Beim Österreichischen Tierschutzverein schrillen die Alarmglocken. Immer mehr Katzen landen im Tierheim, nicht wegen Krankheit oder Notfällen, sondern weil Menschen mit ihren eigenen Erwartungen scheitern. Am Assisi-Hof in Stockerau zeigt sich das Ausmaß täglich.
Die Gründe für die Abgaben sind oft erschreckend banal. Viele Menschen unterschätzen den Aufwand, den eine Katze mit sich bringt. Sie glauben, ein Stubentiger komme mit wenig aus, doch die Realität sieht anders aus. "Katzen sind sensible Tiere mit einem feinen Gespür für ihre Umgebung. Die romantische Vorstellung vom unkomplizierten Stubentiger stimmt so nicht und führt oft zu Enttäuschungen - bei Tier und Mensch", erklärt Alfred Kofler, Leiter der Tierpflege am Assisi-Hof in Stockerau.
Am Assisi-Hof in Stockerau warten viele wunderbare Katzen auf ein neues Zuhause.
Die Tiere bezahlen den Preis für falsche Annahmen. Fast jede zweite Katze, die in Stockerau abgegeben wird, hätte laut Kofler weiterhin bei ihrer Familie leben können, wenn sich diese vorher ausreichend informiert hätte.
Ein Heim ist kein Ersatz für Verantwortung
Katzen brauchen mehr als Futter und ein Körbchen. Sie verlangen Aufmerksamkeit, Zeit und ein passendes Umfeld. Besonders Wohnungskatzen sind auf Ansprache und Gesellschaft angewiesen. Wer hier allein hält, riskiert Verhaltensprobleme und Einsamkeit. Zwei Tiere sind in solchen Fällen oft die bessere Lösung.
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Auch der Alltag stellt Fragen, die viele erst im Nachhinein bedenken. Wer übernimmt die Versorgung im Urlaub oder bei Krankheit? Was, wenn der Vermieter keine Haustiere erlaubt? Und wurde vor dem Kauf abgeklärt, ob eine Katzenallergie vorliegt?
Der Österreichische Tierschutzverein appelliert deshalb eindringlich an alle Tierfreunde, sich vor der Anschaffung umfassend zu informieren. Nur so lässt sich verhindern, dass Katzen unverschuldet in Heimen landen – abgeschoben, weil Erwartungen und Wirklichkeit nicht zusammenpassen.
50 bis 70 Euro Kosten pro Monat
Am Assisi-Hof in Stockerau gibt es sie, die zweite Chance für Katzen, die wegen Unwissenheit ihr Zuhause verloren haben. Dort wartet nicht nur ein neues Heim, sondern auch kompetente Beratung für alle, die es diesmal besser machen wollen.
"Damit das Zusammenleben mit einem Haustier gut funktioniert, braucht es Wissen, Mitgefühl und echte Verantwortung – und das schon vor der Anschaffung", betont Alfred Kofler. Er weiß, wie schnell Tierliebe scheitert, wenn sie nicht mit Realität abgestimmt ist.
Eine katzengerechte Haltung bedeutet mehr als gute Absicht. Hochwertiges Futter, medizinische Versorgung, Rückzugsorte, Spielmöglichkeiten und sichere Lebensräume gehören ebenso dazu wie ein realistischer Blick auf Zeit- und Kostenaufwand. Monatlich fallen rund 50 bis 70 Euro an, Sonderausgaben nicht eingerechnet.
Wer sich dieser Verantwortung stellt, schafft ein liebevolles Zuhause. Wer sie verdrängt, riskiert Tierleid. Der Österreichische Tierschutzverein ruft deshalb zum Welttag der Katze am 8. August dazu auf, nicht das Bild vom perfekten Haustier zu kaufen, sondern den Weg für ein echtes Zusammenleben zu bereiten.