So verläuft der erste Skitag in Ischgl

Erste Bilanz

So verläuft der erste Skitag in Ischgl

Hoffen und Warten auf Rückkehr zur Normalität.

Ischgl. Tag eins des Skibetriebs in Ischgl. Es ist noch früh, die Temperaturen sind eisig. Die Silvrettaseilbahn ist schon in Betrieb, die Gondeln streben zum ersten Mal seit langer Zeit wieder in Richtung Idalpe. Die Dorfstraße, wo sich Hotel an Hotel reiht, ist so gut wie menschenleer. Nur vereinzelt trifft man Passanten, die sich zumeist als Hotelmitarbeiter entpuppen. Später mischen sich dann einige wenige Personen in Skimontur dazu, die Skier lässig über die Schulter geworfen.

© APA/EXPA/JOHANN GRODER
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× So verläuft der erste Skitag in Ischgl

Ihr Ziel ist eindeutig. Wenige Gehminuten weiter befindet sich die Talstation der Silvrettaseilbahn. Dort bilden sich immer wieder kleinere Menschenansammlungen. Die FFP2-Maske, die dann spätestens in den Gondeln benötigt wird, haben die meisten schon aufgesetzt. Ischgl sperrt erstmals seit der Verhängung der Quarantäne im März 2020 trotz des aktuellen Lockdowns wieder auf.

Stimmung vor Ort ist gut

Mit wirklichen Warteschlangen ist heute jedenfalls nicht zu rechnen. Doch die Stimmung vor Ort ist bei traumhaft schönem Skiwetter - trotz zweistelliger Minusgrade am Berg - gut. "Ich bin aus Niederösterreich und hier in Ischgl in einem Hotel angestellt", sagt ein Mann um die 30. Er wolle die Zeit bis zum Aufsperren des Hotels noch intensiv auf den Pisten verbringen. "Ich freue mich schon auf die ersten Schwünge", betont er und ist schon unterwegs in Richtung Bahn.

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Auch eine Skifahrer-Runde, bestehend aus zwei jungen Frauen und einem jungen Mann, wirkt schon euphorisiert angesichts des anstehenden Skitages. Deren aus der Ferne nicht identifizierbare Sprache stellt sich im Gespräch schließlich als Ungarisch heraus. "Der heutige Tag wird toll", gibt dann schließlich der Mann der Runde auf Deutsch zu Protokoll. Ein älteres Paar unweit dieser Gruppe, ein Ehepaar, gibt sich ähnlich wortkarg. "Wir müssen weiter auf die Piste", betont der Mann eher barsch.

Zunehmend füllt sich der Platz vor der Silvrettabahn. "Endlich wieder Skifahren", schallt es von einer kleinen Skifahrergruppe aus der Distanz herüber. Einige Skifahrer stellen sich, zumeist mit FFP2-Maske, an einem nahen Takeaway-Stand an. Uhrzeit- und kältebedingt ist heißer Kaffee in Pappbechern im Moment der Verkaufsschlager schlechthin. Fast wähnt man Ischgl schon im Normalmodus, auch wenn Après-Ski und Party freilich noch fern sind und definitiv anders aussehen.

Auch kulinarische Highlights sucht man hier vorerst vergebens. Und das, obwohl Ischgl an sich über eine Haubendichte verfügt, wie sie in Österreich auf so engem Raum einzigartig ist. Aber man bereitet sich darauf vor, auch dahin gehend bald wieder zu einem Ischgl-Normalmodus zurückzukehren.

Parth: "Wir sind euphorisch"

Beim nahegelegenen Hotel "Yscla" und im dortigen Gourmetrestaurant "Stüva" von Benjamin Parth herrscht jedenfalls bereits reges Treiben. "Wir sind euphorisch", sagt Parth dort hinsichtlich der erhofften Öffnung von Hotel und Restaurant am 13. Dezember. Die Vorbereitungen seien schon in vollem Gange, man wolle endlich wieder hin zur "Normalität". Mit dem "Worst-Case-Szenario", also dem Ausbleiben der von Regierungsseite in Aussicht gestellten Öffnung, will sich Parth auf Nachfrage hin lieber nicht beschäftigen und verschwindet alsbald wieder in Richtung Restaurant und Hotel.

Während Hotels und Restaurants in Ischgl noch geschlossen haben, entdeckt man nur unweit der Parth-Wirkungsstätte geöffnete Skishops. Die Stimmung dort ist, im Gegensatz zur Gastronomie, eher verhalten. Nur vereinzelt verirren sich Menschen in die Shops. Da bleibt dem Personal nur noch übrig, sich untereinander zu unterhalten - womöglich über eine Zeit nach dem Gastro- und Hotel-Lockdown, in der Ischgl langsam wieder zu einer Art Normalität zurückfindet.

Zu Beginn der Pandemie war der Tiroler Wintersportort als Corona-Cluster international in die Schlagzeilen geraten. Von der Après-Ski-Szene in Ischgl ausgehend hatte sich das Virus Anfang März 2020 in mehrere europäische Länder weiterverbreitet, zunächst nach Island. Die Wintersaison 2019/20 dort wurde dann abrupt noch Mitte desselben Monats beendet. Das Corona-Krisenmanagement der Verantwortlichen vor Ort geriet heftig unter Beschuss und hatte ein gerichtliches Nachspiel. Die Justiz hat ihre strafrechtliche Ermittlungen aber kürzlich eingestellt - die Staatsanwaltschaft Innsbruck teilte am 24. November 2021 mit, dass es zu keiner Anklage kommen werde. Weiters wurden am 1. Dezember zwei zivilrechtliche Klagen am Landesgericht für Zivilrechtssachen Wien abgewiesen.



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