten zu ersinnen. Der Tag der Veröffentlichung war der erste gute Tag seit Langem.“


 

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