NIKI: Filetierung und Rettungsversuche

Hin und her nach Pleite

NIKI: Filetierung und Rettungsversuche

Angeblich "zwei oder drei" Interessenten - Zeit drängt sehr.

Die Air-Berlin-Tochter Niki ist gestern Mittwochabend überraschend schnell in die Pleite geschickt worden. Heute Donnerstag liefen einerseits noch Bemühungen, einen Käufer für das Unternehmen zu finden, andererseits warben die Konkurrenten AUA und Eurowings bereits um Niki-Mitarbeiter. Die Republik Österreich will gestrandeten Passagieren helfen und vielleicht eine Zwischenfinanzierung aufstellen.

Niki wurde, obwohl eine österreichisches Unternehmen, in Deutschland in die Insolvenz geschickt. Masseverwalter Lucas Flöther sagte, er versuche noch einen Notverkauf, dafür habe er noch "ein paar Tage" Zeit. Bisher hat sich nur der frühere Niki-Gründer Nikolaus Lauda als Interessent für eine Übernahme der Airline geoutet. Zuletzt hieß es, auch Thomas Cook sei interessiert. GPA-Chef Wolfgang Katzian will von "drei bis vier" potenziellen Interessenten für Niki wissen. Die ersten Gespräche mit möglichen Interessenten seien bereits geführt worden, sagte Niki-Geschäftsführer Oliver Lackmann am Donnerstagabend. Die Gespräche seien "sehr dynamisch", das Zeitfenster für eine Rettung wohl sehr kurz.

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Parallel dazu haben die Konkurrenten AUA und Eurowings aber schon begonnen, um Mitarbeiter von Niki zu werben. An Piloten, Flugbegleiter und Techniker von Niki erging der Aufruf, sich bei der AUA zu bewerben. Von AUA-Chef Kay Kratky wurde ein beschleunigtes Bewerbungsverfahren zugesagt, Niki-Leute können sich sofort melden. Außerdem warb der Betriebsrat Bord in einem internen Schreiben bei den AUA-Mitarbeitern darum, künftige Kollegen von Niki positiv aufzunehmen. Es brauche ein Gefühl der Gemeinsamkeit in der Branche, schließlich könne es in einer Konzernstruktur wie der Lufthansa "schon morgen den nächsten treffen".

Auch Eurowings, wie AUA eine Lufthansa-Tochter, wirbt um Mitarbeiter der insolventen Air-Berlin-Tochter Niki. Eurowings habe in den vergangenen Wochen bereits mehr als 500 Mitarbeiter eingestellt, darunter viele Flugbegleiter und Piloten von Air Berlin. "Ab sofort werden wir eine Vielzahl weiterer Stellen an unseren Standorten in Deutschland, aber auch in Österreich und Spanien anbieten", sagte Konzernchef Thorsten Dirks.

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Während um die Zukunft der Firma gerungen wird, droht alleine über das Wochenende 10.000 Passagieren von Niki, im Ausland zu stranden. Die noch wenige Tage amtierende österreichische Bundesregierung will sich um ihre Rückholung bemühen und stellt dafür auch Unterstützung in Aussicht. Außerdem wird in der Regierung nachgedacht, ob eine Zwischenfinanzierung für Niki möglich ist, wie Verkehrsminister Jörg Leichtfried (SPÖ) sagte.

Die AUA hat sich bereit erklärt, Sonderflüge zu organisieren, um Niki-Passagiere zurückzuholen. Die AUA hat dazu bereits intern ihre Crews vorgewarnt, dass außertourliche Anfragen an fliegendes Personal kommen könnten. Dazu würden Flugzeuge aus den Hangars geholt.

Nebenbei prüfen Rechtsexperten noch, ob möglicherweise in Österreich ein Sekundärinsolvenzverfahren beantragt wird. Den Gang vor das Insolvenzgericht in Berlin Charlottenburg nannte Niki-Chef Lackmann einen "sehr bedauerlichen Schritt". Nach Angaben des Insolvenzexperten Alexander Klikovits vom Kreditschutzverband (KSV1870) werden die Vor- und Nachteile eines solchen "Sekundärinsolvenzverfahrens" abgeklärt - "ob das Sinn macht oder alles nur erschwert".

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