Mordverdacht

Landwirt (80) wollte Bruder mit Traktor überfahren

Der Angeklagte bekannte sich vor Gericht nicht schuldig. 

Der Prozess gegen einen 80-jährigen Landwirt wegen versuchten Mordes ist am Montag am Grazer Straflandesgericht fortgesetzt worden. Der Mann soll seinen Bruder (72) auf dessen Moped mehrmals mit dem Traktor angefahren haben. Der Angeklagte bekannte sich weiterhin nicht schuldig und blieb bei seiner Darstellung: Der Bruder habe den "Unfall" absichtlich verursacht. "Das, was ich bisher ausgesagt habe, stimmt ganz sicher", sagte er vor den Geschworenen. Ein Urteil wird erwartet.

Laut Staatsanwältin Julia Steiner hat der 80-Jährige im November 2024 den Bruder auf dessen Moped zunächst mit dem Traktor angefahren. Nach der ersten Kollision soll er auf das dann am Boden liegende Moped zugesteuert haben, unter dem der Bruder eingeklemmt war. Zu diesem Zeitpunkt soll der 72-Jährige "Hör auf" geschrien haben, der Angeklagte habe erwidert: "Jetzt bist du dran." Der Traktor rammte abermals das Moped. Das Opfer erlitt schwere Verletzungen, er lag fünf Tage auf der Intensivstation.

APASTEIERMARK Landwird versuchter Mord

Das beschädigte Moped des Opfers.  

© APA/ANNA STOCKHAMMER

Der Angeklagte blieb dabei, dass sein Bruder ihm bewusst in den Traktor gefahren sei, um ihm Schwierigkeiten zu bereiten. Seit rund elf Monaten sitzt der 80-Jährige in Untersuchungshaft. Laut Staatsanwaltschaft liegen die beiden Brüder schon seit Jahren im Streit. Die beiden Männer sind Nachbarn, sie nutzen dieselben Zufahrtsstraßen, um zu ihren Häusern bzw. Höfen in Graz-Umgebung zu kommen.

Gutachten stützen Anklage

Bei der Fortsetzung des Prozesses am Montag wurde das medizinische Gutachten des jüngeren Bruders weiter erörtert. Die Gerichtsmedizinerin blieb bei ihren bisherigen Einschätzungen und wies Einwände der Verteidigung zurück. "Die Verletzungen passen zu dem, was das Opfer erzählt", so die Gutachterin. Auch ein Kfz-Experte erklärte erneut anhand des im Gerichtssaal ausgestellten Mopeds, dass die vom Angeklagten geschilderte Unfallversion sich nicht mit den vorhandenen Schadensbildern vereinbaren lasse. Die Schäden würden vielmehr die Aussagen des jüngeren Bruders stützen.

Die detaillierten Widersprüche und Zweifel der Verteidigung könne der Sachverständige entkräften, gab er vor Gericht an. Die Darstellung des Angeklagten, wonach der Bruder mit dem Moped absichtlich frontal in den Traktor gefahren sei, ließe sich mit den festgestellten Schäden nicht erklären. Für eine Frontalkollision gebe es keine Hinweise, die Schadensbilder und die Lage der zerstörten Fahrzeugteile müssten in diesem Fall anders aussehen, so der Gutachter. Die Spuren sprächen vielmehr dafür, dass der Traktor das Moped zunächst zum Umstürzen gebracht habe und anschließend auf das bereits am Boden liegende Fahrzeug aufgefahren sei.

Der Prozess soll am Nachmittag fortgesetzt werden, ein Urteil wird erwartet.

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